Halbe Mehrwertsteuer für neue Fenster entlastet Umwelt und schafft Arbeitsplätze
Ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit durch Bauleistungen rund ums Fenster / Neue Arbeitsplätze, wirtschaftliche Belebung, positiver Finanzierungssaldo des Staates
Ein halbierter Mehrwertsteuersatz für die Modernisierung alter Fenster löst Investitionen aus, die die CO2-Emission in Deutschland bis zum Jahr 2012 um fünf Millionen Tonnen senken und rund 25.000 Arbeitsplätze bei steigender gesamtwirtschaftlicher Nachfrage schaffen. Trotz sinkender Einnahmen aus der Mehrwertsteuer ergibt sich von Anfang an ein positiver Finanzierungssaldo des Staates. Dieses belegt jetzt ein Gutachten, das die Osnabrücker Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) für die Initiative fenstermarkt-plus.de erstellte. Untersucht wurde die Wirkungskette einer bis 2012 befristeten Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für die Modernisierung von Fenstern. Die Ergebnisse präsentierte die Initiative fenstermarkt-plus.de im Rahmen des Verbandstages der Fenster- und Fassadenhersteller in Berlin. "Wird die Mehrwertsteuer bei Maßnahmen der energetischen Sanierung von Fenstern bis 2012 auf einen Satz von acht Prozent halbiert, gehen die Kohlendioxid-Emissionen um fünf Mio. Tonnen zurück. Außerdem entstehen rund 25.000 Arbeitsplätze und der Bund nimmt mehr ein, als ihn diese Maßnahme kostet. Die halbierte Mehrwertsteuer soll bei privaten Haushalten erstattet und bei gewerblich Tätigen in Form einer Gutschrift berücksichtigt werden." So fasste Bernd Kramer, Vorstand der Initiative fenstermarkt-plus.de, die Ergebnisse einer Studie zusammen, die jetzt die GWS erstellte.
Mehr Umweltschutz
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich auf zwei Klimaschutzziele verpflichtet: Absenken der CO2-Emissionen um 25 Prozent bis zum Jahr 2005, gemessen am Jahr 1990, und Reduktion der so genannten "Kyoto-Gase" - das sind sechs verschiedene Treibhausgase, die in CO2-Äquivalente umgerechnet werden - um 21 Prozent bis 2012. Darüber hinaus fordern der Umweltrat der Bundesregierung, der Rat für Nachhaltige Entwicklung genauso wie die Enquete-Kommission "Schutz der Erdat-mosphäre", die CO2-Emissionen bis 2020 sogar um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der Umweltrat hält dieses jedoch nur noch für realisierbar, "wenn das bestehende Instrumentarium weiter entwickelt und wirkungsvoller ausgestaltet wird". Kramer: "Eines dieser Instrumente sollte die Mehrwertsteuer-Halbierung für die energetische Sanierung von Fenstern sein, denn neben dem positiven Umwelt-Effekt ist sie auch volkswirtschaftlich sinnvoll."
Handwerk wird für den Verbraucher preiswerter
Mit dem gesenkten Steuersatz steigt die Nachfrage nach Fenstern und ihren zahlreichen Komponenten. Professor Bernd Meyer, Verfasser der GWS-Studie: "Vorsichtig kalkuliert erhöht sich die Nachfrage um 20 Prozent." Er geht von einer befristeten Laufzeit aus, so dass ursprünglich später geplante Baumaßnahmen vorgezogen und mehr Fenster nachgefragt werden. Grundlage der Berechnung ist ein statistisch abgesichertes umweltökonomisches Simulations-Modell der Bundesrepublik. Die Eckdaten: 542 Mio. Fenstereinheiten (FE) im Bestand bestehen derzeit zu 21 Pro-zent aus nicht isolierverglasten Fenstern (vor 1978 eingebaut), zu 49 Prozent aus veraltetem, d. h. unbeschichtetem, Isolierglas (bis 1994) und nur zu 30 Prozent aus Wärmeschutzfenstern mit beschichteter Isolierver-glasung - verbleiben rund 380 Mio. FE zur Sanierung. Würde dieses Potenzial realisiert, könnten rund 36 Mio. Tonnen Kohlendioxid eingespart werden - mehr als vier Prozent der gesamten CO2-Emissionen des Jahres 2000 in Deutschland.
Schnelle Maßnahmen statt Förder-Dschungel
Immer noch liegt der Heizbedarf in Altbauten häufig bei mehr als 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Dabei sind auch hier Werte von unter 70 kWh/m2a durch sinnvolle Sanierung zu erreichen. Die Bundesregierung unterstützt zwar CO2-sparende Baumaßnahmen im Gebäudebestand, zudem gibt die neue Energie-Einsparverordnung (EnEV) auch für den Altbau Richtwerte für freiwillige Modernisierungsmaßnahmen an. Doch zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der Austausch von altem Isolierglas gegen moderne Wärmeschutzfenster mit beschichtetem Isolierglas wird kaum gefördert, obwohl diese dreimal besser dämmen. "Endverbraucher durchschauen den Förder-Dschungel kaum. Direkte Instrumente wirken schneller und effektiver. Und die Umwelt sowie alle Beteiligten haben Vorteile - das hat die Studie eindrucksvoll belegt", betonte Dirk U. Hindrichs, Vorstand der Initiative.
Dirk U. Hindrichs, Vorstand der Initiative fenstermarkt-plus.de: "Direkte Instrumente, z. B. ein halbierter Mehrwertsteuersatz, sind effektiver als der bestehende Förder-Dschungel."