Edelstahl in der Abgastechnik
Vom Sanierungssystem zum aktiven Abgasschalldämpfer
Hochwertige Edelmetalle finden seit über 25 Jahren in der Abgastechnik Verwendung. Aufgrund des hohen Marktanteils zählen rostfreie Edelstähle sicherlich den Materialien, bei denen Verarbeiter und Hersteller die Vorzüge und Grenzen der Einsatzfähigkeit am Besten beurteilen können. Die wesentlichen Vorteile der eingesetzten Werkstoffe liegen in der hohen Korrosionsbeständigkeit, der damit verbundenen Langlebigkeit sowie dem geringen Gewicht. Im Laufe der Zeit gab es aber auch konstruktive Weiterentwicklungen, die umfangreiche Einsatzmöglichkeiten von Abgassystemen aus Edelstahl sicher stellen. Werkstoff und Qualität
Die verwendeten Metalle mit den Werkstoff-Nr. 1.4571 oder 1.4404 sind mit Molybdän stabilisiert und weitestgehend gegen die aggressiven Bestandteile im Abgas und Kondensat beständig.
Stellvertretend für andere Hersteller möchten wir hier auf die Produktionsverfahren der Joseph Raab GmbH & Cie. KG, Neuwied, eingehen. Dort kommen bei der Herstellung von systemspezifischen Formteilen modernste Laserschweiß-, Fließ- und Pressverfahren zum Einsatz. Aufwendige Kant- und Schweißarbeiten konnten zudem rationell - wie in der Automobilindustrie - durch plastische Umformprozesse ersetzt werden. Durch die Automation dieser Arbeitsgänge ist die Wiederholgenauigkeit und damit die Dichtigkeit der plastisch verformten Bauteile gewährleistet. Darüber hinaus erhöht diese Technologie die Stabilität und Korrosionssicherheit der Bauteile. Sie stellt die Entwicklungsbasis für neuartige Komponenten in der Abgastechnik dar und gilt als zusätzlicher Garant für eine lange Lebensdauer.
Zeitgemäße Revisionsöffnung von Raab: Das Ergebnis moderner Umformtechnik.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Raab EW/FU aus Edelstahl. Ein Sanierungssystem für alle Brennstoffe und den feuchteunempfindlichen Einsatz.
Darüber hinaus finden auch flexible Rohrsysteme ihren Abnehmerkreis. Sie sind immer dann gefragt, wenn bestehende Schornsteine Schrägführungen aufweisen oder ungünstige z.T. rechteckige Innenabmessungen haben. Die eingesetzten Produkte waren früher i.d.R. einlagig mit hauchdünnen Wandungen von 0,12 mm ausgestattet und entsprechend anfällig im Handling. Heute werden auch diese Rohrsäulen nach industriellen Standards gefertigt und bedarfsgerecht ggf. in ovaler Ausführung geliefert.
Stellvertretend für andere flexible Sanierungssysteme kann an dieser Stelle EW-Flex von Raab genannt werden. Die doppellagige Fertigung des Einsatzrohres führt u.a. zu glatten Innenflächen wodurch sich ein besonders geringer Strömungswiderstand ergibt. Die spezielle Falz- und Fügetechnik gewährleistet eine außerordentlich sichere und dennoch ausreichend bewegliche Rohrführung in schräggeführten (gezogenen) Schornsteinen. EW-Flex kann mit und ohne Hinterlüftung aber auch in Verbindung mit mineralischen Dämmschalen montiert werden. Ein umfangreiches Zubehörpaket erlaubt die Anpassung an nahezu jede Einbausituationen. Alle Komponenten werden aus hochwertigem Edelstahl hergestellt, so dass auch hier eine Eignung für alle zugelassenen Brennstoffe und Feuerstätten besteht.
Raab EW-Flex eignet sich besonders zur Querschnittsverminderung in schräggeführten (verzogenen) Schächten.
Mit der Entwicklung doppelwandiger wärmegedämmter Abgasführungen wurde ein ganz wesentliches Marktsegment gebildet. Diese Edelstahlschornsteine können sowohl im Gebäude als auch an der Außenwand montiert werden. Sie bieten somit im Durchmesserbereich von 80 mm 600 mm besonders vielfältige Problemlösungen. Mit Hilfe eines umfangreichen Zubehörprogramms lassen sich objektbezogene und zeitsparende Montagen durchführen. Die Flexibilität in Bezug auf Änderung, Erweiterung aber auch Demontage stellt einen weiteren Vorteil dieser besonders leichten Abgasanlagen da. Fundamentierungs-, Wärmedämm-, und Schweißarbeiten sind an der Baustelle in der Regel nicht notwendig.
Die doppelwandigen Elementsysteme namhafter Anbieter besitzen eine bauaufsichtliche Zulassung für alle Regelfeuerstätten. Sie lassen sich also problemlos mit jedem häuslichen Wärmeerzeuger betreiben und mit allen handelsüblichen Brennstoffen befeuern. Für anspruchsvolle Planer und Bauherren bietet Raab mit seiner DW-Baureihe auch hochwertige Edelstahl-Oberflächen in gebürsteter, gestrahlter, und gebeizter Ausführung an. Eletrolytisch behandelte Edelstähle in farbiger und strukturierter Optik werden auf Wunsch des Kunden genauso gefertigt wie Außenmäntel aus Kupfer. Diese Abgassysteme lassen sich somit in jedes Gebäude als Gestaltungselement integrieren.
Raab DW Anlage im häuslichen Einsatz.
Des Weiteren galt es den abgastechnischen Anforderungen im gewerblichen Einsatzbereichen gerecht zu werden. Immer häufiger kamen doppelwandige Edelstahlsysteme in der verarbeitenden Industrie, bei Wäschereien, Lackierereien und in Bäckereien zum Einsatz. Freistehende Tragmastkonstruktionen gemäß EN 13084 wurden ebenso verlangt wie Abgasleistungen für die Brennwerttechnik. Die Edelstahlsysteme hatten zwar mit der kondensierenden Betriebsweise der eingesetzten Heizungsanlagen keine Probleme, mussten jedoch für eine überdruckdichte Betriebsweise konstruiert werden.
Freistehende Abgasanlage gemäß EN 13084.
Neuartige Verbindungstechnik
Um speziell im Überdruckbereich den Einsatz elastomerer Dichtungen überflüssig zu machen und somit eine höhere Temperatur- und Kondensatbeständigkeit zu gewährleisten, wurde unter der Bezeichnung Raab ALKON eine neuartige Abgasleitung aus Edelstahl entwickelt. Die konische Ausbildung der Einsteck- und Muffenenden dichtet die Verbindung zwischen den einzelnen Rohrelementen druckbeständig ab. Die Konstruktion macht grundsätzlich weitere Dichtungen überflüssig, so dass eine zeitsparende und dauerhaft dichte Montage gewährleistet werden kann.
Metallisch dichtend: Raab ALKON kann im Innen- und Außenbereich eingesetzt werden.
Mit den Abgassystemen EW ALKON (einwandig) und DW ALKON (doppelwandig) lassen sich - neben gewöhnlichen Feuerstätten - Blockheizkraftwerke (BHKW´s), Verbrennungsmotoren und Notstromaggregate mit Abgastemperaturen von bis zu 600° C abgasseitig einbinden. Selbst bei einem Hochtemperatur-Brennstoffzellen-Kraftwerk kann die Verwendung einer speziellen Abluft-Leitung vom Typ Raab ALKON erforderlich sein, um das heiße Medium sicher in die Atmosphäre zu führen.
Raab DW ALKON an einem Hochtemperatur-Brennstoffzellen-Kraftwerk.
Ein umfangreiches Zubehörprogramm mit Schalldämpfern sowie Kompensatoren rundet auch dieses Programm praxisgerecht ab.
Abgasschalldämpfung inklusive
Auch Lärmschutz ist heute ein Thema, dass in der Abgastechnik mit Komponenten aus Edelstahl wirkungsvoll umgesetzt wird. Um den häufig auftretenden Übertragungsschall zu vermeiden kann es sinnvoll sein, eine Systemtrennung zwischen Wärmeerzeuger und Abgasstrecke vorzunehmen. Hierzu eignen sich spezielle Schallabsorber aus Edelstahl, die von der Kutzner + Weber GmbH & Co. KG angeboten werden.
Der Schallabsorber von Kutzner + Weber sollte in Fällen von Übertragungsschall zur Systemtrennung eingesetzt werden.
Darüber hinaus bietet das Unternehmen der Raab-Gruppe wirksame Abhilfe mit aktiven Abgas-Schalldämpfern. Die sogenannten Abzweig-Resonatoren hat man in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Bauphysik, Stuttgart entwickelt. Zentraler Bestandteil dieser Konstruktion ist ein aktives Akustikmodul, dass für die Dämpfung der Schallfrequenzen von 30 300 Hz sorgt. Damit eignet sich das System besonders für den Einsatz in einem Frequenzbereich, der für Schalldämpfer herkömmlicher Bauart nicht mehr erreichbar ist. Der KW AKTIV + weist außerdem geringe Abmessungen auf und lässt sich in das Modulsystem des KW-Schalldämpferprogramms integrieren.
Edelstahl-Lösungen für den aktiven Lärmschutz: AKTIV + von Kutzner + Weber.
In dieser KW-Modulbaureihe stehen verschiedene Grund- und Verlängerungselemente aus Edelstahl zur Verfügung, mit denen sich ein Abgas-Schalldämpfer - in Anlehnung an das Baukastenprinzip - problemlos an örtliche Gegebenheiten sowie den vorhandenen Wärmeerzeuger anpassen lässt. Des Weiteren kann man bei besonders beengten Raumverhältnissen auf den Winkelschalldämpfer AWM zurückgreifen.
Fazit
Gut informierte Planer und Handwerker setzen in der Abgastechnik immer häufiger auf den Qualitätswerkstoff Edelstahl rostfrei. Die dünnwandigen Rohrsysteme und Komponenten haben sich seit vielen Jahren bestens bewährt. Der wesentliche Vorteil dieser - frei im Handel verfügbaren - Abgasanlagen liegt aber in der universellen Verwendbarkeit. Bei einem späterer Wechsel der Feuerstätte oder des eingesetzten Energieträgers ist also nicht zwangsläufig die Abgasführung mit auszuwechseln. Als zukunftweisend können rein metallisch dichtende Abgassysteme wie Raab ALKON bezeichnet werden, da sie ohne elastomere Dichtungen auskommen und damit eine dauerhafte Lösung darstellen.