Zwischen Tradition und Vollverglasung

Zwischen Tradition und Vollverglasung

Kühl im Sommer, warm im Winter dank Fassadendämmung

Warme Sommer, strenge Winter – Japans nördlichste Hauptinsel Hokkaido ist geprägt von kräftigen Temperatur-Schwankungen. Das „Wohnhaus für ein Ehepaar“ des Architekten Masanobu Komuro aus Sapporo zeigt, dass in modernen Gebäuden selbst dort ohne aufwändige Gebäudetechnik ganzjährig angenehmes Wohnklima möglich ist: Mit einem fein abgestimmten Zusammenspiel von begrünten Dachflächen, Erdeinbau und ausgereifter Fassadendämmtechnik werden Klimaanlagen überflüssig. Das Konzept überzeugt – es gewann den Harunire-Architektur-Preis des Japanischen Instituts für Architektur.Der Entwurf von Masanobu Komuro verbindet traditionelle Bauformen mit moderner Baukunst: So legte er die Nordseite des Gebäudes teilweise ins Erdreich. Das thermisch träge Verhalten des Erdbodens wird genutzt, das Haus bleibt gut geschützt vor dem Nordwind. Sommerliche Erwärmung vermindert das begrünte Dach, der weite Dachüberstand verhindert direkte Sonneneinstrahlung in die vollverglaste Südseite. Fensterscheiben aus Dreifachglas halten die Wärme im Winter im Raum. Noch effizienter schützen die Wände vor Wärmeverlust: Zehn Zentimeter dicker Dämmstoff und der rote Oberputz des Fassadendämmsystems (StoTherm Classic) sorgen für einen äußerst niedrigen U-Wert.

Traditionelles Raumverständnis – weiter gedacht

Das Gebäude besteht aus einem einzigen großen Raum, gegliedert nur durch leichte, teilweise verschiebbare Trennwände. Mit dem Badetrakt erreicht Komuro, trotz der spartanischen Raumaufteilung, ein ganz besonderes Raumerlebnis: Auf der raumhoch verglasten Südseite springt dieser Gebäudeteil 90 Zentimeter aus dem rechteckigen Grundriss heraus. Es entsteht der Eindruck vom Baden im Freien – dennoch geschützt vor Wind und Wetter und mit einem faszinierenden Ausblick auf die Vulkane Hokkaidos in der Ferne.

Für diesen stimmigen Entwurf erhielt Architekt Komuro den Architekturpreis Harunire 2004 des Japanischen Instituts für Architektur in Sapporo.

Hokkaido

Hokkaido ist die nördlichste der vier japanischen Hauptinseln. Ihre Hauptstadt ist Sapporo. Das überwiegend gebirgige Land mit aktiven Vulkanen ist so groß wie Österreich und beherbergt 5,7 Millionen Einwohner. Darunter noch etwa 14.000 Angehörige des Volks der Ainu („Menschen“). Der Sprache dieser Ureinwohner Hokkaidos entlehnt ist der Name der Farm und des Wohnhauses Agu-de Panke („Am unteren Flusslauf“).

Um 90 Zentimeter stülpt sich das Bad nach außen und gibt so dem Nutzer das Gefühl, im Freien zu baden.

Der weite Dachüberstand und die begrünte Dachfläche schützen das Wohnhaus der „Agu-de Panke“-Farm vor zu viel Sonne.

Der Innenraum ist nur durch leichte, teilweise verschiebbare Trennwände zoniert

Im Winter schützt die wärmegedämmte Sto-Fassade vor den eisigen Temperaturen.
Bild: Sto AG


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