Generation Praktikum: Kritik der Wirtschaftsverbände an SPD-Vorstoss ist kurzsichtig

Generation Praktikum: Kritik der Wirtschaftsverbände an SPD-Vorstoss ist kurzsichtig
14. September 2006 - 649
Zur Kritik von Wirtschaftsverbaenden an dem Vorstoss der SPD, den Missbrauch von Praktika einzudaemmen, erklaert der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Joerg Tauss:
Die Kritik des BDI und des HDE an dem Vorstoss von Bundesminister Franz Muentefering, den zunehmenden Missbrauch von Praktika einzudaemmen, geht ins Leere. Dass die Verbaende das Problem der sogenannten ´Generation P´ leugnen, zeigt einmal mehr die Ignoranz der Verbaende gegenueber Missstaenden, solange sie ihren Interessen entgegen kommen. Auch wenn natuerlich laengst nicht alle Branchen in gleicher Weise betroffen sind, sollte die Wirtschaft insgesamt ihre Blockadehaltung aufgeben und gemeinsam mit den Gewerkschaften und der Politik an der Verbesserung der Perspektiven von jungen Berufsstartern mitarbeiten.
Der zunehmende laengerfristige und oft unentgeltliche Einsatz voll ausgebildeter junger akademischer Fachkraefte ist und bleibt eine himmelschreiende Ausbeutung auf Kosten der Zukunftsperspektiven junger Menschen. Das gilt ebenso wie die in einigen Branchen um sich greifende Substitution von Vollzeitarbeitsplaetzen mit Langzeitpraktikanten. Solche Missbraeuche sind klar zu unterscheiden von sinnvollen Praktika, etwa vor oder waehrend eines Studiums. Der Missbrauch aber schadet mittelfristig gerade auch den Interessen der Wirtschaft, deren Bedarf an gut ausgebildeten und motivierten Fachkraeften ja staendig waechst. Es ist die Bringschuld der Wirtschaft, diesen jungen Menschen eine klare Perspektive zu bieten. Daher ist die Ignoranz gegenueber der Generation P voellig unverstaendlich. Richtiger waere es, wenn die Wirtschaftsverbaende aktiv dazu beitruegen, die ´schwarzen Schafe´ in den eigenen Reihen staerker in die Pflicht zu nehmen und zu einem fairen Umgang mit jungen Berufseinsteigern anzuhalten. Viele Unternehmen sind da bereits weiter und gehen mit Selbstverpflichtungen zum fairen Umgang mit Praktikantinnen und Praktikanten voran.
Klar ist, dass die Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen etwa im Berufsbildungsgesetz bisher lediglich geprueft wird und solche auch nur ein letztes Mittel sein koennen. Den Wirtschaftsverbaenden waere daher zu raten, die Weitsicht der fairen Unternehmen zu uebernehmen und aktiv mit Gewerkschaften und Politik an Loesungen mitzuarbeiten, statt das uebliche Ueberregulierungs-Gespenst an die Wand zu malen - auch um gesetzliche Massnahmen ueberfluessig zu machen.

© 2006 SPD-Bundestagsfraktion - Internet: http://www.spdfraktion.de


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