2002 mit 1283 Verkehrsunfalltoten in Bayern niedrigste Zahl seit 1953

2002 mit 1283 Verkehrsunfalltoten in Bayern niedrigste Zahl seit 1953
Beckstein stellt "Aktion Verkehrssicherheit Bayern 2006" vor
"Ziel der Verkehrssicherheitsarbeit in Bayern während der nächsten drei Jahre ist ab sofort, die Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten um mindestens 10 % zu verringern. Zugleich wollen wir die Position des Freistaates bei der Unfallbilanz im bundesweiten Vergleich der Länder nachhaltig verbessern. Das heißt, wir müssen mehr tun als andere. Und das trotz knapper Kassen und des sicher deutlich steigenden Verkehrs auf unseren Straßen", macht Innenminister Dr. Günther Beckstein seine Marschroute für die mittelfristige Verkehrssicherheitsarbeit in Bayern klar. Dazu setzt er neben den bisherigen Maßnahmen auf sieben Handlungsfelder, darunter die mobile, flexible Verkehrsüberwachung, eine höhere Gurtanlegequote, weitere neuartige Drogenvortestgeräte, spezielle Ansätze zugunsten junger Fahranfänger, das durch ein EDV-Expertensystem gestützte gezielte Reagieren der rund 100 Unfallkommissionen bei lokalen Unfallhäufungen, ferner ein Programm "Sichere Kreuzung" und gezielte LKW-Überholverbote auf zweispurigen Autobahnen. "Trotz der insgesamt sinkenden Tendenz der letzten Jahre wird deutlich, dass neben der Kriminalitätsbekämpfung und -prävention auch die Unfallverhütung und Verkehrssicherheit eine tragende Säule der Inneren Sicherheit darstellt. "
Im Jahr 2002 gab es über 329.000 polizeilich registrierte Verkehrsunfälle in Bayern, bei denen über 83.900 Menschen verletzt (- 5 %) und 1.283 (- 3%) getötet wurden. In den letzten 10 Jahren hat die Anzahl der Getöteten in Bayern damit um fast 30 % abgenommen. Verletzt wurden seit 1953, also dem Beginn der Verkehrsunfallstatistik, auf den Straßen des Freistaates insgesamt 4,1 Millionen Verkehrsteilnehmer; fast 123.000 kamen zudem im Straßenverkehr ums Leben. Allein im Jahr 2002 entstand ein Schaden von 4,2 Milliarden Euro. 2002 wurden bei rund 3.000 Verkehrsunfällen insgesamt 5.260 Kinder verletzt und 28 Kinder getötet, was im Zehn-Jahres-Vergleich ein Minus von rund 15 % darstellt. Davon waren 661 Schulwegunfälle mit 737 verletzten und 2 getöteten Schulkindern. Zum Vergleich: 1972 waren es noch 1.131 solcher Unfälle mit 1.165 verletzten und 35 getöteten Schülern.
Dem 30 %-igen Rückgang der Verkehrstoten in den vergangenen zehn Jahren steht ein Anstieg der Einwohnerzahl in Bayern von rund 6 % auf rund 12,4 Millionen und der zugelassenen Kraftfahrzeuge von 25 % auf fast 9 Millionen KFZ, bei den zugelassenen Motorrädern sogar eine Verdoppelung auf fast 700.000 Stück gegenüber. Zugleich entwickelten sich die Fahrleistungen um 24 % nach oben. Beckstein: "Überwiegend bedingt durch diese strukturellen Faktoren, die sich auf die Unfallhäufigkeit negativ auswirken, nimmt Bayern als Flächenland im Vergleich zu anderen Bundesländern einen Platz im Mittelfeld ein; hier legen nämlich Einwohner und der Transitverkehr weite Strecken außerorts und außerhalb der eher sichereren Autobahnen zurück.

Rund 48 % der getöteten Pkw-Insassen hatten 2002 keinen Sicherheitsgurt getragen – zumindest war dessen Benutzung ungeklärt. Um die Gurtanlegequote zu erhöhen, setzt Beckstein neben einer intensiveren Verkehrsüberwachung, auf eine neue Initiative zur Insassensicherung – auch im Interesse der mitfahrenden Kinder. Dazu fordert er eine deutliche Erhöhung des Bußgeldes von derzeit 30 auf 40 Euro plus ein Punkt in Flensburg. Ferner kündigt er die konsequente Kontrolle dieser Sicherungspflicht auch außerorts und eine Aufklärungsoffensive noch vor Beginn der Hauptreisezeit in Bayern an. Etwa die Hälfte der Verkehrstoten, die außerorts auf Bundes- oder Staatsstraßen ums Leben kommen, werden an sogenannten Unfallhäufungsstellen auf etwa 1.700 Kilometern, also zehn Prozent des bayerischen Landstraßennetzes registriert. Auf diese örtlichen und zeitlichen Schwerpunkte konzentrieren sich deshalb flexible Polizeikontrollen, bei denen öfter als bisher Handlasergeräte bei der Tempokontrolle eingesetzt werden.
Die rund 100 örtlichen Unfallkommissionen in Bayern können künftig ein EDV-gestütztes Expertensystem einsetzen, das eine detaillierte Analyse mit zentraler Unterstützung sowie landesweite Erfolgskontrollen ermöglicht. Zugleich wird damit dafür gesorgt, dass besonders bewährte Maßnahmen schnell an vergleichbaren Stellen verwirklicht werden können. Nachdem häufigste Unfallstelle Kreuzungen und Einmündungen sind, kündigt Beckstein als weiteren Teil der Aktion Verkehrssicherheit Bayern 2006 ein Programm "Sichere Kreuzung" an. Dabei geht es unter anderem um punktuelle bauliche Verbesserungen.
Seit Februar 2001 hat sich ein Lkw-Überholverbot auf der Autobahn A 8 von der Landesgrenze über Augsburg bis nach München sehr positiv auf das Unfallgeschehen ausgewirkt: Es sind 20 Prozent weniger schwere Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten feststellbar. Deshalb will Beckstein künftig auf zweispurigen Autobahnen zeitlich beschränkte Lkw-Überholverbote verstärkt angehen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt weiter jungen Fahranfängern, die überproportional am Unfallgeschehen beteiligt sind: Aus dieser Gruppe stammen 21,5 % der Verkehrstoten, obwohl sie nur 7,9 % der Bevölkerung ausmacht. Zum großen Bedauern Becksteins lehnt der Bundesverkehrsminister trotz der guten Erfahrungen in anderen europäischen Ländern weiter das begleitete Fahren ab, im Rahmen dessen 17jährige in Begleitung Älterer erste Erfahrungen beim Autolenken machen können.


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