Mehr Anreize für Altersvorsorge durch Wohneigentum
"Durch die derzeitige Beschränkung bei der Förderung der privaten Altersvorsorge im Rahmen der ,Riester-Rente entsteht eine Marktverzerrung, die die Bildung von Wohneigentum als Altersvorsorge eindeutig benachteiligt". Dies erklärte Hans-Joachim Wilms, stellvertretender Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, anlässlich des 40. Königsteiner Gespräches des ifs Städtebauinstitutes zu dem Thema "Wohnungspolitik vor der Neujustierung". Diese Diskriminierung müsse beseitigt werden. Ansonsten würden weite Teile der Bevölkerung ihre begrenzten Sparbeiträge kaum noch in die Bildung von Wohneigentum fließen lassen. Die negativen Auswirkungen auf die Baubranche und ihre Beschäftigten würden damit potenziert.
Tatsächliche Anreize für die Altersvorsorge über die Bildung von Wohneigentum seien nicht zuletzt vor dem Hintergrund der möglichen Streichung der Eigenheimzulage dringend notwendig. "Die milliardenschwere staatliche Förderung der Altersvorsorge darf nicht weiter ausschließlich in Anlageformen bei Banken und Versicherungen fließen", erklärte Wilms, der im IG BAU-Vorstand u. a. für die Seniorenpolitik verantwortlich ist.
Wilms analysierte in seiner Rede die anhaltend desolate Situation der Bauwirtschaft: Im vergangenen Jahrzehnt sei die Zahl der Arbeitsplätze im Bauhauptgewerbe um 650.000 bzw. 46 Prozent zurückgegangen. Dagegen sei im gleichen Zeitraum die Zahl der Baubetriebe mit rund 77.000 nahezu konstant geblieben. Neben der schlechten konjunkturellen Lage seien die Hauptübel Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung. Die Unternehmen und ihre Verbände suchten ihr Heil in der Senkung von Arbeitskosten und in Lohndumping, das insbesondere über Subunternehmen ausgetragen werde. Dagegen seien innovative Lösungsansätze zur Bewältigung der Krise Mangelware.
"Die Erschließung neuer Märkte durch deutsche Bauunternehmen muss man mit der Lupe suchen. Angesichts der demographischen Entwicklung brauchen wir sowohl im Bestand als auch beim Neubau altengerechte, aber auch generationenübergreifende Lösungen im Wohnungsbau", so Wilms. Die Kommunen zahlen jetzt bereits jährlich über drei Milliarden Euro für die "Hilfe zur Pflege" jenseits der Leistungen aus der Pflegeversicherung, davon fast 2,5 Milliarden Euro für Heimbewohner.
Wilms forderte zudem verbesserte Strukturen durch gewerkeübergreifendes Bauen für Umbaumaßnahmen, die mit der energetischen Gebäudesanierung kombiniert werden können. Das Neben- und Gegeneinander von verschiedenen Handwerkern mache für alle Betroffenen ein solches Projekt häufig zur Qual. Hierzu gehöre auch eine Qualifizierung der beteiligten Arbeitnehmer vor allem in sozialer Hinsicht.
"Es gibt viele innovative Lösungsansätze, die dazu beitragen können die deutsche Bauwirtschaft aus der Krise herauszuführen. Lohndumping und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sind aber der falsche Weg", sagte der stellvertretende IG BAU-Vorsitzende