50 Jahre ATV Erfahrung für die Zukunft Größte Vereinigung für Abwasser, Abfall und Gewässerschutz in Europa feiert in Bremen G

50 Jahre ATV Erfahrung für die Zukunft Größte Vereinigung für Abwasser, Abfall und Gewässerschutz in Europa feiert in Bremen Geburtstag
Hennef/Bremen, 29. Septemer 1998
Einer der bedeutendsten Verbände für Abwasser, Abfall und Gewässerschutz, die in Hen-nef (Sieg) bei Bonn ansässige ATV Vereinigung für Abwasser, Abfall und Gewässerschutz ist 50 Jahre alt geworden und feiert mit einer Jubiläumsbundestagung vom 29. September bis zum 1. Oktober 1998 im Congress Centrum Bremen Geburtstag.Gegründet am 10. Mai 1948 in Düsseldorf unter schwierigen Umständen, ist die gemeinnützige ATV heute mit über 13 700 Mitgliedern die größte Vereinigung für Abwasser, Abfall und Gewässerschutz in Europa. Über die fördernde Mitgliedschaft von Kommunen, Firmen, Hochschulen, Behörden und Ingenieur-büros werden ca. 150 000 Fachleute erreicht. Die ATV ist politisch und wirtschaftlich unabhängig. Zu ihren Haupttätigkeitsge-bieten zählen neben technisch-wissenschaftlichen Themen die wirtschaftlichen und rechtlichen Belange des Umweltschutzes. In der Bürogemeinschaft aus ATV-Hauptgeschäftstelle, ihrem wirt-schaftlichen Schwesterverein GFA (Gesellschaft zur Förderung der Abwassertechnik e. V.) und dem europäischen Dachverband der Abwasserentsorger EWPCA (European Water Pollution Control Association) sind ca. 70 Personen beschäftigt. Die ATV-Hauptgeschäftsstelle und die sieben ATV-Landesgruppen mit weiteren insgesamt 13 Beschäftigten unterhalten ein umfassendes Dienstleistungsspektrum und Informationsangebot für Fachleute der Entsorgungsbranche, aber auch für die allgemeine Öffentlichkeit.
Von Beginn an profilierte sich die ATV vor allem durch die Erarbeitung des technischen Regelwerks für Abwasser- und Abfallanlagen („ATV-Regelwerk Abwasser-Abfall“), die in Deutschland allgemein akzeptierte Unterlage für den Bau und Betrieb solcher Anlagen, und ein umfassendes Angebot an Maßnahmen zur beruflichen Bildung von Fachleuten der Entsor-gungsbranche auf allen Qualifikationsstufen vom Klärwärter bis zum Ingenieur. In engem Zusammenhang mit dem ATV-Regelwerk steht die Mitwirkung der ATV in den Gremien der Europäischen Normung (CEN). So können die praxisbewährten Inhalte des ATV-Regelwerks, das quasi den Charakter von Nor-men hat und das von etwa 1 000 Fachleuten ehrenamtlich in über 200 Fachgremien erarbeitet und fortgeschrieben wird, in den europäischen Abstimmungsprozeß eingebracht werden.
Wie viele der in der Nachkriegszeit neugegründeten Organisationen hat auch die ATV eine längere Ahnentafel von Vorgän-gerorganisationen. Genannt sei nur die am 1. April 1901 in Berlin gegründete „Königliche Versuchs- und Prüfanstalt für Wasserversorgung und Abwässerbeseitigung“, die ihrerseits aus der staatlichen Abwasserkommission des preußischen Staates hervorgegangen ist. Als neue Organisation, die alle auf dem Gebiet des Abwasserwesens Tätigen zusammenfassen sollte, wurde am 21. Januar 1931 schließlich die „Fachgruppe Abwasser der Deut-schen Gesellschaft für Bauwesen“ ins Leben gerufen, deren Ar-beitsausschüsse bis 1945 tätig waren.
Die Gründung der ATV, wie wir sie heute kennen, geht auf die Initiative des damaligen Direktors der Ruhrverbände, Dr.-Ing. Max Prüß, zurück, der dann auch von 1948 bis 1954 der erste Präsident der Vereinigung war. Zur Erledigung der fachlichen Arbeit wurden zwölf Arbeitsausschüsse gegründet, deren The-menpalette von Abwasser über Hausmüll zu Verwaltungs- und Rechtsfragen reichte (heute: acht Hauptausschüsse). Die ATV bestand zunächst nur in der britischen Zone, in den folgenden Jahren des Wiederaufbaus in Deutschland nahm sie aber rasch zonenübergreifend Gestalt an. Auch der Aufbau der heute noch im wesentlichen gültigen regionalen Gliederung der ATV wurde unverzüglich in Angriff genommen: Ab 1950 wurden die Lan-desgruppen gegründet (als erstes die ATV-Landesgruppe Nordwest, heute Nord). Die Kläranlagennachbarschaften, die vor al-lem dem gegenseitigen Informations- und Erfahrungsaustausch sowie der Fortbildung des Betriebspersonals von Kläranlagen dienen, wurden seit 1968/69 eingerichtet; heute gibt es ca. 340 Kläranlagennachbarschaften, in denen fast 7 600 Kläranlagen organisiert sind.
Parallel zum deutschen Wiederaufbau und dem „Wirtschaftswunder“ nach der Währungsreform 1948 nahm die Verschmutzung des Rheins und anderer Flüsse teilweise dramatische Formen an. Noch im Juni 1971 kam es zu einer längst vergessenen Katastrophe, weil der Sauerstoffgehalt des Rheins auf Null abfiel. Als Folge starben einige Tausend (!) Tonnen Fische, die 48 Stunden lang den Strom in seinem „romantischsten Teil“, zwischen Mainz und Koblenz, von Ufer zu Ufer bedeckten. Tatsächlich wurden seit den sechziger Jahren verstärkt und systematisch Kläranlagen gebaut, nachdem in den Jahren zuvor die Instandsetzung und der Ausbau der Kanalisationen im Vordergrund gestanden hatten. Diese Anstrengungen, die wesentlich durch die ATV und ihre Aktivitäten vorangebracht wurden, führten schließlich zu einer erheblichen Verbesserung der Gewässergüte.
Heute nun gibt es in Deutschland über 10 000 Kläranlagen, die öffentlichen Kanalnetze haben eine Gesamtlänge von ca. 400 000 km, was dem Abstand von Erde und Mond entspricht. Über 90 % der Bevölkerung sind an die Kanalisation angeschlossen. Es kommt jetzt mehr darauf an, die bestehenden Anlagen unter optimierten Bedingungen kostengünstig zu betreiben und in der Industrie prozeßintegrierte Maßnahmen zum Umweltschutz zu fördern, um Umwelt-belastungen möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen.
Die Arbeit der in der ATV organisierten Fachleute für Abwasser, Abfall und Gewässerschutz hat jedenfalls, wenn sie auch oft nicht im Scheinwerferlicht der Medien stattfindet, wesentlichen Anteil an den großen Fortschritten im Umweltschutz in den letz-ten Jahrzehnten. Die ATV hat insofern Geschichte geschrieben für die Menschen, ihr Wasser und eine lebenswerte Umwelt.
Diese Pressemitteilung ist im Internet abrufbar unter http://www.atv.de Rubrik „Aktuelles“, Untergruppe „Pressemeldungen“