Aktuelles zum Thema: Schornsteinsanierung

Aktuelles zum Thema: Schornsteinsanierung
01.04.2003

Mit Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung (EnEV) am 1. Februar 2002 wurde die bisherige Wärmeschutzverordnung sowie die Heizungsanlagenverordnung aufgehoben. Die Aufrechterhaltung der energetischen Qualitäten soll u.a. durch entsprechende Maßnahmen zur Wärmedämmung und den Einsatz energieeinsparender Wärmeerzeuger erreicht werden. So wird in § 9 der Verordnung bei Anlagen und Gebäuden verlangt, dass Heizkessel, die vor dem 1.10.1978 installiert wurden, bis zum 31.12.2006 außer Betrieb sein müssen. Eine durchaus sinnvolle Regelung, die in Deutschland außerdem durch die Bundes-Immissionsschutzverordnung (1. BImSchV trat am 1. Oktober 1974 in Kraft) praktisch vollzogen wird. Sie hat die Umsetzung verschiedener Vorgaben der Europäischen Union zum Ziel. Dazu gehört auch die EU-Richtlinie über die Wirkungsgrade von sogenannten Wasserheizkesseln, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden.Demnach läuft am 31. Oktober 2004 für rund 800.000 veraltete Heizkessel die Frist ab. Der Gesetzgeber wird den Betrieb endgültig verbieten, wenn die vorgeschriebenen Grenzwerte der Abgasmessung überschritten werden. Untermauert wird diese Notwendigkeit durch die Statistik des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV). Demnach sind in Deutschland etwa 1,2 Millionen Ölheizungen und ungefähr 615.000 Gasfeuerungsanlagen über 22 Jahre alt.

Neben der aktuellen Energiepreissituation sollten ökonomische und ökologische Aspekte dazu beitragen, die notwendigen Heizungsmodernisierungen umgehend in Angriff zu nehmen. Hausbesitzer und Investoren mindern dadurch die Gefahr von Lieferengpässen und Wartezeiten bei den ausführenden Handwerksbetrieben. Moderne Niedertemperatur- und Brennwertgeräte können meistens problemlos an die vorhandenen Rohrleitungen angeschlossen werden, so dass der Austausch - auch an kühlen Tagen - kein Risiko mehr darstellt. Notwendige Querschnittsanpassungen des bestehenden Schornsteins lassen sich in der Regel schon im Vorfeld durchführen.

Folgen für den Schornstein

Die Abgastemperaturen sowie der Abgasmassenstrom moderner Wärmeerzeuger liegen weit unter den Werten älterer Feuerstätten. Außerdem weisen sie einen wesentlich höheren CO²-Gehalt auf. Die noch verbleibenden Abgase gelangen demzufolge in einen jetzt viel zu groß dimensionierten Schornstein, erreichen nur eine geringe Strömungsgeschwindigkeit und kühlen entsprechend schnell aus.

Ein weiterer Einflussfaktor ist der höhere Wasserdampfgehalt der Rauchgase, wenn es zu einem Wechsel des Brennstoffs kommt. Bei der Verwendung von Erdgas muss beispielsweise mit rund 14 % Wasserdampf gerechnet werden. (Heizöl EL ca. 7%) Besonders in den Kaltbereichen, also im Dachboden oder über der Dachfläche, wird die sogenannte Taupunkttemperatur der Abgase deutlich unterschritten. Es kommt zu Feuchtigkeitsausfall (Kondensation). Wasser und aggressive Abgasrückstände schlagen sich an den Schornsteinwangen nieder und bewirken früher oder später eine Durchfeuchtung der Konstruktion. Fachleute sprechen auch von einer Versottung. Die geänderte Heiztechnik fordert heute moderne Schornsteine, sogenannte Abgasleitungen, die es so im alten Gebäudebestand nicht gibt.

Entwicklung zur modernen Abgasstrecke

Abgasführungen werden heute aus Aluminium, Edelstahl, Keramik, und Kunststoff angeboten. Darüber hinaus wird bei gasförmigen Brennstoffen verstärkt die Möglichkeit genutzt, mit Luft-Abgas-Systemen die Verbrennungsluft von der Mündung aus über Dach direkt zum Heizgerät zu führen. Eine besonders betriebssichere Variante, die mit der Einführung der EnEV weitere Marktanteile gewinnen dürfte.

Baurechtlich änderten sich mit der Muster-Feuerungsverordnung (MFeuVO) von 1995 nahezu alle Begriffsbestimmungen rund um den Schornstein. Das Wort Abgasanlagen wurde zum Überbegriff.

Abgasanlagen von öl - und gasbetriebenen Feuerstätten werden generell als Abgasleitungen bezeichnet, egal ob sie im Über- oder Unterdruck arbeiten. Bei Wärmeerzeugern, die mit festen Brennstoffen betrieben werden spricht man weiterhin von einem Schornstein, wobei eine Feuerbeständigkeit der Außenschale von 90 Minuten gegeben sein muss.

Im Zuge der weitreichenden Harmonisierungsbestrebungen bei den europäischen Normen und Richtlinien wurde mit der TRGI 1986/1996 eine Reihe von Veränderungen im Bereich der Aufstellung und Zulassung von Gasfeuerstätten einschließlich der Abgasführung ermöglicht. Gerätegebundene Abgasleitungen - die i.d.R. im Überdruck betrieben werden – lassen sich seitdem gemäß der europäischen Gasgeräterichtlinie zusammen mit dem Wärmeerzeuger prüfen und systemzertifizieren. Sie tragen dann das CE-Zeichen. Abgasleitungen und Schornsteinsysteme die frei im Markt zu beziehen sind unterliegen hingegen der Bauteilregelliste A und müssen somit eine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik DIBt vorweisen. Der Vorteil dieser Systeme liegt in der freien Verwendung an allen Feuerstätten; ein Aspekt der beim späteren Austausch des Gerätes (z.B. im Schadensfall) oder einem Brennstoffwechsel häufig zum Tragen kommt.

Die Abgassysteme zur Querschnittsverminderung oder Sanierung von bestehenden Hausschornsteinen haben mit der kondensierenden Betriebsweise der heute eingesetzten Heizungsanlagen keine Probleme. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer feuchte-unempfindlichen Betriebsweise.

Bei Abgastemperaturen von etwa 40°C und darunter kommt es im Falle einer Unterschreitung der Taupunkttemperatur zur beabsichtigten Bildung von Kondensat in der Abgasstrecke. Diese Feuchtigkeit sammelt sich an der Schornsteinsohle und wird über einen Siphon, eine Neutralisationseinrichtung oder direkt über den Wärmerzeuger abgeführt. Das Merkblatt des Abwassertechnischen Verbandes, St. Augustin, M 251 regelt das Einleiten von Kondensaten aus öl- und gasbetriebenen Feuerungsanlagen in das öffentliche Abwassernetz.

Die (neue) innere Rohrsäule aus Metall, Keramik, oder Kunststoff hat somit die Aufgabe, den vorhandenen Schacht aus mineralischen Baustoffen vor den sauren und aggressiven Bestandteilen der Abgase zu schützen und eine Durchfeuchtung bzw. Versottung zu verhindern.

Bausubstanz muss stimmen

Voraussetzung für eine Anpassung des Schornstein-Querschnitts an die erforderlichen Gegebenheiten ist die Stand- und Brandsicherheit des vorhandenen Schachtes. Vor Allem der Schornsteinkopf ist vor Durchführung der Maßnahme zu überprüfen. Lose Abdeckungen oder Mauersteine sind abzutragen und ggf. zu ersetzten. Gute Ergebnisse lassen sich auch durch den Einsatz von Schornstein-Kopfverkleidungen im Baukastensystem erzielen. Der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister beurteilt beispielsweise den Zustand des vorhandenen Schornsteins mit der nötigen Sachkompetenz. Schon aus diesem Grunde ist es ratsam, ihn vor Beginn der Sanierungsarbeiten zu informieren.

Die Materialwahl:

Edelstahl

Mit dem höchsten Marktanteil in der Sanierung von Hausschornsteinen ist rostfreier Edelstahl sicherlich das Material, bei dem Verarbeiter und Hersteller die Vorzüge und Grenzen der Einsatzfähigkeit am Besten beurteilen können. Die verwendeten Metalle der Werkstoff-Nr. 1.4571 oder 1.4404 sind mit Molybdän und Titan stabilisiert und somit gegen die aggressiven Bestandteile im Abgas und Kondensat beständig. Edelstahlrohre qualitätsbewusster Hersteller wie beispielsweise der Joseph Raab GmbH & Cie. KG aus Neuwied werden WIG- oder lasergeschweißt mit einer äußerst hohen Fertigungspräzision hergestellt. Die Rohrelemente haben Wandstärken von 0,5 – 2,0 mm und gewährleisten eine problemlose Montage an der Baustelle.

Einwandiges Sanierungssystem aus Edelstahl.

Ovale Rohrsäulen werden ebenso eingesetzt wie flexible Systeme. Diese Einsatzrohre werden z.T. doppellagig gefertigt, wodurch sich ein besonders geringer Strömungswiderstand ergibt. Mit Hilfe einer speziellen Falz- und Fügetechnik wird außerdem eine außerordentlich sichere und dennoch flexible Rohrführung in schräggeführten (gezogenen) Schornsteinen ermöglicht. Hochwertige Edelstähle finden seit über 25 Jahren in der Abgastechnik Verwendung. Der Vorteil des Materials liegt in der hohen Korrosionsbeständigkeit, und der damit verbundenen Langlebigkeit sowie dem geringen Gewicht. Darüber hinaus kann Edelstahl mit handelsüblichen Werkzeugen an der Baustelle bearbeitet

(z.B. geschnitten oder verformt) werden. Eine Eignung besteht - je nach verwandter Werkstoffgüte - für alle zugelassenen Brennstoffe und Feuerstätten.

Flexible Einsatzrohre eignen sich besonders zur Querschnittsverminderung in schräggeführten (verzogenen) Schächten

Keramik

Die heute eingesetzten Systeme aus Keramik haben mit den bekannten Schamotte-Ton-Rohren der vergangenen Jahre kaum noch etwas gemeinsam. Bedingt durch neuartige Herstellungsverfahren werden die Keramikrohre (wie z.B. Osmotec) mit Hilfe der Hochdrucktechnologie kaltisostatisch gepresst. Das Ergebnis sind dünnwandige Hightech-Produkte mit Wanddicken von ca. 8 mm und einer konstanten Dichte in allen Rohrabschnitten. Die neue Systemgenerationen ist dadurch leichter, sicherer und wesentlich maßgenauer als die früher üblichen Schamotterohre. Sie sind sogar resistent gegen aggressive Bestandteile, die in schadstoffbelasteten Rauchgasen und Kondensaten auftreten können. Die Einsatzfähigkeit derartig hochwertiger Keramiksysteme ist deshalb selbst in gewerblichen Anwendungsbereichen gegeben.

Auch diese Produkte sind durch das DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik, Berlin) zugelassen, und werden von der zuständigen Materialprüfanstalt regelmäßig güteüberwacht. Außerdem beeindruckt der keramische Werkstoff durch eine hohe Temperaturwechselbeständigkeit und seine enorme mechanische Belastbarkeit. Er gilt als außerordentlich langlebig und kann universell für alle zugelassenen Brennstoffarten und Feuerstätten eingesetzt werden.

Leicht, dünnwandig, maßgenau und äußerst wiederstandsfähig: Hochwertige Keramiksysteme (rechts) haben mit den alten Schamotte-Tonrohren kaum noch etwas gemeinsam.

Kunststoff

Neben dem Werkstoff PVDF (Polyvinylidenfluorid) stehen Kunststoffsysteme aus Polypropylen (PP) zur Verfügung. Sie zeichnen sich durch ihr geringes Gewicht und die daraus resultierende einfache Handhabung aus. Das System PolyTwin überzeugt in diesem Zusammenhang durch seine universellen Einsatzmöglichkeiten. Es kann in starrer sowie flexibler Ausführung, aber auch als einwandiges und doppelwandiges Luft-Abgas-System an alle gängigen Brennwertgeräte angeschlossen werden. Alle abgasführenden Bauteile werden aus hochwertigem Polypropylen hergestellt, so dass sich in Kombination mit den elastomeren Lippendichtungen eine dauerhaft druckdichte Abgasstrecke ergibt.

Die Montage der einzelnen Rohrkomponenten erfolgt mittels einfacher Steckmuffenverbindungen. Alle PP-Rohre zur Abgas- und Verbrennungsluftführung lassen sich problemlos mit einem Rohrschneider oder einer Säge kürzen und können so an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. PolyTwin ist für den Betrieb an gas- und ölbefeuerten Wärmeerzeugern zugelassen, sofern die Abgastemperaturen 120 °C nicht übersteigen. Die Begrenzung der Abgastemperatur wird entweder in dem angeschlossenen Wärmeerzeuger, oder über einen externen Sicherheits-Temperaturbegrenzer (STBG) vorgenommen.

Abgasleitung aus Polypropylen: Für den Betrieb an gas- und ölbefeuerten Wärmeerzeugern zugelassen, sofern sie Abgastemperaturen von 120°C nicht übersteigen.

Aluminium

Abgasleitungen aus diesem Material werden fast immer gemeinsam mit einem Gasgerät geprüft und systemzertifiziert. Sie sind dann nur in Verbindung mit diesen Wärmeerzeugern zugelassen und müssen im Fall eines Gerätetausches ebenfalls ausgewechselt werden. Eine Eignung für feste oder flüssige Brennstoffe besteht i.d.R. nicht. Außerdem sollten die Dichtungen nicht direkt dem Kondensatwasserstrom ausgesetzt sein, so dass bei der Montage ein entsprechendes Gefälle in waagerechten Bereichen der Abgasstrecke zu berücksichtigen ist.

Schallabsorber von Kutzner + Weber können Systemtrennung eingesetzt werden.

Vorbereitung zur Querschnittsanpassung

Ein großer Teil aller Maßnahmen zur Sanierung von Hausschornsteinen besteht in der Verminderung des vorhandenen Querschnitts. Zur richtigen Dimensionierung der neuen Abgasleitung wird zu diesem Zweck eine Berechnung gemäß DIN EN 13 384 Teil 1 oder, bei Mehrfachbelegung, Teil 2 durchgeführt. Nach Auswertung des Ergebnisses ist dann zu entscheiden, ob die Rohrsäule mit einer Wärmedämmung zu versehen ist. Aus Gründen der Geräuschdämpfung (Schallquellen im System) empfiehlt es sich besonders bei dünnwandigen Rohrsystemen eine mineralische Dämmschale einzusetzen. Entsprechende Materialien werden gemäss DIN 4102 ohne Kaschierung in nicht brennbarer Ausführung angeboten.

Um auftretenden Übertragungsschall zu vermeiden kann es sinnvoll sein eine Systemtrennung zwischen Wärmeerzeuger und Abgasstrecke vorzunehmen. Hierzu eignen sich spezielle Schallabsorber, die von Kutzner + Weber entwickelt wurden.

Sinnvolle Lösungen für den Mündungsbereich verbinden Hinterlüftung und Witterungsschutz.

Die Sanierungsmaßnahme

Die Einsatzrohre werden von oben in den bestehenden Schornstein eingebracht. Zuvor sind die Aussparungen für Reinigungsöffnungen und Feuerstättenanschlüsse in den Schornsteinwangen anzubringen. Weitere Öffnungen, für Zugbegrenzer, andere Wärmeerzeuger oder zum Einbau eventueller Richtungsänderungen gilt es zu berücksichtigen. Der eigentliche Montagevorgang erfolgt vom Dach aus mit Hilfe einer Ablasswinde oder - bei leichten Systemen - eines geeigneten Seils. Die einzelnen Rohrelemente sind zwischen einem halben und drei Meter lang. Sie werden miteinander verbunden und dann Schritt für Schritt in den Schacht abgelassen. Je nach eingesetzten Material sind die Rohrverbindungen systemspezifisch über Dach zu erstellen. Für die Revisionsöffnungen und den Feuerstättenanschluss finden entsprechende Formteile Verwendung.

Spezielle Abstandhalter zentrieren die Rohrsäule. Besonders leichtes Handling versprechen hierbei Innenrohre mit geringem Gewicht. An der Schornsteinmündung wird bei fast allen Systemen eine Schachtabdeckung sowie ein Regenkragen montiert. Diese Konstruktionselemente verhindern ein Eindringen von Niederschlagswasser in den Ringspalt zwischen Rohrsäule und

Mauerwerk. Gleichzeitig wird eine Hinterlüftung der Abgasstrecke sicher gestellt. Nach dem Anschluss der Verbindungsleitung des Wärmeerzeugers sind die Öffnungen in den Schornsteinwangen wieder fachmännisch zu vermauern.

Zusammengefasst

Neben der aktuellen Energiepreissituation sollten ökonomische und ökologische Aspekte dazu beitragen, die notwendigen Heizungs- und Schornsteinmodernisierungen umgehend in Angriff zu nehmen. Zu Beginn derartiger Maßnahmen ist es grundsätzlich ratsam den zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister zu informieren. Mit ihm lassen sich Fragen zum Baurecht, der Kehr- und Überprüfungsordnung sowie der 1. BImSchV in Zusammenhang mit der baulichen Tätigkeit erörtern. Bei der Wahl des richtigen Werkstoffes und des optimalen Abgassystems sollte man sich an einen kompetenten Ansprechpartner wenden, der produktneutral beraten kann und nicht einseitig auf bestimmte Systeme festgelegt ist. Wesentliche Vorteile haben Abgasleitung aus Edelstahl und hochwertiger Keramik, da mit Ihnen ein späterer Wechsel der Feuerstätte oder des eingesetzten Energieträgers unproblematisch möglich ist.


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