Neue Forschungsarbeit zu Beamten des Bayer. Innenministeriums im Dritten Reich. Loyale Gefolgsleute oder kritische Staatsdiener?
Die in der Reihe Forschungen zur Landes- und Regionalgeschichte erschienene Untersuchung von Thomas Forstner "Die Beamten des bayerischen Innenministeriums im Dritten Reich. Loyale Gefolgsleute oder kritische Staatsdiener?" ermöglicht erstmals differenzierte und tiefergehende Einblicke in die Organisation und die Tätigkeitsfelder der bayerischen Innenverwaltung in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Das Bayerische Staatsministerium des Innern stellt hiervon gerne einige Rezensionsexemplare Redaktionen kostenlos zur Verfügung; Interessenten wenden sich bitte an das Pressereferat
(Tel. 089/2192-2108, Fax: 089/2192-12721, E-Mail: presse@stmi.bayern.de). Das Buch ist beim EOS-Verlag, St. Ottilien erschienen 2002 unter dem Titel: Thomas Forstner "Die Beamten des bayerischen Innenministeriums im Dritten Reich : Loyale Gefolgsleute oder kritische Staatsdiener?" (Forschungen zur Landes- und Regionalgeschichte; Bd. 8) ISBN 3-8306-7105-9 . Das Buch kann zum Preis von 25,00 beim EOS-Verlag, D-86911 St. Ottilien, Tel.: (08193) 71261 oder 71439, Telefax (08193) 6844 oder per E-Mail mail@eos-verlag.de, erworben werden.
In einem vom Institut für bayerische Geschichte an der Universität München zur Verfügung gestellten Inhaltsüberblick heißt es zu der Arbeit: "Über die Organisation und die Tätigkeit des bayerischen Staatsministeriums des Innern als zentraler Oberbehörde der inneren Verwaltung ist für die Zeit des Dritten Reichs bislang kaum etwas bekannt. Mit dem vorliegenden Werk wird eine Forschungslücke geschlossen und damit zugleich erstmals eine Untersuchung der höheren Beamtenschaft eines Ministeriums in der NS-Zeit unternommen. Die Arbeit untersucht in einem Wechsel von chronologisch angelegten Überblicken zur Entwicklung von Behördenorganismus und Personalstruktur und systematischen Querschnitten zu Einzelfeldern der Forschung das Wirken der bayerischen Beamten in dieser schwierigen Epoche der Landesgeschichte.
Das Sozialprofil der Beamten und die Entwicklung ihrer Karrieren wird anhand von Analysen der Personalstruktur zu den Stichjahren 1932, 1938 und 1943 in den Blick genommen. Daneben werden einzelne Themenfelder wie Rekrutierung und Beförderung der Beamten, Mitgliedschaft in der NSDAP und ihren Gliederungen sowie Anpassung und Widerstand gesondert betrachtet. Untersucht wird auch das Wirken herausragender Führungsfiguren, wie des Staatssekretärs Max Köglmaier oder der Ministerialdirektoren Christoph Mensens und Walter Schulze.
Die Ressort- und Personalpolitik der nationalsozialistischen Innenminister Adolf Wagner und Paul Giesler wird in diesem Rahmen ebenfalls erstmals näher beleuchtet. Anhand des aggressiven Ausbaus der Geschäftsbereiche des bayerischen Innenministeriums zeigt Forstner, dass von einer Vernachlässigung des Innenministeriums durch Gauleiter und Staatsminister Wagner - eine bislang in der Forschung häufig vertretene These - keine Rede sein kann.
Den Beamten als Verwaltern der Macht kam bei der Herrschaftsausübung der Nationalsozialisten auch in Bayern eine entscheidende Funktion zu. Ihr schwieriges Lavieren zwischen Anpassung an das NS-Herrschaftssystem und standesbewusster Selbstbehauptung wird in dieser Arbeit auf vielfältige und komplexe Weise thematisiert. Forstner zeigt dabei, dass rein formale Kriterien, wie etwa die Zugehörigkeit zur NSDAP, im Hinblick auf das Verwaltungshandeln der Einzelnen und ihre Bereitschaft zu aktiver Obstruktion nur eine untergeordnete Rolle spielten.
Damit sind mit der nun vorliegenden Arbeit erstmals differenzierte und tiefergehende Einblicke in die Organisation und die Tätigkeitsfelder der bayerischen Innenverwaltung in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft möglich. Sie stellt somit eine wichtige Grundlage dar, von der Impulse zur weiteren Auseinandersetzung mit der Geschichte Bayerns in der Zeit des Dritten Reichs ausgehen werden.