Kostensteigerungen bei Pinakothek der Moderne

Kostensteigerungen bei Pinakothek der Moderne
Beckstein zieht Konsequenzen für künftige Baumaßnahmen
"Die Bauverwaltung hat die Probleme bei der Planung und Bauabwicklung für den Neubau der Pinakothek der Moderne gründlich analysiert. Sie erarbeitet derzeit auf dieser Grundlage Vorgaben für ein verbessertes Projektmanagement bei künftigen Baumaßnahmen. Darüber hinaus greifen wir die Anregungen des Obersten Rechnungshofes (ORH) auf. So wird die Bauverwaltung künftig neben der Projektleitung, die nur von den Bauämtern in Vertretung des Bauherrn wahrgenommen werden kann, soweit möglich auch bei bedeutenden Baumaßnahmen die Projektsteuerung, d. h. die Qualitäts-, Kosten- und Terminkontrolle selbst übernehmen. Sollte es in Einzelfällen notwendig sein, die Projektsteuerung an Private zu vergeben, wird die Bauverwaltung prüfen, wie ein lückenloses Controlling sichergestellt werden kann. Für Baumaßnahmen mit besonderen Anforderungen werden künftig Projektkommissionen eingerichtet, sobald der Planungsauftrag erteilt ist. Die Projektkommissionen sollen eine optimale Information und Kooperation aller Beteiligten gewährleisten. Für schwierige Baumaßnahmen will die Bauverwaltung an den jeweiligen Bauämtern Projektteams einsetzen, deren Mitglieder soweit möglich von sonstigen Aufgaben freigestellt sind. Daneben werden alle an einem Projekt Beteiligten zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt verpflichtet, den dafür vorgegebenen Kostenrahmen einzuhalten", kündigte Innenminister Dr. Günther Beckstein am 2. Juli 2002 im Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags an.
Die wesentliche Ursache für die Kostensteigerung beim Neubau der Pinakothek der Moderne sieht Beckstein in der mangelhaften Kostenkontrolle. "Vor Baubeginn wurden etwa 60 Prozent aller zu vergebenden Bauleistungen ausgeschrieben. Das Ausschreibungsergebnis ließ einen günstigen Kostenverlauf erwarten und zeigte eine 8prozentige Reserve auf, die normalerweise bei einem Neubau ausreichend sein muss. Das mit der Kostensteuerung beauftragte Ingenieurbüro hat während des Baus vierteljährlich Kostenberichte vorgelegt. Diese enthielten vom Baubeginn im September 1996 bis 1999 trotz zahlreicher sehr kostenträchtiger Änderungen während dieser Bauzeit keine Hinweise, dass die vom Landtag ursprünglich genehmigten Kosten nicht eingehalten werden können. Erst in seinem Kostenbericht vom März 2000 hat das Ingenieurbüro dann erstmals Mehrkosten in Höhe von 16 Millionen Mark prognostiziert, worauf das zuständige Hochbauamt umgehend einen Nachtrag erstellte. Dieser wurde am 11. Juli 2000 vom Bayerischen Landtag genehmigt und führte zu Gesamtkosten von 237,5 Millionen Mark. Wären die Hinweise auf Kostensteigerungen früher vorgelegen, hätte die Bauverwaltung selbstverständlich entsprechend reagiert. Einfachere Standards und Konstruktionen wären möglich gewesen. Auch hätten frühzeitig, d. h. vor Beginn der jeweiligen Bauarbeiten weitere Mittel beim Landtag beantragt werden können", sagte Beckstein.

Zu den vom ORH kritisierten Ausführungsmängeln stellte Beckstein fest, dass diese bis zur Eröffnung im September 2002 behoben werden. So musste beispielsweise die Stahlkonstruktion der Glaskuppel über der Rotunde überarbeitet und die Verglasung erneuert werden. Zurzeit werden die Flachdächer über dem Nord- und Südeingang erneuert. Nach Auffassung Becksteins haben die Kosten der Mängelbeseitigung die Verursacher zu tragen. "Dazu sind selbständige Beweissicherungsverfahren eingeleitet. Die notwendigen Regressverfahren werden sich sicher nicht alle außergerichtlich beilegen lassen", so Beckstein. Zu der vom ORH kritisierten engen Terminplanung sagte Beckstein, dass diese zwar knapp, aber machbar gewesen wäre. Dies zeige auch der Bau des neuen Nürnberger Museums, welches in gut drei Jahren errichtet wurde. Zurzeit werde geprüft, ob und gegebenenfalls wer die Verantwortung für kostensteigernde Verzögerungen zu tragen hat.


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