Medaille für besondere Verdienste um die Innere Sicherheit

Medaille für besondere Verdienste um die Innere Sicherheit
Beckstein ehrt 14 Personen
"Innere Sicherheit ist ein enorm wichtiges Bürgeranliegen. Dass Sie diese Auffassung teilen, haben Sie durch beherztes und mutiges Eingreifen ausdrucksvoll unter Beweis gestellt", lobte Innenminister Dr. Günther Beckstein am 17.12.2001 14 Personen, die unter anderem Kriminalitätsopfern geholfen oder etwa zur Klärung ganzer Serien früherer Taten beigetragen haben. Er verlieh ihnen die silberne Medaille für besondere Verdienste um die Innere Sicherheit. Diese wird zusammen mit einer Urkunde seit 1994 jährlich - heuer also zum 8. Mal - verliehen, um besonderes bürgerschaftliches Engagement für die Innere Sicherheit zu würdigen und das Bewusstsein und die Mitverantwortung hierfür zu fördern.

Hinweis:
Bilder von der Medaillenaushändigung und die Laudationes sind am 17.12.2001 voraussichtlich ab 16.00 Uhr abrufbar im Internet unter der Adresse:
http://www.stmi.bayern.de/bilder/ehrung/innere_sicherheit/index.htm

Ende April diesen Jahres trafen die Ehefrau von Josef Suhrer aus Saaldorf-Surheim, Lkr. Berchtesgadener Land, und seine Schwiegermutter auf einen Einbrecher, als sie gerade vom Einkaufen nach Hause zurückkamen. Der Täter bemerkte die beiden und versuchte über einen Balkon im ersten Stock, über das Hausdach und von dort über die Rückseite des Anwesens zu fliehen. Frau Suhrer hatte inzwischen ihren Mann bei Nachbarn verständigt. Der heimeilende Herr Suhrer traf auf den wesentlich jüngeren Flüchtigen, stellte sich ihm in den Weg und hielt ihn bis zum Eintreffen der alarmierten Polizei fest. Dem Einbrecher ließen sich fünf weitere Diebstähle und Einbruchsdiebstähle im näheren Umkreis nachweisen.

Frau Melanie Trinler aus Geretsried ist Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft in Wolfratshausen. Im Mai 2001 versuchte dort ein Kunde Ware mit einer gestohlenen EC-Karte zu bezahlen, was er schon zuvor in vielen Fällen erfolgreich getan hatte. Dazu war Frau Trinler bereits eine Warnmeldung der Industrie- und Handelskammer bekannt. Deshalb ließ sie eine Kollegin die Geschäftstüren versperren und die Polizei verständigen. Zudem gelang es ihr, den Täter bis zum Eintreffen der Polizei hinzuhalten, obwohl dieser mehrfach nach seiner EC-Karte fragte. Dem Scheckkartenbetrüger wird eine bundesweite Straftatenserie mit mindestens 400 Fällen zur Last gelegt.

Im November letzten Jahres griff in der Münchner U-Bahn ein Jugendlicher aus einer fünfköpfigen Gruppe heraus einen Schüler unvermittelt und ohne jeden Grund zunächst verbal an. Als dieser darauf nicht reagierte, schlug er ihm mehrfach auf den Kopf. Dann stieg der Angreifer zunächst mit der Gruppe der anderen Jugendlichen aus, kehrte aber plötzlich zurück und sprang dem Schüler in den Bauch. Das konnten die anderen 4 Jugendlichen, obwohl sie sich bemühten, nicht verhindern. Frau Gundelinde Miehling und Frau Gertrud Sälzle aus München saßen ganz in der Nähe im selben U-Bahnwagen und forderten den Schläger mehrfach vergeblich auf, den Schüler in Ruhe zu lassen. Dann kümmerten sie sich beide um den Verletzten und begleiteten ihn zur Polizei, wo er Anzeige erstattete. Mit ihrem Handeln setzten sie ein deutliches Signal gegen die leider weit verbreitete "Unkultur des Wegsehens".

Am 13.12. letzen Jahres beobachtete Herr Gerald Fellner aus München um halb drei Uhr morgens von seiner Wohnung aus, dass sich drei Personen für geparkte Autos interessierten; eine davon leuchtete mit einer Taschenlampe in die Fahrzeuge. Herr Fellner informierte sofort die Polizei und gab so klare Personenbeschreibungen, dass diese die drei Polen samt Einbruchswerkzeug festnehmen konnte. Das Trio hatte mindestens elf Fahrzeuge aufgebrochen und ausgeraubt. Bereits am folgenden Tag wurde Herrn Fellner Zeuge eines Verkehrsunfalls. Er sah, wie ein Mitfahrer aus dem Fahrzeug, das den Unfall verursacht hat, an der Unfallstelle einen Koffer in einem naheliegenden Gebüsch versteckte. Seine Beobachtungen teilte Herr Fellner erneut der Polizei mit. Sie konnte den Koffer in dem sich 5,5 kg Marihuana befanden sicherstellen und den Unfallverursacher festnehmen. Dieser führte den Schlüssel eines Schließfachs mit sich, in dem sich ebenfalls Marihuana in erheblicher Menge befand. Auf eine von der Münchner Polizei für sein Engagement im Interesse der Sicherheit angebotene Geldprämie verzichtete Herr Fellner zugunsten der Mukoviszidosestiftung.

Mitte März diesen Jahres wurde eine 24jährige Frau gegen halb drei Uhr morgens in München auf dem Nachhauseweg von der U-Bahn von einem Sex-Täter überfallen. Er attackierte sie massiv, flüchtete dann aber wegen ihrer lauten Hilferufe. Herr Heiko Schulte aus München war wegen der Schreie auf die Straße gelaufen und verfolgte den Täter, konnte ihn einholen und mit inzwischen dazugekommenen weiteren Anwohnern zum Tatort zurückbringen.

Ende März diesen Jahres überfiel ein 24jähriger Mann mitten in München ein verkehrsbedingt haltendes Taxi. Zunächst riss er eine der hinteren Türen auf und entwand einer auf der Rückbank sitzenden Frau Schlüssel und Geld aus der Handtasche. Der überraschte Fahrer wollte sich mit den Tageseinnahmen in Sicherheit bringen, wurde aber auf der Straße von dem Räuber angegriffen. Der Täter schlug auf ihn ein und versuchte ihm die Geldbörse zu entreisen. Herr Borries von Müller aus Königstein im Taunus und ein weiterer Ausgezeichneter, der heute leider verhindert ist, sahen das aus ihrem PKW, eilten den beiden Geschädigten zur Hilfe und hielten den Täter bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Mitte März diesen Jahres überfiel ein Räuber eine Tankstelle in Nürnberg. Er bedrohte eine junge Verkäuferin mit einer Schreckschusspistole die diese für echt hielt; mit 2.300 Mark Beute flüchtete er dann zu Fuß. Herr Horst Beuschel aus Nürnberg kam unmittelbar danach als Kunde zur Tankstelle, wo ihm die Verkäuferin Tathergang und Täter beschrieb. Mit seinem Fahrzeug verfolgte Herr Beuschel den flüchtenden Räuber und holte ihn schnell ein. Es gelang ihm dann, den Täter so einzuschüchtern, dass dieser zur Tankstelle zurückkehrte und sogar bereit war, das Geld wieder herzugeben. Herr Beuschel machte zudem eine zufällig vorbeifahrende Polizeistreife aufmerksam, die den Täter festnahm.

Im Sommer diesen Jahres erfuhr Herr Peter Jung aus München bei einem Mietwagenunternehmen am Nürnberger Flughafen, dass gerade ein teurer BMW mit einer gefälschten Kreditkarte angemietet worden war und vermutlich unterschlagen werden sollte. Als er kurz darauf das über 100.000 Mark teure Fahrzeug an sich vorbeifahren sah, verfolgte er es mit seinem Auto. Mehrere Fluchtversuche der beiden Täter konnte er verhindern. Es gelang ihm sogar, sie zu überreden zur Mietwagenfirma zurückzukehren, wo die zwei international tätigen Betrüger dann festgenommen wurden.

Ende Juli diesen Jahres brachen drei Einbrecher mit einem gestohlenen Auto nachts in Schwabach durch die verschlossene Eingangstüre eines Juweliergeschäftes und kamen damit erst nach 4 Metern im Laden zum Stehen. Anschließend räumten sie die Vitrinen aus. Herr Alfred Hörauf aus Rednitzhembach, Lkr. Roth, der in dieser Nacht als Taxifahrer arbeitete, hörte den Lärm und fuhr zum Ort des Geschehens. Zunächst glaubte er an einen Verkehrsunfall und bot dem noch im Auto sitzenden Fahrer seine Hilfe an. Dieser flüchtete aber mit dem beschädigten Pkw und ließ die schon verpackte Beute im Wert von 230.000 Mark im Geschäft zurück. Da wurde Herrn Hörauf schlagartig klar, dass es sich um einen Blitzeinbruch handelte. Es gelang ihm, einen mit einer Rohrzange aus dem Laden kommenden Täter zu überwältigen. Dieser hatte gegen den begeisterten Kampfsportler und ehemaligen Boxtrainer Hörauf keine Chance. Herr Hörauf brachte ihn mit einem "Doppel-Nelsongriff zu Boden und hielt ihn bis zur Festnahme durch die Polizei fest.

Mitte August 2001 trat ein 43jähriger Mann gegenüber fünf Kindern in Amberg als Exhibitionist auf. Als die Kinder nach ihren Eltern riefen flüchtete der Täter. Herr Rostislav Piskacek aus Amberg, der in der Nachbarschaft wohnt, hörte von der Tat und nahm sofort die Verfolgung auf. Weil er zu Fuß zu langsam war, lieh er sich ein Fahrrad, holte den Exhibitionisten ein und konnte ihn bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

Mitte Januar diesen Jahres randalierten fünf Personen auf dem Stadtplatz in Deggendorf und beleidigten Vorbeigehende. Im weiteren Verlauf kam es aus der Gruppe heraus sogar zu schwerwiegenden Körperverletzungen gegen zwei Passanten. Herr Konrad Hochleitner aus Deggendorf war damals als Angehöriger der Sicherheitswacht auf einem Streifengang unterwegs und stoppte die Täter. Zudem verständigte er die Polizei und nahm einen der Randalierer fest. Herr Hochleitner wird stellvertretend für die wertvolle und engagierte Tätigkeit von inzwischen 460 Sicherheitswachtsangehörigen in Bayern für sein beherztes Einschreiten ausgezeichnet.

Herr Herbert Ottillinger aus Rain, Lkr. Donau-Ries, ließ am 12. Januar letzten Jahres durch sein aufmerksames Verhalten einen Seriendieb in Rain am Lech auffliegen: Er fuhr damals am frühen Abend zu einem Brauereidepot, wo er als Niederlassungsleiter arbeitet. Dort bemerkte er, dass Pakete mit frisch angelieferten Biertischgarnituren aufgerissen und etliche Tische und Bänke offenbar zum Abtransport bereit gelegt worden waren. Außerdem stieg ein Unbekannter gerade in einen nahestehenden Kombi ein und fuhr damit weg. Dieses Auto verfolgte Herr Ottillinger über mehr als 5 km durch das gesamte Stadtgebiet von Rain am Lech und verständigte gleichzeitig die Polizei. Nachdem er sie per Handy laufend über die Wegstrecke informierte, gelang es einer Streife den Kombi anzuhalten und den Fahrer festzunehmen. Ihm konnten u. a. 32 Diebstähle mit Schäden über 410.000 Mark nachgewiesen werden.

Herr Josef Luichtl aus Mering, Lkr. Aichach-Friedberg, wurde am 1. April 2001 Zeuge eines Überfalls auf eine junge Frau in einer Sportgaststätte in Merching. Der Täter schoss dabei mit einer Schreckschusswaffe der Frau aus kurzer Distanz ins Gesicht und verletzte sie dabei. Den per Auto Flüchtenden verfolgte Herr Luichtl, verlor ihn aber dabei zweimal aus den Augen. Jedesmal suchte er dann die nähere Umgebung ab, bis er die Spur wieder aufnehmen konnte. Einmal versteckte er sich dazu hinter einem Haltestellenhäuschen und wartete auf die Rückkehr des Täters, der sein Fahrzeug verlassen hatte. Schließlich konnte er die Polizei per Handy verständigen und laufend über den Fluchtweg informieren, so dass diese den Täter stoppen und festnehmen konnte.


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