50 Jahre ATV Erfahrung für die Zukunft

50 Jahre ATV Erfahrung für die Zukunft
Hennef/Köln, 8. Mai 1998
Einer der bedeutendsten Verbände für Abwasser, Abfall und Gewässerschutz, die in Hennef (Sieg) bei Bonn ansässige ATV (Abwassertechnische Vereinigung e. V.), wird 50 Jahre alt. Gegründet am 10. Mai 1948 in Düsseldorf unter schwierigen Umständen, ist die gemeinnützige ATV heute mit über 13 500 Mitgliedern die größte Vereinigung für Abwasser, Abfall und Gewässerschutz in Europa. Über die fördernde Mitgliedschaft von Kommunen, Firmen, Hochschulen, Behörden und In-genieurbüros werden ca. 150 000 Fachleute erreicht. Die ATV ist politisch und wirtschaftlich unabhängig. Zu ihren Haupttätigkeitsgebieten zählen neben technisch-wissenschaftlichen Themen die wirtschaftlichen und rechtlichen Belange des Umweltschutzes. Die ATV-Hauptgeschäftsstelle mit 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und die sieben ATV-Landesgruppen mit insgesamt 13 Beschäftigten unterhalten ein umfassendes Dienstleistungsspektrum und Informationsangebot für Fachleute der Entsorgungsbranche, aber auch für die allgemeine Öffentlichkeit.Von Beginn an profilierte sich die ATV vor allem durch die Erarbeitung des technischen Regelwerks für Abwasser- und Abfallanlagen („ATV-Regelwerk Abwasser-Abfall“) und ein umfassendes Angebot an Maßnahmen zur beruflichen Bildung von Fachleuten der Entsorgungsbranche auf allen Qualifikationsstufen vom Klärwärter bis zum Ingenieur. In engem Zusammenhang mit dem ATV-Regelwerk steht die Mitwirkung der ATV in den Gremien der Europäischen Normung (CEN). So können die praxisbewährten Inhalte des ATV-Regelwerks, das quasi den Charakter von Normen hat und das von etwa 1 000 Fachleuten ehrenamtlich in ca. 200 Arbeitsgruppen erarbeitet und fortgeschrieben wird, unmittelbar in den Prozeß der europäischen Einigung, zu dem auch die Vereinheitlichung technischer Standards und Verfahren gehört, eingebracht werden.
Wie viele der in der Nachkriegszeit neugegründeten Organisationen hat auch die ATV eine längere Ahnentafel von Vorgängerorganisationen. Genannt sei nur die am 1. April 1901 in Berlin gegründete „Königliche Versuchs- und Prüfanstalt für Wasserversorgung und Abwässerbeseitigung“, die ihrerseits aus der staatlichen Abwasserkommission des preußischen Staates hervorgegangen ist. Als neue Organisation, die alle auf dem Gebiet des Abwasserwesens Tätigen zusammenfassen sollte, wurde am 21. Januar 1931 schließlich die „Fachgruppe Abwasser der Deutschen Gesellschaft für Bauwesen“ ins Leben gerufen, deren Arbeitsausschüsse bis 1945 tätig waren.
Die Gründung der ATV, wie wir sie heute kennen, geht auf die Initiative des damaligen Direktors der Ruhrverbände, Dr.-Ing. Max Prüß, zurück, der dann auch von 1948 bis 1954 der erste Präsident der Vereinigung war. Zur Erledigung der fachlichen Arbeit wurden zwölf Arbeitsausschüsse gegründet, deren Themenpalette von Abwasser über Hausmüll zu Verwaltungs- und Rechtsfragen reichte (heute: acht Hauptausschüsse). Die ATV bestand zunächst nur in der britischen Zone, in den folgenden Jahren des Wiederaufbaus in Deutschland nahm sie aber rasch zonenübergreifend Gestalt an. Auch der Aufbau der heute noch im wesentlichen gültigen regionalen Gliederung der ATV wurde unverzüglich in Angriff genommen: Ab 1950 wurden die Landesgruppen gegründet (als erstes die ATV-Landesgruppe Nord-West, heute Nord). Die Kläranlagennachbarschaften, die vor allem dem gegenseitigen Informations- und Erfahrungsaustausch sowie der Fortbildung des Betriebspersonals von Kläranlagen dienen, wurden seit 1968/69 eingerichtet; heute gibt es ca. 340 Kläranlagennachbarschaften, in denen fast 7 600 Kläranlagen organisiert sind.
Parallel zum deutschen Wiederaufbau und dem „Wirtschaftswunder“ nach der Währungsreform 1948 nahm die Verschmutzung des Rheins und anderer Flüsse teilweise dramatische Formen an. Noch im Juni 1971 kam es zu einer längst vergessenen Katastrophe, weil der Sauerstoffgehalt des Rheins auf Null abfiel. Als Folge starben einige Tausend (!) Tonnen Fische, die 48 Stunden lang den Strom in seinem „romantischsten Teil“, zwischen Mainz und Koblenz, von Ufer zu Ufer bedeckten. Tatsächlich wurden seit den sechziger Jahren verstärkt und systematisch Kläranlagen gebaut, nachdem in den Jahren zuvor die Instandsetzung und der Ausbau der Kanalisationen im Vordergrund gestanden hatten. Diese Anstrengungen, die wesentlich durch die ATV und ihre Aktivitäten vorangebracht wurden, führten schließlich zu einer wesentlichen Verbesserung der Gewässergüte.

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