Selektives Schulsystem beschädigt Lehrerberuf

Selektives Schulsystem beschädigt Lehrerberuf
Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

(Verbandspresse, 14.03.2005 12:27)

(Berlin) - „Gegen die zielgenaue Aussortierung von Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe I“ wandte sich heute der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger auf dem 45. Amberger Seminar des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), dessen Vizepräsident Eckinger ist. „In Deutschland wird mit öffentlichen Geldern massenhaftes Scheitern finanziert und damit in gewisser Weise auch die Demokratie geschwächt“, unterstrich Eckinger. Er verwies dabei auf etwa eine halbe Million schulmüder Jugendlicher, auf einen ungebrochenen Zuwachs von Kindern und Jugendlichen an Sonderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen und auf die rund zehn Prozent der Schulabgänger ohne jeden Abschluss.
Weiter betonte der VBE-Bundesvorsitzende: „Die Bildung jedes einzelnen muss im Interesse aller liegen. Der grundgesetzliche Auftrag verpflichtet uns, Bedingungen zu schaffen, die jedem Bürger gleiche Aufstiegschancen ermöglichen – unabhängig von sozialen und familialen Hintergründen. Der selektive Ansatz unseres Bildungssystems steht in krassem Widerspruch dazu.“ Die sozial unterschiedlichen Ausgangslagen würden verfestigt und damit der Auftrag zu Bildungsgerechtigkeit untergraben. Verheerend seien auch die Auswirkungen auf das Ansehen der Lehrerprofession, sagte Eckinger. „Die selektive Grundidee unseres Bildungssystems legitimiert die Aufteilung unserer Profession in ‚niedere’ und ‚höhere’ Lehrer an ‚niederen’ und ‚höheren’ Lehranstalten.“ Tendenziell würden Lehrerinnen und Lehrer zu Zielscheiben angesichts gescheiterter Lebensentwürfe ihrer Schülerinnen und Schüler.

„Um das gesellschaftlich hochexplosive Problem in den Griff zu bekommen“, betonte Ludwig Eckinger, „muss die Bildungspolitik sich darauf konzentrieren, eine Kultur der positiven Leistungsmotivation im deutschen Schulsystem zu etablieren. Die weiterführenden Schulen dürfen nicht nur so heißen, sie müssen es tatsächlich sein.“ Die Entwicklung in Bayern bezeichnete Eckinger als „gefährlich“. „In Bayern läuft alles darauf hinaus, nach Klasse 4 lupenreine Aufteilungen der Schülerinnen und Schüler auf Hauptschule, R 6 und G 8 hinzubekommen und ‚Schlupflöcher nach oben’ zu stopfen. Denn systematisch werden curriculare Überschneidungen der Schulen in der Sekundarstufe I abgebaut.“ ­

Quelle/Kontaktadresse:
Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
Behrenstr. 23-24, 10117 Berlin
Telefon: 030/7261966-0, Telefax: 030/7261966-19

eMail: Bundesverband@vbe.de
Internet: http://www.vbe.de


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