Refinanzierung und Verbriefungen der KfW in 2002 waren voller Erfolg
KfW wird Verbriefung auch europäischen Banken anbieten
"Das Jahr 2002 war für uns das Jahr des Dollars. Mit der Einführung unseres US-Dollar-Programms haben wir nahtlos an den Erfolg unseres EU-Benchmark-Programms anknüpfen können", so der Sprecher des Vorstands der KfW, Hans W. Reich, anlässlich einer Pressekonferenz am Montag in Frankfurt. Die KfW hatte eingeladen, um die Jahresergebnisse ihrer Kapitalmarktaktivitäten sowie ihre strategische Ausrichtung für das Jahr 2003 darzulegen.KfW hat im laufenden Jahr 52,3 Mrd EUR refinanziert
KfW und KfW International Finance haben per Ende November 2002 längerfristige Mittel in Höhe von 52,3 Mrd EUR an den internationalen Kapitalmärkten aufgenommen. Hierbei entfielen insgesamt 40 % auf den Euro, 45 % auf den US-Dollar und 15 % auf sonstige Währungen.
Das im Juli 2002 angekündigte Refinanzierungsvolumen von 50 Mrd EUR war mit der Begebung der Euro-Benchmark VI zwar Anfang November bereits erreicht. "Als Daueremittent höchster Qualität verabschieden wir uns aber nicht einfach für anderthalb Monate vom Kapitalmarkt", erläuterte Reich. "Wir erfüllen selbstverständlich die kontinuierlich an uns herangetragene Nachfrage von Investoren nach maßgeschneiderten Kapitalmarktprodukten. Daher erwarten wir, dass das Gesamtemissionsvolumen bis zum Jahresende über die genannten 52 Mrd EUR hinausgehen wird."
Auch in diesem Jahr wurden unter dem Euro-Benchmark-Programm jeweils eine zehn-, eine fünf- und eine dreijährige Anleihe mit einem Volumen von jeweils 5 Mrd EUR begeben, die alle - trotz des relativ schwierigen Marktumfelds - am Kapitalmarkt stark nachgefragt wurden.
Aufgrund der positiven Resonanz, die das Euro-Benchmark-Programm bereits in 2001 erfahren hatte, hat die KfW in diesem Jahr deren erfolgreiche Prinzipien - Qualität, Transparenz, Liquidität und Performance - auf ihren Kapitalmarkt-Auftritt im US-Dollar übertragen: Im Rahmen des neuen US-Dollar-Programms der KfW wurden in 2002 eine fünf- und zwei dreijährige Globalanleihen mit einem Volumen von jeweils 3 Mrd US-Dollar emittiert. Durch diese neue, transparente Emissionsstrategie im US-Dollar ist es der KfW gelungen, nicht nur ihre Investorenbasis weltweit zu erweitern, sondern insbesondere einen hohen Anteil neuer US-Investoren zu gewinnen. Mit einer durchschnittlichen Platzierung von 48 % des Emissionsvolumens der drei Anleihen bei US-Investoren übertraf die Nachfrage aus den USA das für einen ausländischen Emittenten gewohnte Niveau. "Den Erfolg, den die KfW in 2002 mit ihren gesamten US-Dollar-Emissionen hatte, erkennt man am besten daran, dass wir in diesem Jahr mehr US-Dollar-Wertpapiere in den USA platzieren konnten, als in allen vorangegangenen Jahren unseres Bestehens zusammengenommen", kommentierte Reich.
Ebenfalls sehr stark nachgefragt waren Privatplatzierungen der KfW. Bis Ende November wurden 378 Privatplatzierungen mit einem Volumen von 12,8 Mrd EUR emittiert, wobei der japanische Markt mit 255 Transaktionen von besonderer Bedeutung war. Zudem hat die KfW erstmals eine sogenannte Uridashi-Anleihe im japanischen Markt begeben. Die Anzahl von Privatplatzierungen in US-Dollar stieg ebenfalls erheblich auf 101 Transaktionen.
Aus dem Euro-CP-Programm der KfW konnten in den ersten drei Quartalen 2002 über 400 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von fast 30 Mrd EUR emittiert werden (+ 45 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum), die zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung der Bank eingesetzt wurden. Das Emissionsvolumen des US-CP-Programms der KfW International lag in den ersten drei Quartalen knapp 30 % über dem Volumen für den entsprechenden Zeitraum des Vorjahrs.
Ausblick auf die Refinanzierung der KfW 2003
Für das kommende Jahr rechnet die KfW mit einem Refinanzierungsbedarf in Höhe von 45-50 Mrd EUR.
Unter dem Euro-Benchmark-Programm werden Anleihen mit einem Gesamtvolumen von mindestens 15 Mrd EUR begeben. Die KfW wird auf jeden Fall eine neue fünf- und eine neue zehnjährige Benchmark mit einem Mindestvolumen von 5 Mrd EUR emittieren. Die verbleibenden 5 Mrd EUR werden je nach Investorennachfrage und Marktgegebenheiten entweder durch eine dritte Anleihe oder durch Aufstockungen bestehender Euro-Benchmarks platziert.
Das US-Dollar-Programm wird ebenfalls fortgeführt. Hier wird die KfW mindestens 6 Mrd US-Dollar in Form von hochliquiden Globalanleihen in Benchmark-Laufzeiten emittieren. Für Laufzeiten bis 7 Jahre werden die Anleihen ein Emissionsvolumen von mindestens 3 Mrd US-Dollar aufweisen, für längere Laufzeiten von mindestens 2 Mrd US-Dollar.
Mit Beginn des Jahres 2003 werden alle US-Dollar-Globalanleihen direkt aus der KfW heraus emittiert. Die Emissionstätigkeit der KfW International Finance wird sich künftig im wesentlichen auf Emissionen unter dem US-CP-Programm beschränken. Der Kapitalmarktauftritt der KfW wird damit weiter vereinheitlicht.
Verbriefungen erreichen 2002 Gesamtvolumen in Höhe von 29 Mrd EUR
Die KfW hat ihre Aktivitäten auf dem Verbriefungssektor in diesem Jahr erheblich gesteigert: Die Nachfrage nach Verbriefungen über die KfW-Plattformen PROMISE und PROVIDE ist so stark angestiegen, dass in den beiden Programmen weitere 11 Transaktionen in Höhe von 19 Mrd EUR abgeschlossen wurden - dies ist mehr als doppelt so viel der Gesamtsumme aus den beiden Vorjahren zusammen (insgesamt knapp 9 Mrd EUR). "Es bestätigt sich sehr eindrucksvoll unsere Annahme, dass die Verbriefungstechnik für typische Förderkreditarten von wesentlicher Bedeutung für die Ertrags- und Risikosteuerung vieler Banken ist", so der Vorstandssprecher der KfW. Darüber hinaus steht eine weitere Transaktion - erstmals mit einer europäischen Bank, der Bank Austria Creditanstalt AG - über ein Volumen von 1,1 Mrd EUR kurz vor dem Abschluss. Mit der Verbriefung eines Mittelstandsportfolios der Bank Austria über PROMISE wird das Fördervolumen aus Verbriefungstransaktionen Ende 2002 insgesamt nahezu 29 Mrd EUR erreichen.
Das hohe Verbriefungsvolumen von PROMISE und PROVIDE hat maßgeblich zur Schaffung eines liquiden Sekundärmarktes für Risiken aus deutschen Mittelstands- und Wohnungsbaukrediten beigetragen. Bislang wurden rund 2 Mrd EUR kreditrisikogebundene Anleihen (sog. CLNs) öffentlich platziert. Vor allem Investoren aus Deutschland, aber auch aus dem europäischen Ausland und Japan schätzen die CLNs als diversifiziertes, renditestarkes Anlageprodukt.
In diesem Jahr wurde ferner ein neues Verbriefungsmodell aus der Taufe gehoben: die ersten sog. Multi-Seller-Transaktionen wurden abgeschlossen. Die hierfür entwickelte Verbriefungsstruktur soll Prototyp für Folgetransaktionen sein, so dass weitere kleinere Durchleitungsbanken die Verbriefungsplattformen der KfW nutzen können.
KfW bietet ihre Verbriefungsplattformen auch Banken in anderen europäischen Ländern an
Im kommenden Jahr wird sich die KfW neben Standardtransaktionen auf die Verbriefung von Portfolien kleinerer Institute konzentrieren, d. h. den Multi-Seller-Prototyp häufiger einsetzen.
Darüber hinaus ist die KfW bereit, ihre Verbriefungsplattformen als standardisiertes Instrument bei geeigneten Institutionen mit entsprechenden Förderkreditarten in anderen europäischen Ländern einzusetzen. Sie könnte hierbei - wie bei Verbriefungen im Inland - auch für europäische Banken die Rolle eines neutralen Intermediärs übernehmen. Durch die Einbindung europäischer Portfolien würde sich die Liquidität der Plattformen weiter erhöhen. Die Plattformen können zudem dazu beitragen, die aufgrund verschiedener nationaler Rechtsordnungen bestehende Zersplitterung des europäischen Verbriefungsmarktes auszugleichen.