Rio-Nachfolgekonferenz in Johannesburg

Rio-Nachfolgekonferenz in Johannesburg
Drei Projekte zeigen Vorreiterrolle Bayerns bei der ökologischen Siedlungsentwicklung
Die UN-Konferenz von Rio 1992 war Initialzündung für das Projektleitbild "Nachhaltige Entwicklung". Sie setzte sich den schonenden Umgang mit allen zur Verfügung stehenden Ressourcen der Natur und die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung im Einklang mit Natur und Umwelt zum Ziel. Vom 26. August bis 4. September 2002 findet in Johannesburg die Rio-Nachfolgekonferenz statt. Dabei werden laut Innenminister Dr. Günther Beckstein auch beispielgebende ökologische Siedlungsentwicklungsprojekte in Bayern zum Thema Brachflächenrecycling, nachhaltige Energienutzung bei staatlichen Hochbaumaßnahmen und ökologische Modernisierung präsentiert. Umweltminister Dr. Werner Schnappauf wird diese Projekte neben neun weiteren erfolgreichen bayerischen Vorhaben aus dem Bereich des Umweltschutzes im Rahmen der Nachfolgekonferenz vorstellen und damit die Vorreiterrolle Bayerns bei Umwelt und Entwicklung deutlich machen.

Im einzelnen handelt es sich um folgende bayerische Modellprojekte:

Brachflächenrecycling

* Innenstadt-Süd der Stadt Marktredwitz: Auf einem ehemaligen industriellen Altlastenstandort entstanden ein Handels- und Dienstleistungszentrum mit Parkdeck sowie ein Kino

* Ritter-von-Möhl-Kaserne in Amberg: Das innerstädtische Kasernengelände wurde zu einem attraktiven Wohngebiet entwickelt.

* Holzwerke in Hauzenberg: Ein ehemaliges Industrieareal dient heute als Freizeitgelände der Naherholung und dem sanften Tourismus.

Die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und die Eindämmung des Landschaftsverbrauchs sind wesentliche Zielsetzungen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Der Freistaat unterstützt mit der Städtebauförderung im Rahmen des Förderschwerpunktes "Brachflächenkonversion und Flächenrecycling" die Kommunen bei der Neuordnung und Wiedernutzung brachgefallener Gewerbe-, Militär- und Bahnflächen. Kernpunkte dabei sind die Förderung von Entwicklungskonzepten zur Neuorientierung von Konversionsstandorten, die planerische und rechtliche Vorbereitung in kommunaler Verantwortung, die Qualitätssicherung im Planungsprozess unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte (wie Entsiegelung, Baustoffrecycling, Grünflächen, Modernisierung erhaltenswerter Gebäude) und die öffentlich-private Partnerschaft und Bürgerbeteiligung. Diese Zielsetzungen wurden an den drei genannten Projekten erfolgreich umgesetzt.

Neubau der Außenstelle Schweinfurt des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung

Auf einem ehemals industriell genutzten Gelände in Schweinfurt wurde nach Beseitigung von Altlasten das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung neu gebaut; dieses wurde im Frühjahr 1998 bezogen. Die Gesamtkosten betrugen rund 17 Millionen Euro. Vom Beginn an lag der Planung ein Niedrigenergiekonzept zugrunde, das sich nun in der Praxis bewährt hat. Ziel war es, mit natürlichen Energieressourcen eine natürliche Klimatisierung der Räume zu erreichen. Erstmals nutzte damit ein staatliches Gebäude sowohl Erdwärme und -kühle, die Speichermasse der tragenden Betonkonstruktion und interne Wärmelasten, sowie die Nachtkühlung für ein integriertes Konzept der natürlichen Lüftung und Wärmerückgewinnung. Der spezifische Heizwärmebedarf liegt ein Drittel unter dem üblichen durchschnittlichen Verbrauch bei Verwaltungsbauten.

Modellprojekt ökologische Modernisierung in Ochsenfurt

In der sogenannten Bärentalsiedlung der unterfränkischen Stadt Ochsenfurt sollen insgesamt 120 Sozialwohnungen aus den 50er und 60er-Jahren kostengünstig und vorbildlich ökologisch modernisiert werden. Derzeit werden die Wohnungen mit Einzelöfen beheizt. Die Warmwasserbereitung erfolgt individuell elektrisch, mit Öl oder Kohle. Die Wohnungen werden künftig mit einer Solarheizung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung ausgestattet, die für Spitzenlasten und als Grundlast für die Warmwasserbereitung durch herkömmliche Technik mit hohem regenerativen Anteil ergänzt wird. Dadurch wird der übliche fossile Brennstoff in Zukunft überflüssig. Zudem sollen die CO2-Emissionen um mehr als 90% gegenüber dem Bestand reduziert werden. Gleichzeitig soll der Wohnwert, die Akzeptanz durch die Mieter und die Bestandsqualität enorm gesteigert und für lange Zeit zukunftsfähig ertüchtigt werden.


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