Schmid stellt Statistisches Jahrbuch für Bayern 2003 vor: "Amtliche Statistik noch schlanker und moderner machen"

Schmid stellt Statistisches Jahrbuch für Bayern 2003 vor: "Amtliche Statistik noch schlanker und moderner machen"
"Die Statistik ist und bleibt Voraussetzung für eine rationale Planung in der Politik. Wir wollen sie aber noch schlanker und moderner machen", betonte Innenstaatssekretär Georg Schmid anlässlich der Präsentation des Statistischen Jahrbuchs für Bayern 2003, das er heute in München zusammen mit dem Präsidenten des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung, Dr. Peter Bauer vorstellte. So müssen laut Schmid sämtliche Statistiken auf ihre Notwendigkeit überprüft werden. Das europäische Statistikamt Eurostat müsse sich auf sein Kerngeschäft, nämlich vor allem Preise, Haushalte und Schulden der öffentlichen Hand beschränken und solle im übrigen die Mitgliedsstaaten mit unsinnigen Statistikanforderungen verschonen. In Bayern werden im Zuge der Organisationsreform im Landesamt bis 1. Januar 2004 aus neun Abteilungen sechs, von 42 Sachgebieten bleiben 33 übrig und 114 Stellen werden eingespart. Die Möglichkeiten des Internets müssen laut Schmid voll ausgenutzt werden. Deshalb hat die Innenministerkonferenz sich darauf geeinigt, dass die Statistischen Landesämter gemeinsam in den nächsten Jahren die 50 wichtigsten Statistiken online erfassen sollen. Dazu kommt in Bayern ab Januar 2004 die freie Information über die Ergebnisse der Statistik im Internet. "Sämtliche statistischen Berichte werden ab dem nächsten Jahr im Internet kostenfrei zur Verfügung gestellt. Zudem erhält jeder Bürger die Möglichkeit, ebenfalls kostenlos die ihn interessierenden Daten aus der Datenbank GENESIS bis auf Gemeindeebene individuell zusammenzustellen und abzurufen", wies Schmid auf die neuen E-Government-Lösungen hin.
Als besondere Erkenntnisse und Trends im neuen Statistischen Jahrbuch, das auch unter der Internet-Adresse http://www.statistik.bayern.de auszugsweise genutzt werden kann, hob Schmid die folgenden hervor:

Die Bevölkerungszahl Bayerns ist auch im Berichtsjahr 2002 erneut angestiegen. Die Einwohnerzahl erhöhte sich im letzten Jahr um rund 58.000 Personen. Das entspricht einer Zunahme in der Größenordnung einer Stadt wie z.B. Rosenheim. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2003 betrug der Zuwachs zwar nur mehr 10.026 Personen. Dennoch hatte Bayern Ende Juli 2003 erstmals über 12,4 Millionen Einwohner. Der Bevölkerungsanstieg ist laut Schmid auch im vergangenen Jahr ausschließlich auf die Wanderungsbilanz des Freistaats zurückzuführen. Bei der Zuwanderung aus den übrigen Bundesländern liegt Bayern an der Spitze. Zwischen Januar und Dezember 2002 zogen aus dem übrigen Bundesgebiet fast 142.000 Personen in bayerische Gemeinden zu, 100.000 wanderten aus bayerischen Gemeinden in die anderen Bundesländer ab. Somit gewann der Freistaat allein durch die Binnenwanderung rund 42.000 Einwohner hinzu (2001: 62.000). Mehr als die Hälfte davon (57 %) kamen aus den neuen Bundesländern. Hinzu kommt ein Zuzug per Saldo von rund 22.000 Ausländern. Von der Gesamteinwohnerzahl am 31. Dezember 2002 waren rund 11.213.000 deutsche und 1.174.000 ausländische Staatsbürger. Damit betrug der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung 9,48 % und lag nur geringfügig höher als im Vorjahr (+ 0,08 %).

Eine bedeutende Rolle für die Zahlen zur deutschen Bevölkerung in Bayern spielt seit einigen Jahren die Einbürgerung. Während 1991 nur rund 3.200 Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit erhielten, waren es im Jahr 2000 – auch in Folge des neuen Staatsangehörigkeitsrechts – bereits 20.622. Nachdem bereits im Jahr 2001 ein Rückgang (19.921 Einbürgerungen) zu verzeichnen war, erfolgte 2002 eine weitere Abschwächung auf 17.090 Einbürgerungen. Die größte Gruppe der eingebürgerten Ausländer stellten wie schon in den letzten Jahren die Türken. Ihre Zahl fiel allerdings im Vergleich zu 2001 von rund 9.600 auf etwa 7.750.

Während 1997 die Geburtenzahl auf 130.500 angestiegen war, fiel sie im Jahr 2002 auf knapp 114.000. Mit über 20 % hat dabei der Anteil der nichtehelich geborenen Kinder im Jahr 2002 das höchste Niveau seit 1950 erreicht. Die Zahl der Eheschließungen stieg zwar im Vergleich zum Vorjahr um 460 auf 60.686. Doch haben Ledige in den letzten 50 Jahren in Bayern nie so spät geheiratet wie heute. Bei den Männern lag das durchschnittliche Heiratsalter 2002 bei 31,8 Jahren, bei den Frauen bei 28,8 Jahren. Damit heiraten Ledige gegenwärtig durchschnittlich über 5 Jahre später als zu Beginn der 70er Jahre. Zugleich hat die Zahl der Ehescheidungen in Bayern im Jahr 2002 mit 29.503 einen neuen Höchststand erreicht. Dies sind 54 % mehr als 1990 und knapp 4 % mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden im Jahr 2002 fast 15 % der Ehen noch vor dem 5. Hochzeitstag aufgelöst.

Gravierend hat sich die Altersstruktur in den letzten Jahrzehnten verändert. Während die Bevölkerung seit 1950 um knapp 35 % gewachsen ist, hat sich die Zahl der Seniorinnen und Senioren seit 1950 um 134 % erhöht. So leben in Bayern heute über 2,9 Millionen Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Dementsprechend hat sich auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung seit 1950 um über 6 Jahre erhöht (1950: 34,6 Jahre; 2002: 40,9 Jahre). Dabei gibt es regional erhebliche Unterschiede. Auf der Ebene der kreisfreien Städte und Landkreise schwankte Ende 2002 das Durchschnittsalter zwischen 38,1 (Landkreis Freising) und 44,2 Jahren (Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge). Zu den demographisch jüngeren Gebieten gehört auch der Landkreis Donau-Ries mit 39,9 Jahren. "Es fällt auf, dass es sich bei den demographisch jüngsten Gebieten Bayerns ausnahmslos um Landkreise und nicht um kreisfreie Städte handelt", so Schmid.

Eines der wichtigsten Themen ist zur Zeit die Verschuldung der öffentlichen Haushalte und insbesondere der Kommunen. Die Verschuldung der bayerischen Gemeinden und Gemeindeverbände am Kreditmarkt und bei öffentlichen Haushalten ist im Berichtsjahr 2002 weiter gestiegen. Ohne ihre Sondervermögen (Eigenbetriebe und Krankenhäuser) wiesen sie Schulden in Höhe von 13,9 Milliarden Euro aus. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Verschuldung um 5,2 % oder 688,3 Millionen Euro erhöht: Bei den Bezirken ist sie um 1,7 %, bei den kreisangehörigen Gemeinden um 4,1 %, bei den Landkreisen um 6,0 % und bei den kreisfreien Städten um 6,3 % angewachsen. Bei den kreisfreien Städten konnten lediglich die Städte unter 50.000 Einwohnern und bei den kreisangehörigen Gemeinden die Gemeinden unter 1.000 Einwohnern Schulden abbauen. Die Schulden verminderten sich dort um 2,8 % bzw. 3,4 %. Die Situation hat sich laut Schmid in diesem Jahr noch weiter verschärft. Die Schulden der bayerischen Gemeinden und Gemeindeverbände einschließlich der Verwaltungsgemeinschaften betrugen am Ende des 3. Quartals 2003 insgesamt 14,838 Milliarden Euro; das sind um 6,4 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Kassenkredite, die den kurzfristigen Liquiditätsbedarf abdecken müssen, beliefen sich auf 456 Millionen Euro; sie lagen damit um 53,9 % über dem Vorjahreswert.Auch die Verschuldung des Freistaats ist in den letzten beiden Jahren wieder gewachsen, nachdem wir in den Jahren 1999 und 2000 Schulden abbauen konnten. Die Schulden des Freistaats am Kreditmarkt und bei öffentlichen Haushalten stiegen im Jahr 2002 um rund 884,5 Millionen Euro und beliefen sich am 31. Dezember 2002 auf rund 21,3 Milliarden Euro. Je Einwohner Bayerns bedeutet dies ein Anwachsen der Verschuldung um 61 Euro auf 1.725 Euro. Schmid: "Trotz diesem Anstieg konnte der Freistaat seine Spitzenposition als das Land mit der geringsten Pro-Kopf-Verschuldung unter den Bundesländern weiter festigen." Die durchschnittliche Verschuldung der Flächenländer und Stadtstaaten Deutschlands lag Ende 2002 bei 4.817 Euro je Einwohner, um 316 Euro höher als im Jahr davor. Zusammengenommen beliefen sich die Schulden der Haushalte des Freistaats und der bayerischen Gemeinden und Gemeindeverbände Ende 2002 auf 2.849 Euro pro Kopf. Schmid: "Im bundesweiten Vergleich steht Bayern damit noch immer am besten da." An zweiter bzw. dritter Stelle folgen die Länder Sachsen mit 3.673 Euro und Baden-Württemberg mit 3.975 Euro.

"Auch Bayern konnte sich dem Sog der katastrophalen Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bundesregierung nicht ganz entziehen", so Schmid. 2002 setzte sich gemäß dem allgemeinen Trend der konjunkturelle Abschwung weiter fort. Das reale Wachstum in Bayern betrug 2002 nur noch 0,6 %, in Deutschland sogar nur 0,2 %. Die langfristige Entwicklung sieht allerdings erfreulicher aus: Seit 1991, dem ersten vollständigen Berichtsjahr seit der deutschen Wiedervereinigung, hat die bayerische Wirtschaft ein Wachstum von 21,0 % vorzuweisen, in Deutschland waren es insgesamt dagegen "nur" 16,0 %. Lässt man den Boom nach der Wiedervereinigung in den neuen Ländern unberücksichtigt und vergleicht Bayern im Kreis der alten Bundesländer, für die der Anstieg 12,6 % betrug, so tritt der Wachstumsvorsprung Bayerns noch sehr viel deutlicher zu Tage.

Die Wirtschaftsleistung Bayerns im Jahr 2002 erreichte einen Wert von 368,9 Milliarden Euro. Damit wurden über ein Sechstel oder 17,5 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts in Bayern erwirtschaftet. Nach den vorliegenden Ergebnissen erbrachte die bayerische Wirtschaft 4 % des nominalen Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union (EU-15).

Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage spiegelt sich in der Zahl der Unternehmensinsolvenzen wider: 2002 erreichte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Bayern mit 4.687 einen traurigen Rekord. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine weitere Zunahme um 18,9 %. Die von den Gläubigern geltend gemachten Forderungen lagen auf Grund der Insolvenz einiger Großunternehmen bei 15,8 Milliarden Euro. Von den Unternehmenspleiten waren 39.070 Beschäftigte betroffen. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres hat sich der Anstieg der Unternehmenszusammenbrüche deutlich verlangsamt. Die Zahl der Unternehmenspleiten stieg gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres lediglich noch um 1,7 % oder 59 Fälle auf 3.593.

Im Bereich des Wohnungsbaus war auch im Jahr 2002 die Zahl der genehmigten Wohnungen weiter rückläufig. Insgesamt wurden in Bayern im vergangenen Jahr 53.225 Wohnungen genehmigt, 5,2 % weniger als noch 2001. Betroffen waren dabei vor allem Mehrfamiliengebäude: Dort lag der Rückgang bei 14,7 %. Dagegen stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen bei den Eigenheimen, also Gebäuden mit einer oder zwei Wohnungen, um 1,6 %. Dieser Trend hat sich in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres verstärkt. Von Januar bis einschließlich September 2003 lag die Zahl der genehmigten Wohnungen insgesamt um 20,2 % über ihrem entsprechenden Vorjahreswert. Dieser Anstieg ist überwiegend im Bereich der Eigenheime zu beobachten. Die Ursache dieser Entwicklung liegt jedoch vor allem in Vorzieheffekten, die sich aufgrund der Ende 2002 angekündigten Verschlechterungen bei der Förderung des Wohneigentums ergaben.


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