Bauherren haben ein Recht auf Einblick in die Bücher
Experte rät: Vor dem Hauskauf Finanzkraft des Anbieters prüfen
Mehr als 100.000 Bauherren haben gut lachen. Und vielen Hundert ist wohl eher zum Weinen zumute. Der Grund: Jährlich gehen rund 8.000 Bauunternehmen und Bauträger in die Insolvenz. Die überwiegende Mehrzahl der zahlungsunfähigen Betriebe sind kleinere, die drei bis zehn Häuser pro Jahr gebaut haben. Die Insolvenz eines Bauunternehmens kann für eine Baufamilie üble Folgen haben. Wurde mehr gezahlt als geleistet, ist das Geld in der Regel weg. Ist ein Generalunternehmer pleite, bleiben auch die Handwerker der Baustelle fern. Monate langer und teurer Stillstand ist vorprogrammiert. Und Ärger ohne Ende.
Bei aller Begeisterung über einen bestimmten Haustyp oder einen niedrigen Preis sollten Bauherren nicht versäumen, sich vor der Vertragsunterzeichnung über die finanzielle Lage der bevorzugten Baufirma zu informieren. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: So kann man seine Hausbank bitten, eine so genannte Bank-an-Bank-Auskunft über das Bauunternehmen anzufordern. Zweite Möglichkeit ist es, bei Informationsdiensten wie zum Beispiel creditreform anzufragen. Drittens kann man bei Kapitalgesellschaften wie zum Beispiel GmbHs beim zuständigen Amtsgericht die letzten Bilanzen des Bauunternehmens anfordern.
Hierbei und auch bei der Auswertung hilft zum Beispiel der eigene Steuerberater. Fragen Sie gleich im ersten Gespräch, wie lange das Unternehmen schon am Markt ist, fragen Sie auch nach der Anzahl der unter diesem
Namen gebauten Häuser, rät Elmar Schmidt, Vorstand bei der KAMPA AG. Pflicht sei auch, mehrere Referenzen mit Name und Telefonnummern der bisherigen Bauherren einzufordern. Schmidt würde auch noch
einen Schritt weitergehen: Fragen Sie die Baufirma auch nach ihrer Eigenkapitalquote und der aktuellen Höhe ihrer Verbindlichkeiten. Vorsicht sei geboten, wenn ein Hausanbieter bei solchen Fragen nervös werde.
Ein Recht auf solche Auskünfte gibt es leider noch nicht. Doch wer als Bauherr das Mehrfache seines Jahresgehalts investiere, habe zumindest ein moralisches Recht darauf, so Schmidt. Bauunternehmen, die
Probleme haben, Beweise für ihre finanzielle Solidität vorzulegen, sollte man als Bauherr bewusst meiden. Schmidt erwartet, dass die Angst vor der Pleite kleiner Bauträger künftig noch mehr Bauherren dazu bewegen wird, eher einen der großen Anbieter auszuwählen. Vorteil hierbei: Mehrere sind börsennotiert, müssen permanent Ihre Zahlen offen legen.
Bauherren haben ein moralisches Recht darauf, zu erfahren, wie solide das Unternehmen ist, dem sie ihr Geld anvertrauen, sagt Elmar Schmidt, Vorstand bei einem der führenden Eigenheimbauer Deutschlands. Foto: KAMPA AG
Kurz-Interview mit Elmar Schmidt, Vorstand Marketing und Vertrieb der Kampa AG, zum Thema Sicherheiten für Bauherren
Bürgschaft ist nur ein Rettungsanker
Experten schätzen, dass etwa jeder 20. Bauherr unter der Pleite seiner Baufirma leiden muss. Wie kann man sich schützen?
Schmidt: Bauherren sollten einen Anbieter wählen, der einen guten Namen pflegt, viel Erfahrung hat und der finanziell solide aufgestellt ist.
Was verstehen Sie unter solide aufgestellt?
Schmidt: Die Mindestanforderungen sind a) genügend Mittel, um das Haus zu Ende zu bauen und b) ausreichend Substanz, um fünf Jahre Gewährleistung bieten zu können. Mehr ist besser. Optimal sind transparente Bücher und eine starke Eigenkapitaldecke.
Immer mehr Bauunternehmen, vor allem kleinere Firmen, bieten Bauherren eine Vertragserfüllungsbürgschaft. Was halten Sie davon?
Schmidt: Eine solche Bürgschaft kostet Geld, das letztlich der Bauherr zahlen muss. Und ist leider keine Garantie dafür, dass die Baufirma das Haus auch zu Ende baut. Es ist bestenfalls ein schwacher Rettungsanker für den Fall ihrer Insolvenz.
Was meinen Sie damit?
Schmidt: Wird ein Generalunternehmer zahlungsunfähig, hat der Bauherr es trotz Bürgschaft schwer, eine neue Firma zu finden, die das Haus zu Ende baut. Noch schwerer wird es, einen Anbieter zu finden, der auch die Gewährleistung für die schon zuvor erbrachten Bauleistungen übernimmt.
Was zählt denn dann?
Schmidt: Wer 100.000 Euro und mehr in die Hand nimmt, um ein Haus zu bauen, sollte keine Risiken eingehen. Die beste Versicherung ist es, wenn man den bevorzugten Anbieter von seiner Hausbank oder seinem Steuerberater einmal gründlich in Bezug auf die finanzielle Solidität durchchecken lässt.
siehe auch: Kampa