Medizintechnik wächst im Ausland / Inlandsumsatz dagegen im ersten Halbjahr 2004 gesunken / Gesundheitspolitik erweist sich als

Medizintechnik wächst im Ausland / Inlandsumsatz dagegen im ersten Halbjahr 2004 gesunken / Gesundheitspolitik erweist sich als Konjunkturbremse
Deutscher Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V. (SPECTARIS)

(Verbandspresse, 18.11.2004 10:55)

(Berlin) - Die seit dem 01. Januar geltenden gesundheitspolitischen Reformen haben sich vielfach als Konjunkturbremse erwiesen. Im ersten Halbjahr 2004 ist der Inlandsumsatz der deutschen Medizintechnik beispielsweise im Vergleich zum ersten Halbjahr 2003 um 0,1 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro gesunken: eine offensichtliche Folge der durch die Gesundheitsreform aufgetretenen Verunsicherungen. Der Auslandsumsatz hat sich dagegen überaus erfreulich entwickelt. Er konnte um klare 10,7 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro gesteigert werden. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend - faktische Stagnation im Inland, Wachstum im Auslandsgeschäft - bis zum Jahresende fortsetzt. Dies erklärte SPECTARIS-Hauptgeschäftsführer Sven Behrens anlässlich der Branchenmesse Medica (24.-27. November in Düsseldorf).
Die deutsche Medizintechnik konnte bereits im vergangenen Jahr mit ihren 85.500 Mitarbeitern in 1.183 Betrieben im Vergleich zum Vorjahr den Gesamtumsatz zwar nochmals um 4,6 Prozent auf insgesamt 12,54 Milliarden Euro steigern, die Wachstumsrate fiel allerdings damals bereits deutlich geringer aus als in den davor liegenden Jahren (2001: +12,1 Prozent, 2002: +6,4 Prozent). Im ersten Halbjahr 2004 zeigt sich nun das ganze Ausmaß der gesundheitspolitischen Fehlentwicklungen. Am schlimmsten hat es dabei im Inland die gesamte Hilfsmittelindustrie getroffen, die einen massiven Preisverfall und Umsatzrückgang von bis zu 40 Prozent verzeichnet und um ihr wirtschaftliches Überleben kämpft. Die Krankenkassen spielen gerade hier bislang ihre Machtposition gnadenlos aus und drücken die Preise ohne Rücksicht auf die Produktqualität. Dies geht nicht nur zu Lasten der Industrie, sondern vor allem zu Lasten der im Hilfsmittelbereich besonders schutzbedürftigen, behinderten Patientinnen und Patienten.

Im gesamten Investitionsgüterbereich (Krankenhaus und Arztpraxen) sieht es hierzulande nicht viel besser aus, denn dringend notwendige Investitionen werden auch weiterhin nicht getätigt, weil der Markt durch immer neue Regulierungsversuche einerseits und vielfältige programmatische Vorstellungen andererseits stark verunsichert ist. Wir sprechen hier mittlerweile über einen Investitionsstau von geschätzt 10 bis 15 Milliarden Euro. Statt auf neue, innovative und dem aktuellen Stand der Technik entsprechende Produkte zu setzen, steht bei den Kostenträgern nach wie vor die wirtschaftlich zum Teil nicht mehr vertretbare Reparatur von alten Produkten im Vordergrund. Es gibt keine Anzeichen für eine Konjunkturbelebung.

Die Regelungen des DRG-Systems sind zudem immer noch nicht ausgereift. Bisher fehlt im zweiten Fallkostenpauschalenänderungsgesetz insbesondere ein finanzieller Anreiz für die Kliniken, Innovationen zu erproben und die Einführung neuer Methoden zu vereinbaren. Grundsätzlich könnte die Einführung von leistungsbezogenen Vergütungssystemen für die deutsche Medizintechnikindustrie eine große Chance darstellen. Dies setzt allerdings klare Perspektiven, eine sorgfältige Planung und eine zügige Umsetzung voraus. Dies alles fehlt derzeit. Dadurch wird die Chance auf einen wesentlichen Beitrag zur Kostensenkung und zur Qualitätssteigerung in der Gesundheitsversorgung durch den Einsatz von modernen medizintechnischen Produkten vergeben und zudem der Produktionsstandort Deutschland gefährdet.

Deshalb erwartet SPECTARIS von einer substantiellen Gesundheitsreform vor allem entschiedene Schritte zur Schaffung eines echten Gesundheitsmarktes und klare, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Besonders wichtig: Planungssicherheit im Inlandsmarkt, gezielte Förderung von Innovationen und die klare Festlegung von Definitionen für Produkt-, Dienstleistungs- und Ergebnisqualität im Hilfsmittelbereich.

Quelle/Kontaktadresse:
Deutscher Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V. (SPECTARIS)
Saarbrücker Str. 38, 10405 Berlin
Telefon: 030/414021-0, Telefax: 030/414021-33

eMail: info@spectaris.de
Internet: http://www.spectaris.de


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