Bernhard: Bessere Versorgung bei Ess-Störungen auf alle Patienten ausweiten

Bernhard: Bessere Versorgung bei Ess-Störungen auf alle Patienten ausweiten

+++ Dem Weg der Integrierten Versorgung bei Ess-Störungen sollten alle Kassen folgen. Dazu hat Gesundheitsstaatssekretär Otmar Bernhard heute aufgerufen. "Die AOK Bayern ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat ein entsprechendes Versorgungskonzept in enger Zusammenarbeit mit den Leistungserbringern umgesetzt. Bereits 60 Patientinnen und Patienten können auf neue Weise betreut werden. Die bessere Versorgung sollte auch anderen Patienten zur Verfügung stehen", betonte Bernhard beim 5. Suchtforum in München. Grundlage ist ein Vertrag zwischen Kosten- und Leistungsträgern. Patienten und Kostenträger können davon gleichermaßen profitieren. "Die Versorgung aus einer Hand schafft für die Patienten Kontinuität und das Gefühl, gut aufgehoben zu sein und sichert eine lückenlose Behandlung. Chronische Erkrankungsverläufe und Doppeluntersuchungen werden vermieden, die Behandlungsdauer wird verkürzt, Qualität wird gesichert. All dies senkt auch die Behandlungskosten", machte der Staatssekretär deutlich. +++
Das Modell der Integrierten Versorgung fußt auf Empfehlungen einer Konsensusgruppe zu Prävention, Clearing, Therapie und Nachsorge von Patienten mit Ess-Störungen. Diese Plattform hatte das Bayerische Gesundheitsministerium geschaffen, um einheitliche Qualitätsstandards zu entwickeln. Kern dieses Konzeptes ist ein interdisziplinäres Clearingverfahren mit fundierter Anamnese und Diagnostik. Je nach Schweregrad der Erkrankung werden die passenden Therapieformen ausgewählt. Zur Verfügung stehen ambulante, stationäre und teilstationäre Angebote in Wohngruppen. Die Patienten werden entsprechend ihren Bedürfnissen bis zur Gesundung begleitet. Koordinator des Clearingverfahrens ist ANAD (Anorexia nervosa and Associated Disorders), die bundesweit größte professionelle Beratungsstelle bei Ess-Störungen mit Hauptsitz in München. ANAD ist außerdem Träger der intensivtherapeutischen Wohngruppen bei Ess-Störungen namens 'pathways' in München.

Redaktionelle Hinweise:
Das Suchtforum wird veranstaltet von Bayerischer Landesärztekammer, Bayerischer Landesapothekerkammer und Bayerischer Akademie für Suchtfragen. Ziel des Suchtforums ist, über die neuesten Entwicklungen zu informieren und auf tabuisierte Erkrankungen, wie Ess-Störungen aufmerksam zu machen.

Ess-Störungen nehmen seit Jahren zu. Schätzungen zufolge leiden etwa sechs Prozent der Bevölkerung an einer Ess-Störung. Das wären in Bayern etwa 700.000 Menschen. Ess-Störungen zählen inzwischen mit zu den häufigsten Erkrankungen des Jugend- und frühen Erwachsenenalters. Tendenziell zeigt sich ein immer früherer Krankheitsbeginn. Diesen Trend bestätigt auch eine aktuelle Studie der Universität Halle. Etwa jeder siebte Jugendliche sei gefährdet und zwar zunehmend auch Buben und junge Männer.
Ess-Störungen können sehr hartnäckig sein; bis zu 50% der Patienten leiden auch nach 10 Jahren noch an ihrer Ess-Störung. Neben der psychischen Dimension wie sozialer Rückzug, Isolation, Traurigkeit, Depressionen, geringes bis kein Selbstwertgefühl sind auch die körperlichen Auswirkungen einer Ess-Störung gravierend.
Anorexia nervosa (Magersucht):
Magersüchtige haben durch extremes Hungern ein deutliches Untergewicht, oft 25 Prozent und mehr unter dem Normalgewicht. Sie essen wenig oder gar nichts, nehmen nicht mehr an gemeinsamen Mahlzeiten teil und treiben häufig exzessiv Sport. Etwa 10 % der Magersüchtigen hungern sich zu Tode.
Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht): Betroffene haben meist Normalgewicht, allerdings mit starken Gewichtsschwankungen. 'Fressanfällen', bei denen riesige Mengen verschlungen werden, folgen selbst provoziertes Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln und Entwässerungspillen.
Binge eating (Ess-Sucht)
Hier kommt es zu 'Fressanfällen' ohne gewichtsreduzierende Maßnahmen. Ess-Süchtige haben das Gefühl für eine körperliche Sättigung völlig verloren. Viel-Essen wird zur Ersatzbefriedigung für emotionale Bedürfnisse.

Weitere Informationen: http://www.gesundheit.bayern.de

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