Beckstein: "Absicht der KVB, den ärztlichen Bereitschaftsdienst künftig über eigene Zentralen zu vermitteln, ist bürgerunfreundlich"
"Ich bedauere die Absicht der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), aus der Vermittlung durch die Rettungsleitstellen aussteigen zu wollen", betonte Innenminister Günther Beckstein heute in München. "Es liegt im Interesse der Patientinnen und Patienten, dass auch weiterhin eine einzige Anlaufstelle für alle Dienste zur Verfügung steht. Nur so kann eine kompetente und schnelle Versorgung des in Not geratenen Bürgers sichergestellt werden."
Beckstein hat am 23. Januar in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Vorstandes der KVB, Herrn Dr. Axel Munte nochmals dargelegt, weshalb er den Weg der KVB, bayernweit eigene Vermittlungszentralen aufzubauen, für bürgerunfreundlich hält. "Die KVB unterschätzt die Schwierigkeiten für die Bürger, in gesundheitlichen Notsituationen den für sie richtigen Dienst auszuwählen", so Beckstein. Diese schwierige Entscheidung kann ihm der hochqualifizierte Disponent in der Rettungsleitstelle abnehmen.
Auch bei einer engen Kooperation zwischen Call-Center der KVB und Rettungsleitstelle bleibt die Gefahr von Übermittlungsfehlern und von Zeitverlusten durch die Weiterleitung des Anrufs bestehen. Dies spielt vor allem bei den Fällen eine Rolle, bei denen sich der Patient irrtümlich an das Call-Center wendet, obwohl es sich eigentlich um einen Fall für den Notarzt handelt. Denn gerade in lebensbedrohlichen Situationen können Sekunden über Leben oder Tod entscheiden.
Nach Auffassung von Beckstein wird sich eine getrennte Vermittlung auch nicht wesentlich auf die Zahl der Fehlalarmierungen von Notärzten auswirken. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Zahl der Fehleinsätze in Gebieten mit eigenen Zentralen der KVB geringer wäre. Nach Erfahrungen der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte ist der Anteil in Nürnberg, wo es eine eigene KVB-Zentrale gibt, nicht kleiner als im restlichen Bayern. Ursachen dafür sind vielmehr in den unzureichenden Angaben der Anrufer und dem Abfrageverhalten der Disponenten zu suchen. Beckstein: "Das Abfrageverhalten muss deshalb durch die Einführung einer sogenannten strukturierten Notrufabfrage und einem neuen Notarztindikationenkatalog verbessert werden."