Arbeitsbeziehungen / Weit mehr als die Hälfte der Firmen bleibt tariforientiert

Arbeitsbeziehungen / Weit mehr als die Hälfte der Firmen bleibt tariforientiert
Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)

(Verbandspresse, 24.11.2004 15:19)

(Köln) - Für vier von zehn Arbeitnehmern in Westdeutschland und jeden dritten ostdeutschen Beschäftigten regeln sowohl Gewerkschaften als auch Betriebsräte die Angelegenheiten mit dem Arbeitgeber. Dabei wendete im Westen 2003 fast jeder zweite Betrieb einen mit einer Gewerkschaft ausgehandelten branchenweiten oder hauseigenen Tarifvertrag an. Dieses Niveau hat sich seit fünf Jahren so gut wie nicht verändert. Mitte der neunziger Jahre lag die Tarifbindung zwar noch über 60 Prozent. Dem Gros der Betriebe dient der Branchentarif jedoch auch heute als unverzichtbare Leitschnur für die Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen. Inzwischen übernimmt nämlich ein Viertel der Firmen freiwillig die tariflichen Regelungen. Aufgrund einer solchen freiwilligen Orientierung erstreckt sich der Geltungsbereich von Tarifverträgen auch in Ostdeutschland auf weit mehr als die Hälfte der Unternehmen.

Im Gegensatz dazu verfügte 2003 in Ost wie West gerade jede neunte Firma über einen Betriebsrat, wobei allerdings nur eines von zehn Unternehmen ab 500 Angestellten und Arbeitern ohne eine solche Belegschaftsvertretung auskommt. Wenn der ein oder andere Baustein der Interessenvertretung in mittelständischen Unternehmen nicht mehr en vogue ist, so liegt dies unter anderem daran, dass der Flächentarif ein für manche Firmen zu hohes Lohnniveau vorgibt und ein Betriebsrat im Schnitt Kosten von 650 Euro je Mitarbeiter verursacht. Zudem setzen einige Betriebe auf weniger reglementierte Formen der Mitarbeitervertretung, etwa Belegschaftssprecher oder runde Tische. Dennoch hat vor allem die Zunahme betrieblicher Bündnisse für Arbeit die Position der Betriebsräte gestärkt. Bei einer Umfrage im Maschinen- und Anlagenbau sagten im vergangenen Jahr immerhin zwei Drittel von 200 Unternehmen, dass der Betriebsrat entscheidend gewesen sei für das Zustandekommen eines solchen Bündnisses.

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