Umweltministerin Bärbel Höhn: Faire Handelsbedingungen für die Entwicklungsländer sind die beste Lösung gegen den Hunger Gentechnik löst das Problem nicht
Jeden Tag sterben 24.000 Menschen an Unterernährung, zum überwiegenden Teil sind es Kinder, die verhungern. Weltweit mangelt es über 800 Millionen Menschen an ausreichender Versorgung mit Nahrungsmitteln. Mangelernährung vor allem im Kindesalter führt zu chronischen Krankheiten und raubt den Menschen die Möglichkeit, mit produktiver Arbeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Zum Welternährungstag am 16. Oktober betont Umweltministerin Bärbel Höhn, in deren Ressort auch die Eine-Welt-Politik des Landes fällt, dass eine solidarische Weltwirtschaft die beste Antwort auf den Hunger ist. Gentechnik dagegen ist keine Lösung bei der Bekämpfung des Hungers. Umweltministerin Bärbel Höhn: "Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht, das in vielen Ländern dieser Welt vor allem Frauen und Kindern vorenthalten wird. Die Hauptursachen für den Hunger sind Kriege, Wassermangel, einseitige Grundbesitzverhältnisse und bestehende Welthandelsbeschränkungen. Wer glaubt, mit gentechnisch verändertem Saatgut die Patentlösung zur Bekämpfung des Hungers zu haben, der irrt. Hunger ist primär ein soziales und politisches Problem. Er kann also nicht in den Laboren westlicher Biotech-Unternehmen bekämpft werden, sondern die Hilfe muss vor Ort erfolgen und vorhandene Lebensmittel müssen gerechter verteilt werden."
Siebzig Prozent aller Hungernden leben auf dem Land und produzieren den größten Teil ihrer Nahrungsmittel selber. Gentechnisch verändertes Saatgut und die darauf abgestimmten Pflanzenschutzmittel sind teuer zu teuer für die Menschen in den Entwicklungsländern. Auch müssen die gentechnisch veränderten Samen jedes Jahr neu gekauft werden, weil das Saatgut steril ist und nicht wie ursprünglich in jeder Agrarkultur üblich ein Teil der Ernte wieder ausgesät werden kann.
Umweltministerin Bärbel Höhn: "Die Unternehmen sichern sich ihre Einnahmen und verstärken die Abhängigkeit der Bauern, indem diese das Saatgut mit dem passenden Pestizid jedes Jahr neu einkaufen müssen. Es ist doch eine Binsenweisheit, dass die Unternehmen zunächst an ihre Gewinne denken und ihre Ziele nicht vorrangig darin bestehen, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Hilfe bieten Projekte, die mit den Menschen vor Ort eine auf die Region abgestimmte Bewirtschaftung des Bodens entwickeln und die Bevölkerung in die Lage versetzen, selbstständig ein eigenes Einkommen zu erzielen. Dabei bewähren sich immer wieder traditionelle Getreidesorten, deren Artenvielfalt unbedingt erhalten werden muss. Kombiniert mit Pflanzenschutz mit möglichst wenig Chemie und entsprechendem landwirtschaftlichem Know-how können die Erträge so deutlich gesteigert werden."
Umweltministerin Bärbel Höhn appelliert an die Verbraucherinnen und Verbraucher, beim Einkauf auch zu Produkten aus Fairem Handel zu greifen. Dabei handelt es sich um Waren, deren Produktion und Verarbeitung in den Entwicklungsländern zu fairen Konditionen und über Weltmarkt-Niveau entlohnt wird. Damit haben die Produzentinnen und Produzenten die Möglichkeit, der Spirale aus Armut und Hunger zu entkommen. "Wenn alle einen kleinen Beitrag leisten, summiert sich das zu einer großen Hilfe", so die Ministerin. "Es hilft schon sehr, wenn jede zehnte Tasse Kaffee und Tee oder jede zehnte Tafel Schokolade aus Fairem Handel gekauft wird. Und nicht nur Lebensmittel gibt es aus fairer Produktion, vom Fußball bis zu Schnittblumen reicht das Angebot inzwischen."