Umweltministerin Bärbel Höhn: Johannesburger Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung unterstreicht Bedeutung der NRW-Partnerschaft mit der südafrikanischen Provinz Mpumalanga - Gemeinsame Projekte für bessere Selbstversorgung und sparsamen Einsatz der natürlichen Ressourcen, gegen Kriminalität und Arbeitslosigkeit
Umweltministerin Bärbel Höhn hat sich während ihres Aufenthaltes in Südafrika als Mitglied der deutschen Delegation beim Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung auch über den Stand der gemeinsamen Projekte in der NRW-Partnerprovinz Mpumalanga informiert. In Gesprächen u.a. mit der Umweltministerin Candith Mashego-Dlamini und dem Wirtschaftsminister Jacques Mabena ging es um die aktuellen Probleme in Mpumalanga und den Ausbau der Kooperation, die 1995 durch den ehemaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau und Nelson Mandela begründet wurde. Vor dem Hintergrund des im Oktober 2001 abgeschlossenen "Letter of Intent" über den Ausbau und die Weiterentwicklung der Beziehungen sind u.a. weitere Projekte in den Bereichen Energie, Umwelt, Landwirtschaft, Öko-Tourismus, Beschäftigungsförderung und berufliche Bildung auf den Weg gebracht worden oder geplant.Umweltministerin Bärbel Höhn: "Hier auf der Weltkonferenz in Johannesburg kämpfen diejenigen gegen die Nachhaltige Entwicklung, die dabei zu den Verlieren zählen werden. Das Problem ist, dass die Menschen, die etwas gewinnen werden, dies oft noch nicht wissen. Um von dem Denken "je mehr desto besser" zu dem Denken "weniger kann mehr sein" zu kommen, wird es wohl eine Generation dauern. Dazu ist eine Bewusstseinsveränderung notwendig. Die USA meinen es sich leisten zu können, den Zukunftsmarkt erneuerbare Energien links liegen zu lassen. Damit bekommen wir Europäer die Chance, unsere Stellung auf diesem Markt allein auszubauen. Dies werden wir nutzen. Die schwierigen Verhandlungen beim Weltgipfel zeigen, wie wichtig die Festigung und der Ausbau von Partnerschaften wie die von Mpumalanga und Nordrhein-Westfalen sind. Denn die weltweiten Probleme können wir nur gemeinsam lösen. Wir in Nordrhein-Westfalen können dazu u.a. einen Beitrag mit unserer Einen-Welt-Politik, unseren Zukunftsenergien, Nachhaltigem Wirtschaften und der Agenda 21 leisten. Es geht hier in Südafrika ganz konkret um wichtige Themen und Projekte zum sparsamen Einsatz der natürlichen Ressourcen, zu erneuerbaren Energien, zum Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Aids."
Die derzeitige Projektzusammenarbeit mit der Partnerprovinz Mpumalanga umfasst folgende Maßnahmen:
* Ausbildung im Bio-Landbau für Frauen und junge Menschen in Mpumalanga. Dieses Gemeinschaftsprojekt mit dem Mpumalanga-Ministerium für Bildung vermittelt die Grundlagen für effiziente und kostengünstige Anbaumethoden. Damit soll die Selbstversorgung der Familien in der Region Nelspruit, in der 65 % der Zielgruppe innerhalb der schwarzen Bevölkerung arbeitslos sind, verbessert werden. Mit nur 7000 Euro Mitteln des NRW-Umweltministeriums wurde bereits viel erreicht. Hier werden zum Beispiel passendes Saatgut und einfache, preiswerte und wassersparende Methoden eingesetzt. In diesem Projekt lernen die Teilnehmer außerdem, wie sie ein Gemeinschaftshaus und ihre eigenen Häuser mit günstigen Mitteln selbst bauen können. Dazu hat das Umweltministerium eine gebrauchte Maschine mit 2.500 Euro finanziert, die aus dem Lehmboden sowie nur wenig Zement und Wasser Bausteine presst.
* Gemeinschaftsprojekt "Sport against Crime" mit der Landessportjugend: Acht engagierte Volontäre aus NRW (Bochum, Bonn, Duisburg und Köln) sind momentan in Mpumalanga. Sie fahren in weitab gelegene Dörfer, die Kindern und Jugendlichen keine Freizeitmöglichkeiten bieten. Sie bilden TrainerInnen aus und bauen Ligastrukturen auf, um ihnen eine Alternative zur weiterhin hohen Kriminalität zu bieten. Außerdem trainieren sie in Zusammenarbeit mit dem Behindertenverband NRW mit behinderten Jugendlichen.
* Aufbau von Berufsbildenden Schulen, mit dem Ziel, die Chancen auf Arbeit zu erhöhen. Durchführung von Workshops zur Fortbildung für Berufsschullehrer und Unterstützung bei der Umsetzung der nationalen Gesetzgebung für berufliche Bildung auf die Ebene der Provinz.
* Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungen der Regierungen von NRW und Mpumalanga in Kooperation mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). In diesem Zusammenhang haben bereits fünf Austausche u.a. zum Thema "Controlling - Antikorruption" und "Umweltmanagement" stattgefunden, an der letzteren hat auch die Mpumalanga-Umweltministerin teilgenommen.
* Beratung und Unterstützung beim Ausbau einer alten Goldmine (Museum Pilgrim´s Rest) zu einem UNESCO-Weltkulturerbe. NRW-Experten unterstützen die Rekonstruktion der Lebens- und Arbeitsbedingungen der schwarzen Arbeiter und den Wiederaufbau von Häusern. Mit diesem Museum und einem touristischen Gesamtkonzept soll, die Region für BesucherInnen attraktiver gemacht werden. Angestrebt wird eine Partnerschaft mit der Zeche Zollverein.
* Aufbau eines Künstlerinnen-Netzwerks in der Partnerprovinz in Zusammenarbeit mit dem Künsterlinnen-Netzwerk Südwestfalen, der Gleichstellungsstelle der Stadt Hagen und Exile Kulturkoordination Essen e. V. gekoppelt mit der Künstlerinnen-Aktion "Visible Visions" auf dem Johannesburger Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung.
* Im Jahr 2001 hat das Ministerium u.a. ein AIDS-Waisenhaus in Malelane "Peace Haven & Malelane Care Centre" und ein weiteres Säuglingshaus gefördert.
Hinzu kommen in diesem Jahr geförderte NGO-Projekte im Rahmen des Programms "Förderung von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit nordrhein-westfälischer Eine-Welt-Gruppen mit Partnerorganisationen in den Ländern des Südens" (Programm-Durchführung durch das Landesinstitut für Qualifizierung - LfQ Solingen). Dazu gehört zum Beispiel das Projekt des Katholischen Jugendwerkes Velbert e. V. zum "Aufbau eines Ausbildungsgangs für Frauen auf dem Land im Bereich Nähen und Betriebswirtschaft zur Verbesserung ihrer Lebenssituation in Mpumalanga".