Herbst-Pressegespräch des Verbandes der deutschen Messewirtschaft

Herbst-Pressegespräch des Verbandes der deutschen Messewirtschaft

* Messeplatz Deutschland 2000: 3 % mehr Aussteller und Fläche
* AUMA-MesseTrend: 14 % höhere Aussteller-Ausgaben für 2001/02
* Mehr gemeinsame Lobbyarbeit von Messe- und Kongresswirtschaft
* Wirtschaft plant Resolution zur Auslandsmesseförderung öln, 17. November 2000 - Alle Kennziffern der 148 internationalen Messen in Deutschland - Aussteller-, Flächen-, Besucherzahlen - werden sich im Jahr 2000 im Durchschnitt positiv entwickeln. Besonders bemerkenswert ist, dass sich gegenüber den Vorveranstaltungen ein Besucherplus von rund 1,5 % abzeichnet nach einem Minus von 1,4 % im Vorjahr.

Gleichzeitig zeigt der AUMA-MesseTrend 2001/2002 - eine Befragung des Emnid-Instituts -, dass die deutschen Aussteller in den beiden nächsten Jahren insgesamt 14 % mehr in Messebeteiligungen investieren wollen als 1999/2000. Messen behaupten damit ihre Position in einem insgesamt wachsenden Kommunikationsmarkt. Diese erste Bilanz zog Dr. Hermann Kresse, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (AUMA) im Herbst-Pressegespräch des Verbandes am 17.11.2000 in Köln.

Verantwortlich für das Besucherwachstum dieses Jahres ist vor allem der Boom der IT-Messen; aber auch eine Reihe von Investitionsgütermessen und einzelne Veranstaltungen mit hohem Publikumsanteil erzielten gute Ergebnisse.

Generell können aber Konsumgüterveranstaltungen, ob für Fach- oder Privatbesucher, ihre Besucherzahlen oft nur mit Mühe halten. Die leichte Verbesserung der Konsumgüterkonjunktur ist offensichtlich noch nicht durchgreifend genug.

Das starke Wachstum der IT-Messen zeigt, so Dr. Kresse, dass dieser Sektor offensichtlich das "alte" Kommunikationsinstrument Messe braucht, um seine Innovationen medienwirksam zu positionieren und Kontakt zu Geschäftspartnern und Nutzern aufzubauen. Viele Startup-Unternehmen hätten allerdings Probleme, effiziente Kommunikationsstrategien zu planen. Die Messeveranstalter könnten solche Firmen durch Vorbereitungs-Seminare und individuelle Beratung frühzeitig an sich binden.
Rund 3 % mehr Aussteller und Standfläche
Die Ausstellerzahl der internationalen Messen in Deutschland wird voraussichtlich um gut 3 % (1999: 3,6 %) auf rund 171.000 wachsen. Das ist erneut ein respektables Ergebnis angesichts des erreichten hohen Niveaus. Die Zahl ausländischer Aussteller wird im Durchschnitt etwa 4,5 % (1999: 6 %) höher liegen als bei den Vorveranstaltungen und die Gesamtzahl von fast 80.000 erreichen (= 46,5 % aller Aussteller).

Das etwas schwächere Wachstum der Zahl ausländischer Aussteller sei, so Dr. Kresse, womöglich bereits eine Auswirkung des schwachen Euro-Kurses, der Importe nach Europa erheblich verteuere und deshalb vielleicht manchen potentiellen Aussteller aus Übersee zögern lasse, erstmals auf europäische Messen zu gehen.

Stabil ist die Zunahme der vermieteten Fläche: Hier erwartet der AUMA ein Plus von gut 3 % (1999: 3,3 %) auf insgesamt rund 7 Mio. m² Standfläche. Zum Vergleich: Das Angebot an Hallenfläche ist 2000 um rund 2% gestiegen, also deutlich weniger als die vermietete Fläche.
AUMA-MesseTrend 2001/2002
Im Rahmen der Untersuchung AUMA-MesseTrend hat das Emnid-Institut nach 1999 zum zweiten Mal 500 repräsentativ ausgewählte deutsche Aussteller zu ihrem künftigen Beteiligungsverhalten befragt. Wichtigstes Ergebnis: Die ausstellende Wirtschaft will deutlich mehr in das Kommunikationsinstrument Messe investieren.

Im Zeitraum 2001/2002 will ein ausstellendes Unternehmen in Deutschland im Durchschnitt 439.000,- DM für Messen ausgeben; das sind fast 14 % mehr im Vergleich zu 1999/2000 und damit ein Plus von 7 % im Jahresdurchschnitt. Immerhin 42 % der Unternehmen wollen ihre Etats erhöhen - über ein Drittel um mehr als 5 % -, knapp 39 % gleich halten und nur 19 % zurückfahren. Dr. Kresse: "Das ist ein klares Bekenntnis der Wirtschaft für das Medium Messen, angesichts mancher Unkenrufe, Messe-Etats würden zu Gunsten elektronischer Medien reduziert."

Noch eindeutiger sei die Bilanz, wenn man die Aussteller mit über 10 Beteiligungen in zwei Jahren betrachte: In dieser Gruppe wollen nur 13 % ihre Etats reduzieren, aber 54 % erhöhen. Die Stammkunden der Messeveranstalter würden also noch wichtiger: Sie werden zu Imageträgern, die durch ihr Messe-Engagement einen Sog auf Unentschlossene ausüben können.

Diejenigen Firmen, die mehr Geld für Messebeteiligungen ausgeben wollen, investieren in erster Linie in die Vergrößerung der Standfläche, fast gleichauf liegen höhere Ausgaben für den Standbau; es folgen Personal und Kommunikation und erst dann weitere Messebeteiligungen. Offensichtlich sind die Aussteller bestrebt, zunächst die Attraktivität und Effizienz der bestehenden Beteiligungen zu verbessern, bevor das Messespektrum erweitert wird.

Wenn Messebudgets reduziert werden, führt dies überwiegend zum Wegfall einzelner Messebeteiligungen. Erst mit großem Abstand folgt die Verringerung der Standbaukosten.

Insgesamt wollen die deutschen Aussteller für die beiden Jahre 2001 und 2002 eine Größenordnung von 27 Mrd. DM in Messebeteiligungen im In- und Ausland investieren, gegenüber etwa 24 Mrd. DM in den beiden letzten Jahren.

Die deutschen Aussteller geben im Durchschnitt 47.000,- DM für eine Messebeteiligung aus. Dr. Kresse: "Angesichts der Kosten für einen professionellen Internet-Auftritt bei einer vielfach nur oberflächlichen Nutzung, haben Messen bei der Herstellung hochwertiger Kontakte ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis."

Stabile Messeposition im Kommunikationsmarkt
Der Anteil der Messebudgets am gesamten Kommunikationsetat der Aussteller wird 2001/2002 bei 33,5 % liegen, fast gleich hoch wie bisher. Demnach können sich Messen in einem insgesamt wachsenden Kommunikationsmarkt gut behaupten.

Erstmals gefragt hat der AUMA nach dem Anteil des Instruments Internet an allen Kommunikationsausgaben der deutschen Aussteller: Er lag bisher bei 10 % und wird in den beiden nächsten Jahren auf gut 12 % steigen.

Ein Viertel der befragten Aussteller sehen für sich selbst eine zunehmende Bedeutung von Messen, gut 50 % eine konstante Bedeutung und knapp 18 % einen Rückgang. Von den Viel-Ausstellern mit über 10 Beteiligungen in zwei Jahren sehen sogar 31 % eine wachsende Bedeutung, nur 11 % einen Rückgang. Gerade diese Leistungsträger unter den Ausstellern sind offensichtlich, so Dr. Kresse, vom Nutzen des Mediums Messe besonders überzeugt.

Die Zahl der Inlands-Beteiligungen deutscher Aussteller wird nach durchschnittlich 6,0 Messen im Zeitraum 1999/2000 in den beiden nächsten Jahren 6,1 erreichen. Hinter dieser scheinbaren Konstanz verbergen sich aber ganz erhebliche Bewegungen: So wollen nur 62 % ihr Beteiligungsvolumen beibehalten, 17,5 % wollen es erhöhen und knapp 19 % wollen die Zahl ihrer Beteiligungen senken. Dabei planen Aussteller mit hohen Beteiligungszahlen teilweise starke Veränderungen ihres Messespektrums in beiden Richtungen.

Weltweit, also in Deutschland und im Ausland, planen die deutschen Aussteller 8,2 Beteiligungen in den nächsten zwei Jahren, gleich viel wie bisher.

Zusätzlich zu ihrem Engagement in Deutschland haben sich 1999/2000 rund 32 % der deutschen Aussteller auch im europäischen Ausland präsentiert, 18 % auch außerhalb Europas. In den beiden nächsten Jahren werden diese Anteile allerdings nicht weiter wachsen. Offensichtlich gibt es hier nach deutlichem Wachstum der Auslandsbeteiligungen in den letzten Jahren eine vorübergehende Phase der Konsolidierung.

Fazit des MesseTrend 2001/2002: Die deutschen Aussteller investieren bei ihrer B-to-B-Kommunikation deutlich mehr in das Instrument Messe; sie setzen eher auf die bessere Ausstattung ihrer bestehenden Beteiligungen als auf mehr Messen und sie reduzieren nicht ihr Inlandsengagement zugunsten von Auslandsmessen.

Um ihre Wettbewerbsposition zu stärken, setzen die Messegesellschaften insbesondere auf den Ausbau ihres Dienstleistungsspektrums. Zur Verbesserung des Incoming-Service haben einige Veranstalter langfristige Abkommen mit Hotels geschlossen, um das Thema Hotelpreise zu entschärfen. Auch organisieren die Veranstalter für Aussteller immer mehr Events sowie Tagungen und Konferenzen.
Mehr gemeinsame Lobbyarbeit mit dem Kongress-Sektor
Generell gewinnt das Kongressgeschäft zunehmende Bedeutung für die Messegesellschaften. Eine logische Konsequenz daraus ist, so Dr. Kresse, die zunehmende Kooperation auch auf Verbandsebene. So habe der AUMA Ende Oktober das German Committee der ICCA - International Meetings Association aufgenommen; der EVVC - der Europäische Verband der Veranstaltungs- und Congress-Centren sei bereits seit dem letzten Jahr Mitglied des AUMA. Auf diese Weise könne die Lobbyarbeit zu Themen, die beide Branchen treffen, leichter koordiniert und intensiviert werden.

So befürchten die Messe- wie die Kongress-Wirtschaft bei der geplanten Beschränkung von befristeten Arbeitsverträgen durch den Bundesarbeitsminister negative Auswirkungen auf die Beschäftigung. Die Neuregelung bedeute ganz praktisch, dass gerade kleinere Unternehmen der Messe- und Kongresswirtschaft Probleme bekommen könnten, einzelne Großaufträge abzuwickeln, weil sie eine Weiterbeschäftigung zusätzlicher Arbeitnehmer nicht garantieren können.

Der AUMA hat dem Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung vorgeschlagen, dass Arbeitsverträge, die auf zwei Jahre befristet sind, ohne spezifischen sachlichen Grund und ohne viermonatige Karenz zumindest zweimal um zwei Jahre verlängert werden können. Arbeitnehmer könnten dann insgesamt sechs Jahre befristet beschäftigt werden. Dies würde zum einen die derzeitige theoretische Möglichkeit einschränken, befristete Arbeitsverträge unbegrenzt oft aufeinander folgen zu lassen. Zum anderen könnte der Arbeitgeber durch eine solche Regelung den Bedarf an langfristig beschäftigten Mitarbeitern besser vorausplanen.
AUMA ab Juli 2001 in Berlin
Um derartige Lobbyarbeit gegenüber Regierung und Parlament perspektivisch zu stärken und noch effizienter zu gestalten, hat der Beirat des AUMA vor wenigen Tagen beschlossen, den Sitz des AUMA zum 01.07.2001 von Köln nach Berlin zu verlegen. Durch die Präsenz des AUMA in Berlin wird außerdem die Abstimmung von Positionen mit den anderen Spitzenorganisationen der deutschen Wirtschaft und den übrigen in der Bundeshauptstadt präsenten Verbänden erleichtert.
Auslandsmesseprogramm 2000/2001
Im laufenden Jahr 2000 konnte das bisher umfangreichste Auslandsmesseprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft durchgeführt werden. Genau 190 Beteiligungen, davon fast die Hälfte in Asien, wurden mit einem Etatvolumen von 66 Mio. DM realisiert. Der ursprüngliche Ansatz von 70 Mio. DM wurde durch eine 6 %-ige Haushaltssperre reduziert. Trotz der hohen Zahl von geförderten Beteiligungen konnten nicht alle Anträge der exportorientierten Verbände realisiert werden. Dr. Kresse: "Die Förderbeträge pro Messe sind seit Jahren weitgehend konstant, trotz weltweit steigender Kosten für Standmieten, Standbau und Serviceleistungen. Ein gewisser Mindeststandard der Präsentation muss aber gerade im Vergleich mit anderen Ländern auf jeden Fall gehalten werden."

Für 2001 seien ursprünglich 236 Beteiligungen des BMWi geplant gewesen, also nochmals deutlich mehr als in diesem Jahr. Vor allem für Beteiligungen in Lateinamerika bestehe deutlich mehr Interesse, auch an Nordamerika. Gegenwärtig stehe ein Etatvolumen von wiederum nur 70 Mio. DM zur Diskussion, das außerdem erneut durch eine allgemeine Haushaltssperre reduziert werden könne. Deshalb könnten nach gegenwärtigem Stand maximal 195 Beteiligungen realisiert werden.

Angesichts dieser Situation werden die Mitglieder des Arbeitskreises für Auslandsmessebeteiligungen beim AUMA, also die Vertreter von rund 45 exportorientierten Verbänden, Wirtschaftsministerium und Parlament sehr eindringlich auf die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaus der Auslandsmesseförderung hinweisen. Aufgrund des zunehmenden Globalisierungsdrucks setzten immer mehr kleinere und mittlere Unternehmen auch auf Auslandsmessen. Diese Firmen vor allem organisatorisch angemessen zu unterstützen, müsse eine wesentliche Aufgabe der Exportförderung bleiben.

Messen deutscher Veranstalter im Ausland
Die Zahl der Eigenveranstaltungen deutscher Veranstalter im Ausland entwickelt sich weiter positiv. Auch mittlere und kleinere Veranstalter setzen zunehmend auf dieses zusätzliche Standbein, um ihre Stammkunden in wichtige Auslandsmärkte zu begleiten, vom Wachstum der Messewirtschaft in anderen Regionen zu profitieren und um Marktanteile zu sichern und auszubauen.

Im laufenden Jahr werden rund 160 solcher Eigenveranstaltungen durchgeführt, davon 48 % in Mittel- und Osteuropa und über 31 % in Asien, gefolgt von Lateinamerika mit knapp 10 %. Im 10-Jahres-Vergleich hat sich die Zahl dieser Messen versechsfacht. Für die nächsten Jahre ist tendenziell mit einem weiteren Anstieg zu rechnen; dabei werden China, Indien und Lateinamerika im Vordergrund stehen.


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