TU München plant neuen Versuch mit Gen-Kartoffeln
Freisetzungen in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Deggendorf beantragt. Das Umweltinstitut München e.V. ruft zu Einwendungen auf.
Die Technische Universität (TU) München will ab dem kommenden Frühjahr einen neuen Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Kartoffeln in Olching (Landkreis Fürstenfeldbruck) und Oberviehhausen (Landkreis Deggendorf) durchführen. Das geht aus einem Antrag hervor, den die TU München beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gestellt hat. Die Kartoffeln enthalten einen erhöhten Anteil des Carotinoids Zeaxanthin und sollen angeblich vor Augenleiden im Alter schützen, die nach zu geringem Konsum von Gemüse auftreten können.
´Zeaxanthin-Kartoffeln sind so sinnvoll wie eine Neuerfindung des Rads´, meint Andreas Bauer, Agrarwissenschaftler und Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München e.V. Zeaxanthin komme in zahlreichen Gemüsearten in ausreichender Menge vor, etwa in Bohnen, Salat und Mais. ´Darüber hinaus ist es ein völlig verfehlter Ansatz, falsche Ernährung mit einer Technologie zu bekämpfen, die Ökosystem und Verbraucher neuen unakzeptablen Risiken aussetzt´, so Bauer weiter.
Die TU München hatte schon in den Jahren 2003 bis 2005 Zeaxanthin-Kartoffeln in einem Freisetzungsversuch auf ihrem Versuchsgut Roggenstein in der Nähe von Fürstenfeldbruck angebaut. Der neue Versuch soll laut Antrag der Risikobewertung transgener Kartoffeln dienen. ´Offensichtlich hatten die verantwortlichen Wissenschaftler in den vergangenen Jahren lediglich die schnelle Marktzulassung im Blick. Drei Jahre zu spät sollen nun die Risiken der Gen-Kartoffeln untersucht werden´, kritisiert Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München e.V., ´und für diesen gänzlich sinnfreien Versuch werden jährlich rund 300.000 Euro Steuergelder im Ackerboden versenkt.´ Denn hinzu komme, dass die Gen-Kartoffeln ein Antibiotikaresistenz-Gen enthalten, das der Auswahl der transgenen Pflanzen im Labor dient. Ab dem Jahr 2009 sind diese Resistenzgene in der EU jedoch aus Sicherheitsgründen verboten.
Das Umweltinstitut München e.V. ruft zu Einwendungen gegen den Freisetzungsversuch der TU München auf. Interessierte Bürgerinnen und Bürger finden eine Mustereinwendung und zusätzliche Informationen unter der Internetadresse: www.umweltinstitut.org/genkartoffel
Einwendungsvordrucke können unter der Nummer (089) 30 77 49-0 auch telefonisch angefordert werden. Unterschriebene Einwendungen müssen bis zum 13. April an das Umweltinstitut München e.V. zurückgeschickt werden. Die Einwendungen werden dann gesammelt bei der Gemeinde Olching übergeben.
Bereits 2003 hatten rund 3500 Bürgerinnen und Bürger aus der Region den Einspruch des Umweltinstitituts München e.V. gegen den ersten Freisetzungsversuch der TU München unterstützt.
Noch bis zum 20. März können Interessierte bei der Gemeinde Olching bzw. in der Verwaltungsgemeinschaft Oberpöring Einsicht in die Antragsunterlagen der TU München nehmen.
Weitere Informationen:
Andreas Bauer, Dipl.-Ing. agr. (FH)Tel. (089) 30 77 49-14E-Mail: ab@umweltinstitut.org
Umweltinstitut München e.V.Landwehrstr. 64a80336 Münchenwww.umweltinstitut.org