Verband führt das Tischlerhandwerk nun auch im Namen

Verband führt das Tischlerhandwerk nun auch im Namen
Klares Bekenntnis zu Branche und Beruf trägt zur Markenbildung bei

Nach der Einführung des neuen Logos und eines völlig überarbeiteten Branchenauftritts hat der Fachverband Holz und Kunststoff NRW nun auch in seiner Namensgebung den Wandel vollzogen. Ab sofort lautet die offizielle Bezeichnung: Fachverband des Tischlerhandwerks Nordrhein-Westfalen.

Einstimmig folgten die Delegierten auf der Frühjahrs-Mitgliederversammlung in Ratingen dem Vorschlag des Landesvorstands zur Umbenennung. „Mit dem neuen Logo haben wir uns bereits eindeutig und selbstbewusst zur Branche und zum Beruf bekannt. Da ist es nur logisch, dass wir dies auch in der offiziellen Verbandsbezeichnung tun“, sagte der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Tischlerhandwerks, Alfred Jacobi, zur Begründung. „Wenn wir die Marke ‚Tischler’ stärken wollen, muss sich dies auch auf allen Ebenen der Kommunikation niederschlagen.“ Für Außenstehende werde jetzt unmissverständlich klar, für wen und für welche Angelegenheiten der Verband Ansprech- und Servicepartner ist. Jacobi ist sicher, dass die Mitgliedsinnungen die Namensänderung ebenfalls zügig auf regionaler Ebene, wenn nicht bereits geschehen, umsetzen werden.
Dass manche der notwendigen und wünschenswerten Veränderungen erst mittelfristig vorgenommen werden können, darauf weist Hauptgeschäftsführer Dieter Roxlau hin. Wirtschaftliches Haushalten mit den Finanzmitteln bedinge ein schrittweises Vorgehen. Auch das Mitgliedermagazin „Perspektiven“ werde erst zum 1. Januar 2003 umgestellt. Hier bestünden vertragliche Bindungen mit dem Verlag und den Anzeigenkunden, die erst zum Jahreswechsel eine Überarbeitung in Anlehnung an das neue Erscheinungsbild zulassen.Renaissance des Tischlerhandwerks
Nachdrücklich begrüßt wurde die Verstärkung und Neuausrichtung der Branchenkommunikation vom Hauptreferenten der Mitgliederversammlung, Prof. Erich Chiavi aus Davos/Schweiz. Europas führender Raum- und Gestaltungsphysiologe hat die Wirkung von Farben auf den Menschen zu seinem zentralen Thema gemacht. In Ratingen allerdings beschäftigte er sich mit den Zukunftschancen der Tischlerbetriebe – geprägt von der Überzeugung, dass das Tischlerhandwerk vor einer Renaissance steht. Öffentlichkeitsarbeit und Werbung sieht Chiavi dabei als unverzichtbare Elemente einer Zukunftsstrategie. „Die Branche braucht starke Kommunikationselemente, sie braucht einen stärkeren Auftritt gegenüber den Partnern, in der Öffentlichkeit, gegenüber dem Verbraucher, in den Verwaltungen und den Institutionen, gegenüber den Architekten.“
Und an die Tischler gerichet: „Ihre Arbeit ist perfekt, daran zweifelt niemand. Aber wir müssen das Image pflegen, damit Sie sich genau auf die gleiche Ebene setzen können wie zum Beispiel die Architektur.“ Es müssten Zeichen gesetzt, für eine ebenbürtige Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Architekten. Gute Beispiele wie die des britischen Stararchitekten Norman Foster gelte es auszuweiten. Der Professor bot dabei seine Unterstützung an und regte unter anderem gemeinsame Workshops mit Architekten und Planern an. Diese seien notwendig, weil noch zu wenige von ihnen sich „mit der Materie des Holzes differenziert auseinandersetzen können“. Wichtig sei zudem ein Kommunikationszentrum, das Informationen zu modernen Technologien, Werkstoffen und Materialien sammelt und den Architekten zur Verfügung stellt sowie den Dialog fördert.

Vorbereitet sein
Angesichts der großen wirtschaftlichen Probleme ermutigte er das deutsche Tischlerhandwerk, bereit zu sein für Visionen. Aber „ermutigen heißt auch, realistische Wege zu finden.“ Chiavi, selber als Planer und Projektmanager im vielfachen Kontakt mit Architekten und Tischlerbetrieben, zeigte sich überzeugt, dass es ausreichend Lücken und Perspektiven für das Handwerk gibt. Er verwies unter anderem auf Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts, wonach ungefähr 65 Prozent aller Bauten in Deutschland renovierungsbedürftig sind. Damit dieses Bauvolumen am Markt zu Aufträgen wird, bedürfe es allerdings auch einiger Signale aus der Politik. Das Handwerk müsse mit eigenen Konzepten bereit sein für den Zeitpunkt, wenn die Gelder wieder lockerer sitzen und die Wirtschaft wieder anzieht.
Worauf also vorbereiten? Nach Chiavis Ansicht werde der individuelle Möbelbau in den nächsten Jahren einen Aufschwung erfahren. In der jetzigen Generation verstärke ohne Zweifel sich der Wunsch und der Wille, in das eigene individuelle Produkt zu investieren. Große Entwicklungschancen sehe er beim Wohnen ohne Barrieren. Er unterstellt vor allem einen Trend zu Altersresidenzen – große Projekte, wo auch ältere und jungen Menschen zusammen wohnen können.
Einen anderen Bereich mit großem Potenzial bilde das Thema Gastronomie und Hotellerie. Wiederum gestützt auf das Fraunhofer-Institut geht Erich Chiavi in den nächsten Jahren von weitreichenden Investitionen aus, die durch neue Sicherheitsvorkehrungen, andere Belüftungen und gewachsene Ansprüche der Gäste ausgelöst werden.
Ebenfalls interessant dürfte der Markt im Gesundheitswesen sein, das durch die Kostenexplosion unter Handlungsdruck gerate. So setzte sich bei den Ärzten aus Rentabilitätsgründen zunehmend ein Trend zu größeren Gemeinschaften durch. Das erfordere Umbauten oder Neubauten der Inneneinrichtung.
Einen Blick zu werfen lohne sich auch auf den Bildungsbereich. Hier seien in Deutschland jahrelang notwendige Investitionen in die Schulgebäude unterblieben. Unter dem Eindruck der aktuellen Bildungsdiskussion stelle sich auch die Frage nach Einrichtung und Ausstattung der Schulen völlig neu und der Druck auf Politik und Verwaltung, aktiv zu werden, steige. Gleiches gelte im übrigen auch für die Kindergärten.
Prof. Chiavi empfahl, sich einzelbetrieblich als auch vor allem auf Branchenebene über Lösungen in diesen Zukunftsmärkten Gedanken zu machen. In der Partnerschaft und der Zusammenarbeit, beispielsweise auch als gewerkübergreifende Anbieter, sieht er grundlegende strategische Optionen.

Bildunterschrift:
Sieht das Tischlerhandwerk vor einer Renaissance: der Raum- und Gestaltungsphysiologe Prof. Erich Chiavi.

Klarheit und Eindeutigkeit

Mit der Goldenen Ehrennadel, seiner höchsten Auszeichnung, hat der Fachverband des Tischlerhandwerks NRW den langjährigen Obermeister der Tischler-Innung des Kreises Neuss, Karl-Heinz Köhler, ausgezeichnet. Im Rahmen der Mitgliederversammlung in Ratingen würdigte Verbandschef Alfred Jacobi ihn als einen „ebenso angenehmen wie engagierten Streiter für die Belange der Tischlerbetriebe“.

Köhlers ehrenamtliche Tätigkeit für das Tischlerhandwerk begann im Jahre 1969, als er zum Vorstandsmitglied der Tischler-Innung Neuss gewählt wurde und das Amt des Lehrlingswarts ausübte. Wenige Jahre später wurde er Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses und stellvertretender Obermeister. Im Jahre 1984 schließlich vertrauten ihm die Innungskollegen das Amt des Obermeisters an. Einer der wichtigsten Erfolge seiner Amtszeit war die erfolgreiche Fusion der zuvor selbständigen Innungen Neuss und Grevenbroich im Jahre 1987. Alfred Jacobi lobte Karl-Heinz Köhler für seine „Klarheit und Eindeutigkeit im Auftreten“, diese seien wie auch das „Bemühen, stets einen versöhnlichen Ton zu finden“, stets sein Markenzeichen gewesen.
Köhlers Verdienste haben bereits sehr früh dazu geführt, dass ihm die Silberne Medaille der Handwerkskammer Düsseldorf verliehen wurde. Nach seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur als Obermeister vor einem Jahr wurde er zum Ehrenobermeister gewählt. Der Generationenwechsel im Ehrenamt blieb allerdings Familiensache. Die Innungskollegen hatten mit Erfolg seinen Sohn Uwe gedrängt, die Nachfolge anzutreten.

Bildunterschrift:
Das langjährige Engagement von Karl-Heinz Köhler (re.) würdigte der Verbandsvorsitzende Alfred Jacobi durch die Auszeichnung mit der Goldenen Ehrennadel.


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