Schnappauf: In 100 Jahren Bayerns Alpenklima wie am Lago Maggiore - Anpassungsstrategien nötig

Schnappauf: In 100 Jahren Bayerns Alpenklima wie am Lago Maggiore - Anpassungsstrategien nötig

"Steinadler und Bär bereichern inzwischen wieder alpines Ökosystem"
+++ In 100 Jahren ist es in den bayerischen Alpen so warm wie am Lago Maggiore mit Palmen, subtropischen Gärten und Kastanienwäldern. Die Kehrseite: Sintflutartige Regenfälle verursachen vermehrt Muren, Schlammlawinen und Hochwasser. Dieses Szenario beschrieb Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf heute auf der Jahresfachtagung der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA unter dem Motto 'Klimawandel im Alpenraum' in Bad Hindelang. Schnappauf: "Jüngste Klimaprognosen für den Alpenraum zeichnen ein dramatisches Bild. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird es bis zu 4 Grad wärmer und anstatt zu schneien regnet es doppelt so oft." Die Folgen sind jetzt schon unübersehbar. Die bayerischen Gletscher schrumpften bereits um 70 Prozent; in zwanzig Jahren sind sie weg. "Europas größter Wasserspeicher droht zu versiegen. Schon heute verliert der nördliche Schneeferner-Gletscher an einem heißen Tag bis zu 35 Millionen Liter Wasser. Das entspricht dem täglichen Wasserbedarf von Augsburg." Angesichts dieser Klimaprognosen forderte der Minister zusätzlich zu internationalen CO2-Minderungs- auch regionale und lokale Anpassungsstrategien an die unvermeidlichen Folgen der Klimaerwärmung. +++

Anpassung an das veränderte Klima ist nach den Worten Schnappaufs u.a. im Bereich des Wintertourismus nötig. Der Minister appellierte an alle Alpenstaaten, sich auf schneeärmere und wärmere Winter einzustellen: "Anstatt überall künstlich zu beschneien gehören alternative, naturverträgliche Urlaubsangebote künftig ins Programm." Darüber hinaus muss auch der immer größer werdenden Hochwassergefahr im Alpen- und Voralpenraum begegnet werden. Das Investitionsvolumen für Hochwasserschutzmaßnahmen an großen Flüssen, Wildbächen und Speichern im Alpenraum wird für die kommenden 10 Jahre auf bis zu 300 Millionen Euro geschätzt. Seit 2004 wird zudem zur Vorsorge ein Klimaänderungsfaktor von plus 15 Prozent auf das Bemessungshochwasser bei Neubauten aufgeschlagen. Als weiteres Beispiel führte Schnappauf das konsequente Freihalten von Flächen auf. Denn durch das Nichtbebauen von Flächen werde erreicht, dass unvermeidbare Naturereignisse wie Muren, Steinschlag, Lawinen oder Hochwasser nicht zu Naturkatastrophen werden. Bayern hat dazu sog. Tabuzonen, in der der Bau von Straßen, Seilbahnen oder Flugplätzen unzulässig ist, auf 43 Prozent des gesamten bayerischen Alpenraums ausgeweitet und 60 Prozent des Bergwaldes unter besonderen Schutz gestellt.

Trotz der Belastungen durch Verkehr, Tourismus, Siedlungsdruck und Klimaveränderung ist der Alpenraum nach den Worten Schnappaufs der vielfältigste Natur- und Kulturraum Europas. Das alpine Ökosystem ist in den letzten Jahren zum Teil auch reicher geworden. So wurde vor einigen Tagen erstmals in Vorarlberg, nur 30 Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt, ein Braunbär gesichtet; in Österreich ist die Population seit 1989 wieder auf knapp 30 Tiere angewachsen. Darüber hinaus gibt es auch dank des bayerischen Artenhilfsprogramms wieder rund 50 Steinadlerreviere im bayerischen Alpenbogen.

Weitere Informationen: http://www.klima.bayern.de

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