Schnappauf: FSME-Fälle durch verregneten Sommer verdoppelt - 2/3 Bayerns bereits Risikogebiet

Schnappauf: FSME-Fälle durch verregneten Sommer verdoppelt - 2/3 Bayerns bereits Risikogebiet

+++ Durch den warmen und feuchten Sommer im letzten Jahr haben sich die Zecken derart vermehrt, dass doppelt so viele Menschen an Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) erkrankten wie noch im Vorjahr. Dies erklärte Bayerns Gesundheitsminister Werner Schnappauf heute in München. Schnappauf: "Die Zahl der in Bayern erworbenen FSME-Fälle ist von 105 im Jahr 2004 auf 204 in 2005 gestiegen. Und insgesamt sind bereits 54 Landkreise und kreisfreie Städte und damit zwei Drittel der Landesfläche als Risikogebiete ausgewiesen; der Landkreis Passau sogar als Hochrisikogebiet. Neu dazu gekommen sind die Landkreise Aichach-Friedberg, Eichstätt, Miesbach sowie Nürnberg-Land und der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen wird wieder in die Liste der Risikogebiete aufgenommen." Das zunehmend wärmere Klima in Mitteleuropa werde vermutlich die Vermehrung der Zecken in den nächsten Jahren weiter begünstigen. Denn Schnappauf zufolge erhöhen vor allem warme und feuchte klimatische Verhältnisse deren Überlebenschancen. Der Minister hat deshalb erneut zur FSME-Schutzimpfung aufgerufen: "Jeder sollte sich impfen lassen, der in einem FSME-Risikogebiet wohnt oder dort Urlaub macht und sich häufig in freier Natur aufhält." +++
Einer neuen Studie der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) zufolge sind die Impfraten in den Risikogebieten unterschiedlich hoch. Im Schnitt ist jeder sechste vollständig immunisiert. Der Durchimpfungsgrad schwankt dabei zwischen 2 und 53 Prozent. Insgesamt 36 Prozent der bayerischen Bevölkerung haben bereits einmal eine FSME-Impfung erhalten. Dies nahm Schnappauf zum Anlass, an eine vollständige Impfung zu erinnern: "Ein wirksamer Grundimpfschutz besteht aus drei Impfungen. Alle 3-5 Jahre - in Abhängigkeit vom jeweiligen Alter und Impfstoff - ist eine Auffrischimpfung erforderlich. Wer meint, mit einer einzigen Impfung geschützt zu sein, wähnt sich in falscher Sicherheit und läuft Gefahr, bei einer Infektion genauso schwer zu erkranken wie ein Ungeimpfter." Insbesondere in den neu ausgewiesenen FSME-Risikogebieten sind die Impfraten teilweise noch sehr niedrig. In den altbekannten Risikogebieten dagegen kennen die Menschen eher das FSME-Risiko und sind wesentlich häufiger geimpft. "Dort, wo die Impfrate hoch ist, kommen seltener neue Fälle hinzu," so der Minister. Der Minister rief niedergelassene Ärzte und die Gesundheitsämter auf, für die FSME-Impfung zu werben.
Auch weitere Vorsorgemaßnahmen gegen Zecken wie richtige Kleidung sollten Schnappauf zufolge beachtet werden. Denn Zecken können Borrelien übertragen, gegen die keine Impfung, wohl aber eine antibiotische Behandlung möglich ist. "Gegen Gesundheitsschäden aufgrund einer Borreliose hilft nur Vorsorge und Früherkennung", machte der Minister deutlich. Bei einem Zeckenstich sollte deshalb besonders auf ein Frühzeichen der Borreliose, die sog. Wanderröte geachtet werden. Wer sich viel in der freien Natur aufhält, sollte nach den Worten Schnappaufs auf möglichst geschlossene Kleidung achten und unbekleidete Körperstellen mit Mückenabwehrmitteln einreiben. Wichtig ist es auch, sich nach Aufenthalten in Wald, Wiese und Gebüsch, aber auch in Gärten und Parkanlagen, nach Zecken abzusuchen und diese umgehend zu entfernen.

Die bayerischen Risikogebiete und weitere Tipps rund um FSME und Borreliose sind unter http://www.stmugv.bayern.de zu finden.

Redaktionelle Hinweise:
Ein Landkreis- oder eine kreisfreie Stadt wird zum FSME-Risikogebiet erklärt, wenn sich dort mindestens zwei FSME-Erkrankte im Zeitraum von einem Jahr (bzw. mindestens fünf Erkrankte innerhalb von 5 Jahren) mit dem FSME-Virus infiziert haben; zum Hochrisikogebiet, wenn sich innerhalb von 5 Jahren mindestens 25 FSME Erkrankte die Infektion dort zugezogen haben.

Mit ihrem Stich können Zecken eine Reihe von Krankheitserregern übertragen. Die wichtigsten sind die FSME-Viren (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) und die Lyme-Borrelien, Erreger der Borreliose.

Während die Borreliose praktisch überall vorkommt, wo es Zecken gibt, tritt die FSME nur in bestimmten Risikogebieten auf. Deutschlandweit sind die Risikogebiete im Internetangebot des Robert-Koch-Instituts unter http://www.rki.de erhältlich. FSME ist auch in vielen Nachbarstaaten verbreitet, insbesondere in Mittelosteuropa, Osteuropa, Österreich, Schweiz, Schweden und Finnland sowie vor allem in den baltischen Staaten. Weitgehend frei von FSME sind dagegen Dänemark, Italien, Frankreich und Griechenland bzw. Spanien, Portugal und Großbritannien.

Die Impfung gegen FSME bringt einen Impfschutz für etwa drei bis fünf Jahre. Bei anhaltendem oder erneutem FSME-Risiko sollte dann unbedingt wieder aufgefrischt werden. Für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr steht ein spezieller, gut verträglicher Kinderimpfstoff zur Verfügung.

Bei einer FSME-Infektion kann es sieben bis 14 Tage nach einem Zeckenstich zu unspezifischen Anzeichen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und leichten Magen-Darm-Beschwerden ähnlich einer Sommergrippe kommen. Nach etwa acht beschwerdefreien Tagen zeigt sich bei ca. 10 Prozent dieser Erkrankten eine Hirnhaut-, Gehirn- oder/und Rückenmarksentzündung.

Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung. Infolge der weitaus stärkeren Verbreitung von infizierten Zecken sind Erkrankungen wesentlich häufiger. Um die Einstichstelle bildet sich meist nach ein bis vier Wochen eine ring- oder kreisförmige Wanderröte aus. Das Hautgebiet um die Einstichstelle sollte daher etwa vier Wochen lang täglich auf das Auftreten dieser Hautrötung kontrolliert werden. Wenn sie erscheint, muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Nicht oder zu spät mit Antibiotika behandelte Infektionen können akute und chronische Krankheitserscheinungen an Nervensystem, Herz, Gelenken und Haut hervorrufen.

Weitere Informationen: http://www.gesundheit.bayern.de

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