Beckstein verleiht Leo-von-Klenze-Medaille an die Professoren Angerer und Nather sowie an den Architekten Staab
Aus den Händen von Innenminister Dr. Günther Beckstein erhielten heute in Nürnberg bei einem Festakt im Staatlichen Museum für Kunst und Design die an der TU München wirkenden Professoren Fred Angerer und Friedrich Nather sowie Architekt Volker Staab die Leo-von-Klenze-Medaille. Die Auszeichnung für herausragende Leistungen in Architektur, Städtebau und Ingenieurbaukunst wurde ihnen auf Vorschlag der Obersten Baubehörde von Beckstein verliehen. Die Medaille, die nach 1996 und 1998 zum dritten Mal vergeben wird, trägt den Namen eines der bedeutendsten Baumeister des 19. Jahrhunderts, Leo von Klenze. Er steht, wie kaum ein anderer Architekt seiner Zeit mit seinen Werken für die ideale Synthese von Architektur, Städtebau und Ingenieurbaukunst. Klenze war der erste Leiter der Bayerischen Staatsbauverwaltung und maßgeblich an der Errichtung einer politechnischen Zentralschule in München beteiligt, aus der die heutige Technische Universität hervorging.
Der Name von Professor Fred Angerer (75) ist eng mit dem Baugeschehen in Bayern verknüpft. "Ob als Hochschullehrer für Städtebau und Entwerfen, als Architekt und Stadtplaner, als engagiertes Mitglied in Fachgremien oder als Preisrichter in zahlreichen Architekturwettbewerben - sie haben das Baugeschehen in Bayern wesentlich mitgeprägt", so Beckstein in seiner Laudatio. Nach seinem Studium an der Technischen Hochschule München ging Professor Angerer nach einer kurzen Tätigkeit bei einem Architekturbüro 1951 als Assistent am Lehrstuhl für Städtebau wieder an die Technische Hochschule zurück. Seiner vielbeachteten Habilitationsschrift "Bauen mit tragenden Flächen" von 1958 folgte die Ernennung zum Privatdozenten. Schon 1961 wurde er zum Professor ernannt und erhielt wenige Jahre später den Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen. Über drei Jahrzehnte war Professor Angerer als Hochschullehrer tätig und bis zu seiner Emeritierung 1993 viele Jahre Dekan und Pro-Dekan der Fakultät Architektur. "Pragmatisch und praxisorientiert brachten Sie den Studenten den Städtebau nahe und prägten so ganze Architektengenerationen", lobte Beckstein. Als freischaffender Architekt hat Professor Angerer ab den 50er Jahren erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen. Mit seinen Wettbewerbserfolgen auf internationaler Ebene war sein Name bereits in den 60er Jahren über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Seinen beständigen persönlichen Einsatz für die Baukultur zeigt sich besonders in seinem Engagement in Fachgremien und Verbänden. Als langjähriges Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung war Professor Angerer ab 1974 zunächst Vorsitzender der Landesgruppe Bayern und ab 1980 für neun Jahre Präsident der Gesamtakademie. Seit 1968 ist er zudem Vorsitzender des Bayerischen Landesbaukunstausschusses, der die Staatsregierung in wichtigen baukünstlerischen Fragen berät. Für seine beispielhaften Leistungen auf dem Gebiet des Städtebaus und der Baukunst erhielt Professor Angerer zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, u.a. den Bayerischen Verdienstorden.
Professor Friedrich Nather (77) hat in seinem mehr als 50jährigen Berufsleben als hervorragender Ingenieur und vielfach anerkannte Kapazität auf dem Gebiet des Stahlbaus maßgeblich zur Weiterentwicklung der Ingenieurbaukunst beigetragen. Sein außerordentlicher beruflicher Werdegang begann in der schwierigen Nachkriegszeit. Nach nur 7 Semestern Bauingenieurstudium legte er an der Technischen Hochschule Karlsruhe die Diplomhauptprüfung ab. Nach einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TH Karlsruhe war er ab Herbst 1949 lange Zeit in führenden Positionen in der Industrie tätig. Die Berufung 1977 an die technische Universität München als Ordinarius für Hochbau war die Konsequenz seiner vielseitigen erfolgreichen Tätigkeiten in allen Bereichen des Stahlbaus. "Mit großem Einsatz haben Sie sich Ihrer neuen Aufgabe in Lehre und Forschung an der TU München angenommen. Sie brachten Ihren großen Ideenreichtum in Ihrem Arbeits- und Forschungsgebiet, bei Traggerüsten, bei stählernen Großbrücken und im Verbundbrückenbau ein", so Beckstein in seiner Laudatio. Er hob insbesondere die großen Verdienste Nathers bei der Prüfung von technisch anspruchsvollen Großbrücken hervor, wie der Innbrücke Wasserburg im Zuge der B 304, deren Konstruktion seine Handschrift trägt. Daneben hat Professor Nather die Arbeit vieler Gremien mit seiner Initiative beeinflusst, so z. B. von Sachverständigenausschüssen des Institutes für Bautechnik und von Arbeitsausschüssen des Normenausschusses-Bau. Neben zahlreichen anderen Ehrungen und Anerkennungen wurde Professor Nather von der Technischen Universität Timisoara in Rumänien 1996 für seine Verdienste bei der Einführung eines deutschsprachigen Bauingenieurstudienganges zum "Professor Onorific" ernannt.
Der berufliche Werdegang des Architekten Volker Staab (44) begann 1977 mit dem Studium an der ETH Zürich, das er 1984 abschloss. An die Studienzeit schloss eine 5jährige Unterstützung in einem renommierten Berliner Architektenbüro an. Seit 1990 ist Staab als freischaffender Architekt tätig und führt in Berlin ein gemeinsames Büro mit Alfred Nieuwenhuizen. Beckstein bezeichnete es in seiner Laudatio als Glücksfall für Bayern, dass drei seiner bislang fertiggestellten Bauten im Freistaat gebaut wurden: Die gelungene Erweiterung des Bayerischen Landtags auf dem städtebaulich schwierigen Grundstück des Maximilianeums (1994), das selbstbewusst und zugleich vorbildlich in das Stadtgefüge der Nürnberger Altstadt integrierte Staatliche Museum für Kunst und Design (1999) sowie das klar konturierte "Museum Georg Schäfer" in Schweinfurt (2000). Für sein ständiges Bemühen, die Umwelt zu gestalten, wurde Staab schon mehrfach ausgezeichnet. "Sie haben in Ihrem noch jungen Architektenleben Außergewöhnliches geleistet. Auf die noch in Planung und Bau befindlichen Projekte dürfen wir gespannt sein. Ich bin überzeugt, dass Sie auch bei diesen Projekten Architektur von außergewöhnlicher Qualität schaffen werden", so Beckstein.