78. Gesundheitsministerkonferenz in Erlangen

78. Gesundheitsministerkonferenz in Erlangen

1. Länder verfolgen Mehrfachstrategie bei der Pandemievorsorge in Deutschland
2. Gesundheitsminister raten: Vorsicht bei Schönheitsoperationen
3. Einigkeit zwischen deutschen Ländern und europäischer Union bei Aktionen zur
Eindämmung des Tabakkonsums
+++ Eine Vielzahl gesundheitspolitischer Themen ist nur durch länderübergreifende, europäisch und international konzertierte Aktionen lösbar. Darüber stimmten die 16 Länder-Gesundheitsminister mit dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation Dr. Jong-wook Lee und dem für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständigen EU-Kommissar Markos Kyprianou auf der 78. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) in Erlangen überein. Erstmalig für eine GMK konnten die diesjährigen Vorsitzenden, Bayerns Gesundheitsminister Werner Schnappauf und Sozialministerin Christa Stewens, diese hochrangigen Referenten der europäischen und internationalen Gesundheitspolitik gewinnen. Diskutiert wurden u.a. die weltweite Bedrohung durch eine Grippeepidemie, länderübergreifende Maßnahmen gegen die Verharmlosung von Schönheitsoperationen, die europaweite Eindämmung des Tabakkonsums, Möglichkeiten zur Förderung der Organspendebereitschaft und Wege zur Finanzierung von Kinderhospizen. +++

1. Länder verfolgen Mehrfachstrategie bei der Pandemievorsorge in Deutschland
Die GMK verfolgt eine Mehrfachstrategie bei der Pandemievorsorge in Deutschland, betonte Bayerns Gesundheitsminister Werner Schnappauf. Der Ausbruch einer weltweiten Grippeepidemie (Pandemie) sei laut Weltgesundheitsorganisation, EU und Bund zu befürchten: „Es ist nicht eine Frage ob, sondern nur wann und wie stark eine Epidemie ausbricht“, so die Experten. Deshalb wird eine Mehrfachstrategie verfolgt:
- Intensivierung der Ãœberwachung,
- Entwicklung eines Impfstoffes,
- Bevorratung antiviraler Medikamente.
Der Impfstoff wird als das wirksamste Mittel angesehen. Die schnelle Verfügbarkeit des Impfstoffes in der notwendigen Menge hat für die GMK deshalb höchste Priorität. Die GMK begrüßt daher, dass der Bund sich für die Schaffung einer einheitlichen Impfstrategie einschließlich die Sicherung der erforderlichen Produktionskapazitäten einsetzt und die Finanzierung der Vorbereitungskosten übernimmt.

Bezüglich der Medikamentenbevorratung ist eine Rahmenvereinbarung mit den beiden Herstellerfirmen ausgehandelt worden, auf deren Grundlage bis Mitte Juli die angebotene Menge gekauft werden kann. Über Art, Umfang und Notwendigkeit der Beschaffung entscheiden die jeweiligen Länderkabinette. Schnappauf: „Mit der Mehrfachstrategie ist die Grundlage gelegt für eine gemeinsame gezielte Pandemievorsorge in Deutschland.“

2. Gesundheitsminister raten: Vorsicht bei Schönheitsoperationen!
Die in jüngster Zeit erfolgten reißerischen und voyeuristischen Darstellungen von Schönheitsoperationen bei Jugendlichen in den Medien waren Anlass für die Gesundheitsminister der Länder, einen dringenden Appell an alle Verantwortlichen zu richten, auf diese Darstellungen zu verzichten. Gerade durch die Vermittlung falscher Schönheitsideale durch einige Medien werden nach Stewens´ Worten immer mehr Jugendliche zu Schönheitsoperationen verführt und über die Risiken hinweggetäuscht. Schnappauf: "Wer sich nicht genau über Notwendigkeit, Risiken und Qualitätsanforderungen an den Operateur informiert, setzt nicht nur seine natürliche Schönheit, sondern sogar seine Gesundheit aufs Spiel. Jeder Eingriff, und werde er noch so harmlos angepriesen, bringt gesundheitliche Risiken mit sich.“ Die Länder unterstützen daher nachdrücklich die 'Koalition gegen den Schönheitswahn', die auf Initiative der Bundesärztekammer von Vertretern aus Politik, Kirchen und Gesellschaft ins Leben gerufen wurde. Mit Informations- und Aufklärungskampagnen, besonders auch in Schulen sollten Jugendliche und deren Eltern für die Risiken der so genannten Schönheitsoperationen sensibilisiert werden.

3. Einigkeit zwischen deutschen Ländern und europäischer Union bei Aktionen zur Eindämmung des Tabakkonsums
Die Gesundheitsminister der Länder und die Europäische Kommission forcieren den Nichtraucherschutz. Schnappauf: "Nichtrauchen muss zur gesellschaftlichen Normalität werden. In öffentlichen Räumen, wie Schulen, Krankenhäusern, Gaststätten, Bahnhöfen und Zügen sollte grundsätzlich nicht mehr geraucht werden. Denn Passivraucher können die gleichen akuten und chronischen Gesundheitsschäden erleiden wie Raucher." Besonders das niedrige Einstiegsalter jugendlicher Raucher wird als große Gefahr gesehen. Deshalb sollen die Schulen zur rauchfreien Zone werden. "Auch Erziehungsberechtigte und Aufsichtspersonen müssen sich dafür einsetzen, dass Kinder und Jugendliche von Anfang an eine rauchfreie Umgebung haben und nicht von falschem Vorbild lernen", betonte der Minister.
An den Folgen des Tabakrauchens sterben in Deutschland jährlich etwa 110.000 bis 140.000 Menschen. Der entstehende volkswirtschaftliche Schaden wird bundesweit auf rund 18 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Die Raucher werden immer jünger. Der Anteil bei den 12 – 14-jährigen Schülerinnen und Schülern hat sich seit 1995 etwa verdreifacht. Das durchschnittliche Einstiegsalter beim Rauchen liegt derzeit bei 13,5 Jahren mit weiter fallender Tendenz.

Weitere Informationen: http://www.gesundheit.bayern.de

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