Meisterbrief: Kein Positionswechsel des Landes

Meisterbrief: Kein Positionswechsel des Landes

Stuttgart. Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) hat die deutliche Absage von Ministerpräsident Erwin Teufel an Überlegungen zur Abschaffung des Meisterbriefs begrüßt.,,Damit hat Teufel unmissverständlich klar gemacht‘‘, erklärte BWHT-Hauptgeschäftsführer Hartmut Richter, ,,dass es keinen Positionswechsel des Landes Baden-Württemberg in dieser Frage gibt.‘‘ Richter nahm damit Bezug auf die Rede des Wirtschaftsministers und FDP-Landesvorsitzenden Walter Döring anlässlich des Dreikönig-Parteitags der FDP. Darin und in einer nachfolgenden Pressemitteilung seines Ministeriums hatte der stellvertretende Ministerpräsident erklärt, er gebe dem Meisterbrief als Zugangsregelung zur selbstständigen Handwerksausübung keine Zukunft mehr.

Der Meisterbrief, betonte Richter, sei nach wie vor die gezielteste Ausbildung zur Selbstständigkeit. Er sei nicht nur ein Zeugnis über handwerkliche Qualitätsarbeit, sondern auch der Befähigungsnachweis zur Führung eines Betriebs und zur Ausbildung von Lehrlingen. Richter:
"Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erweisen sich Handwerksbetriebe als wesentlich stabiler.‘‘ Rund 70 Prozent der Existenzgründungen im Handwerk seien fünf Jahre nach dem Start noch am Markt aktiv, während in den anderen Wirtschaftsbereichen der Anteil gerade mal bei 30 Prozent liege. Nirgendwo sei zudem die Selbstständigenquote so hoch wie im Handwerk. Es sei eben keineswegs so, dass der Meisterbrief, wie von Kritikern häufig behauptet, eine ,,geschlossene Gesellschaft‘‘ schütze. Die Handwerksordnung biete für gleichwertige Qualifikationen und durch Sonderregelungen schon längst eine Reihe von Zugangsmöglichkeiten.

Es sei das Handwerk, nicht die Großindustrie, das jungen Leuten Zukunft sichere und Ausbildungsplätze schaffe, sagte Richter weiter. Ein Verzicht auf die Meisterprüfung führe nicht nur zu einem Absinken des Niveaus in der Handwerksausbildung, sondern langfristig auch zu einem Imageverlust des Handwerks insgesamt. Richter: ,,Mit der Senkung von Lohnnebenkosten und steuerlichen Entlastungen oder dem Abbau von Bürokratie wären dem Handwerk, seinen Kunden, aber auch den Arbeitsplatzsuchenden mehr gedient als mit dem Abschaffen des Meisterbriefs.‘‘

Das Handwerk in Baden-Württemberg beschäftigt in rund 118.000 Betrieben mehr als 800 000 Mitarbeiter und 62 000 Auszubildende.


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