Architektur im Fokus der Kulturpolitik

Architektur im Fokus der Kulturpolitik
Dr. Claudia Schwalfenberg 21.06.2001

Erste Verleihung des Taut-Stipendiums

Für eine stärkere Verbindung von Kulturpolitik und Architektur sprach sich der Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, Staatsminister Professor Dr. Julian Nida-Rümelin, gestern in Berlin aus. Anlässlich der ersten Verleihung des Architekturpreises Taut-Stipendium im Bundeskanzleramt sagte Julian Nida-Rümelin: "Dieses Stipendium ist ein Signal, dass wir die beiden Bereiche in ein engeres Verhältnis bringen sollten." Der Präsident der Bundesarchitektenkammer Peter Conradi dankte dem Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien für die Auslobung des Preises: "Ich freue mich über das Taut-Stipendium, mit dem die Bundesregierung zeigt, dass sie die Architektur ernst nimmt. Es ist ein wichtiger Beitrag zu der vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen gestarteten Initiative Architektur und Baukultur."Julian Nida-Rümelin und Peter Conradi zeichneten mit dem Taut-Stipendium die Verfasser der beiden jahrgangsbesten Diplomarbeiten im Fach Architektur an deutschen Hochschulen aus. Erhard An-He Kinzelbach und Till Schweizer (beide Technische Universität Darmstadt) erhielten ein Stipendium für ihren Entwurf eines Sportmegalithen in Frankfurt. Georg Thiersch von der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart nahm einen Preis für sein Gebäudekonzept für das Institut für Stadtentwicklung in New York entgegen. Die Empfänger des Taut-Stipendiums haben zwei Möglichkeiten, das Preisgeld (4.000 DM monatlich für maximal ein Jahr) im Ausland zu nutzen entweder für einen Aufenthalt in einem international angesehenen Architekturbüro oder für ein Postgraduiertenstudium.

Über ihre Auszeichnung freuten sich auch die Verfasser der mit einer Anerkennung bedachten Arbeiten: Ulrich Dangel ("Mobiles Sanitätssystem für den Einsatz in Krisenregionen", Universität Stuttgart), Claudia Quester ("Ein Totenhaus auf Gozo", FH Potsdam) und Gerburg Célestine Stoffel ("Die Vierte Wand", Technische Universität Berlin).

In einer Rede mit ausdrücklich persönlichem Bezug unterstrich Julian Nida-Rümelin die wechselseitige Beeinflussung von "Baukörper(n) und Menschenbild(ern)". Architektur sei "immens wichtig für die Prägung individueller Lebensformen". Umgekehrt hänge das bauliche Umfeld entscheidend von der kulturell vermittelten Weltsicht ab: " Es geht um die Frage des Menschenbildes als Selbst- und Fremdverständnis, das in die Ideale dessen hineinspielt, was eine angemessene bauliche Strukturierung unserer Lebenswelt ist."

Die Laudatio auf die Preisträger verknüpfte Peter Conradi mit einem Aufruf, das Gedächtnis und Ansehen von Bruno und Max Taut hoch zu halten: "Gerade in Berlin herrscht nicht der Geist des Aufbruchs, sondern die Sehnsucht nach Vergangenem vor. Die Brüder Taut und viele ihrer Zeitgenossen hätten es heute wahrscheinlich schwer, Aufträge zu bekommen."

Als nachhaltige Stimulanz für zukunftsorientierte Architektur wird das Taut-Stipendium im nächsten Jahr fortgesetzt.