Beckstein forciert Kurswechsel beim Flächenverbrauch
"Mit derzeit fast 29 Hektar pro Tag hat der Flächenverbrauch in Bayern einen neuen Spitzenwert erreicht, der aufhorchen lässt. Alle Indikatoren weisen darauf hin, dass mittelfristig der Flächenbedarf auf hohem Niveau bleiben wird", stellte Innenminister Dr. Günther Beckstein anlässlich der Pressekonferenz "Kurswechsel beim Flächenverbrauch" am 24. Mai 2002 in Feucht fest. "Wir müssen daher - über die beispielsweise im Rahmen der Städtebauförderung seit vielen Jahren eingeleiteten Maßnahmen hinaus - alle Anstrengungen bündeln, um einen Kurswechsel im Flächenverbrauch herbeizuführen. Dabei wird es vor allem darum gehen, noch wesentlich stärker als bisher die Potentiale der Innenentwicklung zu mobilisieren und für Neubaugebiete auf der grünen Wiese, die sich auch in Zukunft nicht überall völlig vermeiden lassen, flächenminimierende Konzepte zu entwickeln", so der Innenminister weiter. Als eines von bereits in Bayern realisierten beispielgebenden Projekten nannte Beckstein den vor Ort von der Stadt Nürnberg und den Märkten Feucht und Wendelstein gemeinsam entwickelten Gewerbepark Nürnberg-Feucht auf dem ehemaligen Flugplatzgelände der US-Streitkräfte. "Auf dem rund 85 Hektar großen Gelände haben sich bereits 25 Unternehmen angesiedelt. Die Ansiedlungsstruktur ist geprägt durch einen vielfältigen Branchenmix. Mit etwa 2.300 Arbeitsplätzen hat sich der Gewerbepark Nürnberg-Feucht zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor der Region entwickelt", lobte Beckstein.
Eine wesentliche Ursache für den zunehmenden Flächenverbrauch ist nach den Worten Becksteins ein umfassender Wandel der traditionellen Familien- und Haushaltsstrukturen mit einer sehr starken Zunahme der Einpersonenhaushalte. Beckstein verdeutlichte die Folgen dieser Entwicklung am Beispiel der Stadt Nürnberg. Dort hat seit 1970 die Einwohnerzahl um etwa 16.000 abgenommen, gleichzeitig stieg die Zahl der Wohnungen um etwa 68.000. Lebten 1970 noch durchschnittlich 2,6 Personen in einer Wohnung, so sind es heute nur noch 1,9 Personen je Wohnung. Diese Problematik erfordert Lösungen, die nicht nur die Gemeinden, sondern auch alle am Bau Beteiligten, d. h. alle Verwaltungsebenen, Architekten, Investoren und natürlich die Bauherren einbeziehen.
Für viele, insbesondere für Familien, steht der Wunsch nach einem Eigenheim nach wie vor an erster Stelle. Dieser Wunsch ist für die meisten mit der Vorstellung von einem freistehenden Einfamilienhaus verbunden. "Dabei ist es durchaus möglich, trotz Einsparungen bei Flächen und Herstellungskosten eine gegenüber konventionellen Einfamilienhausgebieten deutlich bessere Nutzbarkeit des Wohnumfeldes zu erzielen. Den Nachweis bringt eine vergleichende Untersuchung von sechs Siedlungsgebieten, die von der Technischen Universität München im Auftrag der Obersten Baubehörde durchgeführt wurde. Diese Studie ist wesentliche Grundlage für die von der Obersten Baubehörde im vergangenen Jahr herausgegebene Broschüre "Kosten- und flächensparende Wohngebiete". Diese zeigt Gemeinden und Planern für alle Planungsebenen zahlreiche Handlungsfelder, Instrumente und Verfahren für den Entwurf und die Umsetzung wirtschaftlicher und flächensparender Siedlungen", so Beckstein.
Daneben hat die Oberste Baubehörde eine Broschüre zu "Gewerbeflächenmanagement in interkommunaler Zusammenarbeit" vorbereitet. Die Broschüre richtet sich in erster Linie an Kommunen in Bayern. Sie enthält Handlungsempfehlungen insbesondere zu den Formen der Zusammenarbeit, zu finanziellen Aspekten und staatlichen Fördermöglichkeiten für interkommunale Gewerbegebiete. Neben einer Minimierung der Flächenversiegelung bie-tet dieses Instrument noch viele weitere Vorteile. Beispielsweise gewinnen Gemeinden an Stärke und Gewicht durch Bündelung von Finanz- und Verwaltungskraft und können ihre regionalen wirtschaftspolitischen Interessen optimal umsetzen. Die beiden im Rahmen der Pressekonferenz vorgestellten Broschüren werden an alle Gemeinden verteilt. Weitere Exemplare der Broschüre "Kosten- und flächensparende Wohngebiete" können beim Vögel Versand (Tel: 09466/94000, Fax: 09466/1276) kostenlos angefordert werden.