Bundesregierung stellt fünften Altenbericht vor - VDAB: Steigende Nachfrage nach professioneller Pflege wird ignoriert

Bundesregierung stellt fünften Altenbericht vor - VDAB: Steigende Nachfrage nach professioneller Pflege wird ignoriert
Unter dem Titel „Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft“ hat die Bundesregierung am 5. Juli 2006 den „Fünften Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland“ vorgestellt. Erarbeitet wurde der Bericht von einer elfköpfigen Sachverständigenkommission aus Wissenschaftlern. Die Ergebnisse und Empfehlungen sollen in die Vorbereitung und Ausgestaltung der anstehenden Reform der Pflegeversicherung einfließen.
Angesichts der zu erwartenden Abnahme familiärer Betreuungs- und Pflegepotentiale, der Zunahme von Ein-Personen-Haushalten sowie des weiteren Anstieges von Demenzerkrankungen bedarf es neuer Strukturen, Angebote und Serviceleistungen in der Pflege – so lautet ein Fazit der Bundesregierung in ihrer Stellungnahme zum fünften Altenbericht. Dabei setzt sie insbesondere auf den Aufbau privater Hilfsnetzwerke für die Betreuung und Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Familiäre und nachbarschaftliche Unterstützungsleistungen durch Angehörige, Nachbarn und Freunde werden in den Vordergrund gestellt. Um diese Personen für ihre Aufgabe zu qualifizieren, fordert die Expertenkommission den Ausbau von Beratungs-, Qualifizierungs- und Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige. Gleichzeitig erkennt sie, dass auch der Ausbau professioneller ambulanter Pflegestrukturen notwendig sei. Die Seniorenmärkte bieten beträchtliche ökonomische Potentiale, so die Kommission. Diese beträfen Arbeitsplätze wie Absatzmärkte gleichermaßen.
„Vor dem Hintergrund der von der Kommission selbst dargestellten demographischen und gesellschaftlichen Entwicklung kann die Fokussierung privater und informeller Hilfs- und Unterstützungsnetzwerke nicht die alleinige Lösung für eine bedarfsgerechte Versorgung und Betreuung pflege- und hilfebedürftiger Menschen sein“, so Oliver Aitcheson, Justiziar des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (VDAB). Aufgrund des sinkenden Potenzials der durch Familien erbrachten Hilfe steige die Nachfrage nach professioneller Pflege bereits heute. „Die in der Bevölkerung durchaus erfreulich hohe Bereitschaft für ehrenamtliche Tätigkeiten ist im Bereich der Altenhilfe nicht unproblematisch“, betont Aitcheson. Ungeschulte Kräfte werden mit pflegerischen Aufgaben konfrontiert, die eigentlich von qualifiziertem Fachpersonal übernommen werden müssen. Aitcheson: „Professionelle Pflege ist hier nicht ersetzbar.“
„Angesichts knapper finanzieller Ressourcen soll das Pflegesystem auf eine kostengünstigere Variante umgebaut werden – genau diesen Eindruck vermittelt der 5. Altenbericht an vielen Stellen“, resümiert Aitcheson. In Anbetracht der demographischen Entwicklung und den damit einhergehenden gestiegenen Anforderungen an pflegerische, betreuerische und medizinische Maßnahmen müsse jedoch gerade die professionelle Pflege gesichert und bedarfsgerecht ausgebaut werden. „Das ist und bleibt auch eine Kostenfrage. An diesem Punkt stimmen wir mit der im Bericht aufgeführten Forderung nach einer Erhöhung und Dynamisierung des Pflegegeldes überein.“
Der VDAB ist die Interessenvertretung für ambulante und stationäre Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe. Als gemeinnütziger Fachverband unterstützt und berät der VDAB mehr als 1.200 Mitglieder in vorwiegend privater Trägerschaft in wirtschaftlichen, qualitativen und juristischen Fragen.

Kontakt:
Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (VDAB)
Im Teelbruch 132
45219 Essen
Tel.: 02054 / 95 78 – 0
Fax: 02054 / 95 78 – 40
www.vdab.de
info@vdab.de

Ansprechpartnerin:
Nicole Meermann
Pressereferentin
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Fax: 02054 / 95 78 – 40
nicole.meermann@vdab.de


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