Regensburger stellt Statistisches Jahrbuch für Bayern 2002 vor:
"Statistik bleibt Voraussetzung für rationale Planung in der Politik"
"Von den öffentlichen Finanzen über die Bevölkerungsentwicklung bis zu den Zahlen für einzelne Wirtschaftszweige ist und bleibt die Statistik die Voraussetzung für eine rationale Planung in der Politik", betonte Innenstaatssekretär Hermann Regensburger anlässlich der Präsentation des Statistischen Jahrbuches für Bayern 2002, das er heute in München zusammen mit dem Präsidenten des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung, Dr. Peter Bauer vorstellte. Um mögliche weitere Rationalisierungsmöglichkeiten auszuschöpfen, kündigte Regensburger die Einrichtung einer Organisationsstelle beim Landesamt an. Diese soll Organisation und interne Abläufe bei der Erhebung und Erstellung von Statistiken prüfen und die Optimierung der Prozesse, die Kosten- und Leistungsrechnung und daran anknüpfend Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Controlling bündeln. Die Organisationsstelle wird der neuen Vizepräsidentin des Landesamts Brigitta Brunner unmittelbar zuarbeiten.
Als besondere Erkenntnisse und Trends im neuen Statistischen Jahrbuch, das auch unter der Internetadresse http://www.statistik.bayern.de auszugsweise genutzt werden kann, hob Regensburger die folgenden hervor:
Die sogenannte fundierte Verschuldung des Freistaats, d. h. die Schulden am Kreditmarkt und bei öffentlichen Haushalten belief sich zum 31.12.2001 auf 1.664 Euro je Einwohner Bayerns. Regensburger: "Der Freistaat konnte damit seine Spitzenposition als das Land mit der geringsten Pro-Kopf-Verschuldung unter den Bundesländern weiter festigen." Die durchschnittliche Verschuldung der Länder der Bundesrepublik lag Ende 2001 bei 4.501 Euro je Einwohner. Nachdem der Freistaat in den Jahren 1999 und 2000 Schulden abbauen konnte, hat sich im Berichtsjahr 2001 sein Schuldenstand wieder leicht erhöht. "Ursache hierfür ist unter anderem die wachstumsfeindliche Wirtschafts-, Steuer- und Finanzpolitik der rot-grünen Bundesregierung", so der Staatssekretär. Die Schulden des Freistaats am Kreditmarkt und bei öffentlichen Haushalten stiegen bis Ende Dezember 2001 um 126,5 Millionen Euro auf 20,4 Milliarden Euro. Sie liegen damit wieder über dem Stand von 1997 (20,3 Milliarden Euro), aber unter dem Schuldenstand von 1998 (21,1 Milliarden Euro) und 1999 (20,7 Milliarden Euro). In diesem Zusammenhang erinnerte Regensburger daran, dass Bayern trotzdem an einem Haushalt ohne Neuverschuldung ab 2006 festhält. Erst vor wenigen Tagen hat sich Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber erneut deutlich gegen eine Neuverschuldung ausgesprochen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Staatsregierung in dieser Woche drastische Einsparungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro beschlossen", so der Staatssekretär.
Auch die Verschuldung der Gemeinden bzw. Gemeindeverbände am Kreditmarkt und bei öffentlichen Haushalten ist im Berichtsjahr 2001 gestiegen. Ohne ihre Sondervermögen (Eigenbetriebe und Krankenhäuser) wiesen sie Schulden in Höhe von 13,2 Milliarden Euro aus. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Verschuldung um knapp 1% zugenommen. "Die Schulden je Einwohner liegen bei 1.075 Euro. Die Ursachen für die auf der ungünstigen Steuerentwicklung resultierenden Finanzmisere der Kommunen sind sowohl konjunktureller als auch struktureller Natur. Eines steht jedoch fest: Sie sind von der Bundespolitik zu verantworten", so Regensburger. Zusammengenommen beliefen sich die Schulden der Haushalte des Freistaats und der bayerischen Gemeinden und Gemeindeverbände Ende 2001 auf 2.739 Euro je Einwohner. Im bundesweiten Vergleich steht Bayern damit noch immer am besten da.
Die Bevölkerungszahl Bayerns ist 2001 kräftig angestiegen. Der Freistaat zählte Ende letzten Jahres rund 12.330.000 Einwohner. Damit erhöhte sich die Einwohnerzahl im Jahr 2001 um knapp 100.000 Personen, eine Zunahme in der Größenordnung einer Großstadt wie z.B. Erlangen. Aber: Dieser Anstieg ist laut Regensburger ausschließlich auf die Wanderungsbilanz des Freistaats zurückzuführen. Zu den erheblich angestiegenen Zuwanderungen von Deutschen aus den anderen Bundesländern kam 2001 ein deutliches Wanderungsplus bei den Ausländern. In den Jahren 1997 und 1998 war hauptsächlich bedingt durch die Rückführung von Bürgerkriegsflüchtlingen erstmals seit Beginn der 80er Jahre die Zahl der Ausländer in Bayern zurückgegangen: Sie verringerte sich in den beiden Jahren um fast 43.000. Dagegen ist in den Folgejahren die ausländische Bevölkerung in Bayern wieder angestiegen, und zwar im Jahr 2000 um rund 9.000 Personen und im Jahr 2001 sogar um über 30.000. Von der Gesamteinwohnerzahl am 31. Dezember 2001 waren rund 11.167.000 Deutsche und 1.163.000 Ausländer. Damit lag der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung zum Jahresende 2001 bei etwa 9,4%, also um 0,2% höher als im Jahr davor.
Zu einer zahlenmäßig immer bedeutsameren Komponente für die Entwicklung der deutschen Bevölkerung in Bayern werden die Einbürgerungen von Ausländern. Während im Jahr 1991 rund 3.200 Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit erhielten, waren es 1999 bereits 15.200. Im Jahr 2000 stieg die Zahl der Einbürgerungen vor allem als Folge des neuen Staatsangehörigkeitsrechts auf 20.622. Im vergangenen Jahr war ein geringfügiger Rückgang auf 19.921 Ausländereinbürgerungen zu verzeichnen. "Dabei betrachten wir mit Sorge die zunehmenden Fälle der Mehrstaatigkeit", so Regensburger. Die größte Gruppe der eingebürgerten Ausländer waren wie schon in den letzten Jahren die Türken: Ihre Zahl ist von rund 5.800 im Jahr 1998 auf fast 9.600 im Jahr 2001 angestiegen.
Zur Altersstruktur teilte Regensburger mit, dass in Bayern heute fast 2,9 Millionen 60jährige und ältere Menschen leben. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt mit 23,2% geringfügig höher als der Anteil der unter 21jährigen (22,7%). Während die Bevölkerung seit 1950 um rund 34% wuchs, hat sich die Zahl der Seniorinnen und Senioren seit 1950 um 131% erhöht. Die ältere Bevölkerung hat im Durchschnitt pro Jahr um die Größe einer Stadt mit 32.000 Einwohnern zugenommen. Zum Jahresende 2001 waren die Bayern im Durchschnitt 40,7 Jahre alt. Das Durchschnittsalter erhöhte sich damit seit 1950 um über 6 Jahre (1950: 34,6 Jahre). Aufgrund der höheren Lebenserwartung der Frauen lag deren Durchschnittsalter 2001 mit 42,3 Jahren um 3,2 Jahre höher als das der Männer (39,1 Jahre).
Ein wichtiges Datum für die Landesplanung ist laut Regensburger die Mobilität der Bevölkerung innerhalb Bayerns. Rund 478.000 Bürger verlegten im Berichtsjahr 2001 innerhalb des Freistaats ihren Wohnsitz über Gemeindegrenzen (2000: 489.000). Wanderungsgewinne aus Umzügen innerhalb Bayerns erzielten im Jahr 2001 die Regierungsbezirke Schwaben (+3.240 Personen), Niederbayern (+1.373 Personen) und die Oberpfalz (+758 Personen). Wanderungsverluste hatten im vergangenen Jahr dagegen die Regierungsbezirke Mittelfranken (-171 Personen), Oberbayern (-1.073 Personen), Unterfranken (-1.839 Personen) und Oberfranken (-2.288 Personen) zu verzeichnen.
Im Baugewerbe schlägt die schlechte konjunkturelle Lage voll durch. Bei meldepflichtigen Betrieben im Hoch- und Tiefbau (d.h. bei Unternehmen mit 20 oder mehr Beschäftigten, deren Schwerpunkt in der Vorbereitung und Durchführung von Hoch- und Tiefbauarbeiten liegt), sind die baugewerblichen Umsätze im vergangenen Jahr um 3,3% zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2002 hat sich die Talfahrt noch weiter beschleunigt. Die Umsätze gingen gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um nominal 4,8% zurück. Schwachpunkt ist wie im Vorjahr der Wohnungsbau, dessen Umsätze nominal um 9,7% gefallen sind. Der Rückgang im Wohnungsbau wird auch weiter anhalten, wie sich aus der Zahl der Baugenehmigungen ergibt. Bereits im Berichtsjahr 2001 waren Rückgänge um 11,5% bei den Ein- und Zweifamilienhäusern und um 8,7% bei den Mehrfamiliengebäuden zu verzeichnen. Dieser negative Trend hat sich im ersten Halbjahr 2002 noch verstärkt: insgesamt sind in Bayern 26.643 Wohnungen zum Bau freigegeben worden, das sind 12,1% weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Regensburger: "Die traurige Konsequenz dieser Entwicklung ist, dass die Zahl der Beschäftigten im ersten Halbjahr 2002 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10%, die Zahl der Betriebe um 9,3% gesunken ist. Die statistischen Zahlen machen klar, dass die aktuellen Pläne der Bundesregierung wie Kürzung der Eigenheimzulage und Beschränkung der degressiven Abschreibung Gift für die Branche sind".