Bonn, 29. November 2004
Wettbewerbsverzerrung im Hochbau - Regierung benachteiligt Steinindustrie
Der Holzverbrauch im Hochbau soll um 20 % steigen. Das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Frau Künast als federführende Ministerin weiß auch schon, wie sie dieses in der Bauwirtschaft durchsetzen kann: Sie will nicht nur die wichtigen öffentlichen Auftraggeber Bund, Länder und Gemeinden anweisen, wann immer es geht, mit Holz zu bauen. Gleichzeitig soll der Bund - trotz leerer Kassen - umfangreiche Werbemaßnahmen für die verstärkte Erstellung von Hochbauten aus Holzkonstruktionen finanzieren. Mit diesen wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen benachteiligt Ministerin Künast massiv die Hersteller und Verarbeiter von Mauerwerk und Beton. Um neue Stellen in der Holzindustrie zu schaffen, ist sie ohne weiteres bereit, Arbeitsplätze bei Wettbewerbern zu gefährden. Im September 2004 veröffentlichte das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft die Charta für verstärkte Holznutzung. Das erklärte Ziel: Der Verbrauch von Holz in Deutschland soll steigen. Dass dies beim Bauen nur auf Kosten der ohnehin schon arg gebeutelten Stein- und Betonindustrien und des traditionellen Baugewerbes erfolgen kann, interessiert Frau Ministerin wenig. Um ihr Ziel zu erreichen, will sie die Beschaffungsregeln von Bund, Ländern und Gemeinden so gestalten, dass sie für öffentliche Bauten, sogar für den mehrgeschossigen Wohnungsbau, präferiert Holz einsetzen. Dass dieses mit einem Qualitätsverlust verbunden sein kann, weiß jeder, der die Grenzen von Holzbauten kennt. Sollte sich die Ministerin durchsetzen, müssen Mieter verstärkt mit Lärmbelästigung rechnen und haben weniger Sicherheit im Brandfall jedenfalls wenn die Holzbauten einigermaßen kostengünstig sein sollen. Wohnungsbaugesellschaften müssen sich auf höhere Instandhaltungskosten einstellen.
Die Zusammensetzung der Steuerungsgruppe für die Charta lässt erkennen, dass es sich um eine rein politische Entscheidung handelt. Bautechnischer Sachverstand war offensichtlich weniger gefragt, stellt Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau e.V. fest. Wie könnte die Charta sonst Holzkonstruktionen wärmetechnische Vorzüge attestieren? Jeder Fachmann weiß, dass wärmedämmende Steine inzwischen besser dämmen als Holz. Erst der hohe Dämmstoffanteil in den Wänden und Decken sogenannter Holzhäuser bringt die Dämmung. Dass heute Massivhäuser mindestens ebenso hohe Dämmstandards bieten, ignoriert die Ministerin.
Rast empfiehlt allen Bauherren, sich sorgfältig mit dem Einfluss der Bauweise auf die Wohnqualität ihres zukünftigen Heimes zu beschäftigen. Aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht und im Dämmniveau kann die Massivbauweise immer mithalten. Daneben zeichnen sich Massivhäuser mit gemauerten Wänden durch ein ausgeglichenes Raumklima, energiesparende Wärmespeicherung, hohen Schall- und Brandschutz, Langlebigkeit und hohen Werterhalt aus.
Die DGfM fordert alle Verantwortlichen auf, gegen die einseitige Bevorzugung der Holzindustrie vorzugehen und ausdrücklich bei Vergabeverfahren der öffentlichen Hand alternative Ausschreibungen zu fordern. Sie selbst wird auf der politischen Ebene gegen die wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen der Bundesregierung vorgehen. Es kann nicht Aufgabe der Regierung sein, einseitig eine bestimmte Bauweise zu fördern, den Verbraucher zu bevormunden und Arbeitsplätze in anderen Industrien zu gefährden.