Festakt "Mehr als Toleranz - 200 Jahre evangelisch in Würzburg"

Festakt "Mehr als Toleranz - 200 Jahre evangelisch in Würzburg"
Beckstein: "Kirchen sichern auch heute Fundament unserer Werteordnung"
Das vor 200 Jahren verkündete bayerische Religionsedikt vom 15. Januar 1803 bedeutete mehr als die gegenseitige Toleranz der drei christlichen Konfessionen. Katholiken, Lutheraner und Reformierte sind seither als Staatsbürger gleichberechtigt. "Bayern übernahm in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle in Deutschland. Zudem war das Edikt eine wichtige Grundlage des modernen bayerischen Staatswesens. Es sah nämlich neben der Duldung für andere Bekenntnisse auch die bürgerliche Gleichstellung vor, gab also zum Beispiel Niederlassungsfreiheit. Außerdem hatte es die Konfessionsneutralität des Staates zum Inhalt ", betonte Innenminister Dr. Günther Beckstein anlässlich des Festaktes "Mehr als Toleranz - 200 Jahre evangelisch in Würzburg" am 17. Januar 2003 in Würzburg.
Beckstein stellte fest, dass die klare Trennung von Kirche und Staat heute unbestritten ist. "Die Kirchen sind aber weiter Fundament unserer Werteordnung und vermitteln die ethischen Grundlagen. Sie erbringen insofern unverzichtbare Leistungen für unseren Staat. Dieses übergreifende Band wird nicht zuletzt in den Präambeln von Grundgesetz und Bayerischer Verfassung sichtbar", so Beckstein. Der Minister erinnerte auch an die guten Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Bayern, wie sie etwa im Religionsunterricht an den Schulen, bei den kirchlichen Hochschulen, in der Zusammenarbeit im sozialen und karitativen Bereich oder in der baulichen Unterhaltung von rund 1.350 Kirchen, Pfarrhöfen und Klöstern durch den Staat zum Ausdruck kommt.
Das Religionsedikt von 1803 war auch Grundlage für das Entstehen der evangelischen Gemeinde in Würzburg und für den Aufbau der Bayerischen Landeskirche, der in Würzburg seinen Ausgangspunkt hatte. Pfarrer der ersten evangelischen Gemeinde in Würzburg wurde der vormalige Feldprediger Fuchs, der am 31. Oktober 1802 vor den Türen Würzburgs den ersten evangelischen Gottesdienst seit 168 Jahren gehalten hatte. Im Dezember 1803 ging die Kirche St. Stephan des säkularisierten ehemaligen Benediktinerklosters in Würzburg an die evangelische Kirche über. Die konfessionelle Gleichberechtigung in Bayern wurde durch die Konstitution von 1808 und ein weiteres Religionsedikt von 1809 abgeschlossen. Der Beginn der religiösen und staatsbürgerlichen Gleichstellung der Juden folgte dann 1813.


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