Mehrfamilien-Passivhaus
* Poroton T9 in Doppelreihe vermauert, Verzicht auf WDVS
* gesunde und günstige Wohnanlage ohne Heizung
* gutes Raumklima, offener Grundriss, belebtes Wasser
Glühbirnen, elektrische Geräte und auch Menschen geben Wärme ab. Diese Abstrahlung reicht, um ein Haus komplett zu beheizen - vorausgesetzt, die Außenmauer dämmt gut genug. Immer mehr Wohngebäude werden heute als Passivhäuser errichtet. Im bayerischen Pfarrkirchen ist der Architekt Thomas Renner nun einen Schritt weitergegangen: Aus dem Poroton-T9-Ziegel ist dort das erste Passiv-Mehrfamilienhaus ohne Zusatzdämmung der Außenwand entstanden. Die so ermöglichte, einfache Bauweise rechnet sich: Der Quadratmeter kommt sogar noch günstiger als im konventionellen sozialen Wohnungsbau. Das Passivhaus für 16 Familien in Pfarrkirchen ist in mehrfacher Hinsicht ein Pilotprojekt. Konrad Freutsmiedl, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Pfarrkirchen und Simbach am Inn, verwirklichte damit den ersten frei finanzierten Wohnungsbau in Bayern. Der Bauherr forderte weiterhin eine effiziente Konstruktion, die zugleich das Leitbild des ökologischen und gesunden "Bürgerwohnens" erfüllen sollte. Dementsprechend anspruchsvoll waren die konkreten Vorgaben für den Planer: ein Quadratmeterpreis zwischen 4,50 und 5 Euro, keine zusätzlichen Kosten für Heizung und Warmwasser, Passivhaus-Standard, sowie Einsatz ausschließlich baubiologischer Materialien.
Architekt Thomas Renner hat die Herausforderung gerne angenommen. In seiner Gestaltung kehrte der Planer zu den Ursprüngen der Baukunst zurück und schuf ein konsequent einfaches und kompaktes Gebäude. Wärmebrücken werden so minimiert, der Energieverlust verringert. Der Standard eines Passivhauses freilich - der Verbrauch darf 10 W/m² pro Jahr nicht übersteigen - war nur mit einem außergewöhnlichen Baustoff zu erreichen. Die Wahl fiel auf den perlitgefüllten Dämmziegel Poroton T9 mit seiner einmaligen Wärmeleitzahl von 0,09 W/(mk). Um auf eine künstliche Dämmung verzichten zu können, wurden alle Außenwände zweireihig ausgeführt. "Je mehr Masse, desto mehr Wärmespeicherung", sagt Architekt Renner. Nebenbei garantiert der T9 gesundes Wohnen: Seine Bestandteile Ton, Lehm und Perlit enthalten keine Schadstoffe. Auch schützt der T9 vor Elektrosmog und blockt Lärm ab. Damit sich das volle Dämmpotential entfalten kann, trugen die Verarbeiter Dünnbettmörtel mit der V.Plus-Walze auf: So werden Luftdichtheit und Wärmedämmung verbessert.
Die so gut gedämmte Anlage kommt ganz ohne eine herkömmliche Zentralheizung aus: Jede Wohneinheit wird vielmehr autonom beheizt, durch eine kontrollierte Lüftung mit integrierter Wärme- und Warmwassergewinnung. Hier wird ständig Frischluft angesaugt und verbrauchte Raumluft abgeführt. Die abströmende Luft gibt rund 80 Prozent ihrer Wärme an die einströmende Frischluft ab. So bleiben die Bewohner verschont von den schwindelerregenden Preiserhöhungen bei Heizöl und Gas, keine Nachzahlung der Stadtwerke flattert am Jahresende auf den Tisch, die Nebenkosten bleiben dauerhaft niedrig. Im Sommer dann funktioniert die Anlage umgekehrt, sie kühlt die Wohnräume. Auch ohne Klimaanlagen herrschen drinnen mithin stets optimale Temperaturen. Lüften kann entfallen, da Feuchtigkeit über die Kanäle der Lüftung abgeführt wird.
Attraktivität erhält das besondere Mehrfamilienhaus auch durch die offene Gestaltung der Grundrisse: Auf einen Flur hat Architekt Renner verzichtet. Wer eintritt, steht in einem kleinen Windfang und gelangt von dort in das großzügige Esszimmer mit Blick auf das Zentrum der 12.000-Einwohner-Gemeinde. Balkon oder Terrasse erweitern den Wohnraum nach außen und bietet eine tolle Aussicht. Die harmonische Farbgebung macht das Gebäude von außen interessant.
Die Baubiologie als Leitmotiv für die Wohnanlage hat nicht nur die Wahl des Wandbaustoffes beeinflusst, sondern wiederholt sich in der Haustechnik: Ehe das Leitungswasser in den Wohnungen aus dem Hahn sprudelt, wird es wiederbelebt und so qualitativ verbessert. Hier kommt die Technologie von Johann Grander zum Einsatz: Das Wasser durchläuft dabei einen Prozess, der die ursprüngliche Ordnung und Stabilität der inneren Struktur wiederherstellt, und es so wohlschmeckender und verträglicher macht. Gut für die Umwelt ist - abgesehen vom geringen Verbrauch - das raffinierte Müllkonzept: Die Mülleimer können via Lift direkt in den Sammelraum im Keller befördert werden. Die dort installierte Presse staucht den Restmüll um die Hälfte seines Volumens zusammen. Zudem gibt es Behälter für verschiedene Wertstoffe.
Aus dem Poroton-T9-Ziegel ist im bayerischen Pfarrkirchen das erste Passiv-Mehrfamilienhaus ohne Zusatzdämmung der Außenwand entstanden. Die so ermöglichte, einfache Bauweise rechnet sich: Der Quadratmeter kommt sogar noch günstiger als im konventionellen sozialen Wohnungsbau.
BU: Der Bauherr forderte eine effiziente Konstruktion, die zugleich das Leitbild des ökologischen und gesunden "Bürgerwohnens" erfüllen sollte. Bilder: Deutsche Poroton
Weitere Informationen zum ersten Passiv-Mehrfamilienhaus gibts beim Architekturbüro Thomas Renner, Bahnhofstraße 21, 84347 Pfarrkirchen, Telefon: (0 85 61) 58 95.