Holzfenster ohne Tropfen, Läufer
und Gardinen fertig fluten
Eine alte Idee verwirklichen der Maschinenbauer Range & Heine, Winnenden, und der Oberflächenbeschichtungs-hersteller Remmers Baustofftechnik im niedersächsischen Löningen: Das Holzfenster in einer Art Flutanlage fertig zu beschichten. Das Ergebnis präsentierten beide Unternehmen auf der Fensterbau/Frontale in Nürnberg.Neben der hohen Oberflächenqualität steht bei diesem Verfahren die Senkung der Produktionskosten im Vordergrund: Statt meist mehr als 50% Overspray nur noch Reinigungs- und Verdampfungsverluste mit einstelligen Prozentzahlen; weniger Ausschuss durch gleich bleibende Qualität unabhängig vom Personal an der Lackierwand; keine teueren Spritzkabinen mit aufwendigen Robotern und Bilderkennungsprogrammen.
Franz Gerner (Remmers), Range & Heine Geschäftsführer Werner Heine und Hans-Joachim Preuss (Remmers) sind besonders von der hohen Schichtdicke ohne Tropfen, Läufer oder Gardinen begeistert.
Der Maschinenbauer hat die durch die Wipparm-Konstruktion bekannten Flutanlagen weiterentwickelt. Der zumindest äußerlich einer Flutanlage gleichende "Spraycomat" trägt die auf dieses spezielle Verfahren abgestimmten Endbeschichtungen von Remmers auf. Statt Flut- sind Airless-Düsen an den Wipparmen montiert, für den notwendigen Druck sorgt ein Airless-Gerät statt der Molchpumpe. Ansonsten bleiben die Vorteile der Flutanlage: glatte Kabine mit antihaftendem Kunststoff sowie die hohe Luftfeuchtigkeit in der Anlage verhindern das Aushärten der Beschichtung, einfach zu montierende Farblanzen erleichtern den Farbwechsel.
Die Remmers-Produkte der Induline Serie erlauben es, das Fenster in dem "Spraycomat" ohne Tropfen und Läufer mit einer bislang nicht gekannten Nassschichtstärke von über 225µ fertig zu fluten".
Hans- Joachim Preuss aus dem Hause Remmers sieht im Fertigfluten eine Qualitätsverbesserung gegenüber airless-elektrostatischen Verfahren: In den Eck-verbindungen sei die Gefahr der Unterbeschichtungen dadurch gebannt. "Strom kriecht einfach nicht in Hohlräume", erinnert er an die Wirkung des Faraday-Käfigs.
Wie exakt die Remmers-Produkte auf das neue Verfahren abgestimmt sind, erkennt der Fachmann bereits daran, dass die Fenster waagrecht aufgehängt werden.
Eine ablaufsichere Aufhängung ist nicht notwendig, ebenso wenig wie Konstruktionsänderungen a`la Soft-Linie-Profil, um einen besseren Ablauf der Beschichtung zu garantieren.
Bohrungen stellen keine Fallen für Abläufer mehr dar, der Holzrahmen wird optimal benetzt. Kontinuierlich sprühen die Düsen die Farbe auf das Fenster. Überschüssiges Material folgt einfach der Schwerkraft und wird vom Sammelbecken wieder zu den Düsen gepumpt.
Das Material kann im Gegensatz zu Spritzkabinen vollständig wieder verwendet werden. Tests bei Range & Heine haben gezeigt, dass das Material selbst nach einer 8-Stunden-Schicht nicht an Viskosität verliert. Die zum Beschichten notwendige minimale Schaumbildung hat die Holzforschung Austria dem norddeutschen Holzschutz-Spezialisten bereits 2003 bescheinigt.
Remmers empfiehlt das Fertigfluten für Betriebe mit hohem Anteil von weißen Fenstern oder Holz-Aluminium Fenstern. Für Holz-Alu kann die farbige Grundierung konventionell auftragen und für die farblose Endbeschichtung das neue System eingesetzt werden.
Betriebe, die anspruchsvollere Holzarten wie Lärche, Merbau oder Meranti verarbeiten, werden das Verfahren schätzen, da die hohe Schichtdicke der Isolierenden Beschichtungen Durchschläge der Holzinhaltsstoffe und Verfärbungen verhindert. Vom deutlich reduzierten Overspray profitieren Fensterbauer, die viele komplexe Konstruktionen wie Sprossenfenster bei geringer Farbvielfalt produzieren. Bei Remmers ist man überzeugt, dass die ganzheitliche Flutlackierung ein weiterer wichtiger Schritt ist, die Marktanteile des Holzfensters auszubauen.