Handwerkstag: Höhere Abgaben verleihen Schattenwirtschaft Flügel
Stuttgart. Das baden-württembergische Handwerk steht nach Einschätzung des Handwerkstages (BWHT) vor einem weiteren schlechten Jahr und einem anhaltenden Arbeitsplatzabbau. Landeshandwerkspräsident Klaus Hackert sagte im Vorfeld der Mittelstands-Demonstration in Stuttgart, er rechne für 2003 mit einem Minus bei den Umsätzen und dem Abbau von weiteren zehntausend Arbeitsplätzen. Die Hoffnung stirbt zuletzt mit diesen Worten, so Hackert, lasse sich wohl die wirtschaftliche Situation der rund 118.000 baden-württembergischen Handwerksbetriebe in den letzten zwölf Monaten am besten umschreiben. Was sich moderat im vorletzten Sommer angekündigt habe, sei längst zu einer Lawine geworden. Die Konjunkturkrise habe das Handwerk buchstäblich überrollt. Die anhaltende Konsumzurückhaltung sowie die fehlende Investitionsnachfrage hätten für Umsatzverluste in allen Handwerksbranchen gesorgt. Längst lasse sich der Einbruch nicht mehr alleine mit der miserablen Situation im Bauhandwerk beschreiben, das allein rund ein Drittel der wirtschaftlichen Potenziale des Handwerks stelle.
Komme es nicht endlich zu raschen Veränderungen, so werde sich die Situation für das Handwerk weiter verschlechtern und der Stellenabbau zunehmen. Seit zwei Jahren stagniere der Umsatz und es seien zugleich rund 25.000 Arbeitsplätze abgebaut worden.
Auch für das laufende Jahr sieht Hackert wenig Chancen, dass wir endlich wieder den Vorwärtsgang einlegen können. Als aussagekräftiger Indikator habe sich in der Vergangenheit immer die Investitionsbereitschaft der Betriebe erwiesen. Fast zwei Drittel der Unternehmen planten im laufenden Quartal keine Investitionen und 14 Prozent hätten angekündigt, ihren Mitarbeiterstand verringern zu wollen. Die Unternehmen hätten wegen einer dramatisch verschlechterten Eigenkapitalsituation keinerlei Puffer mehr.
Er habe keinerlei Verständnis dafür, sagte Hackert in diesem Zusammenhang, wenn Wirtschaftsminister Clement ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten den Meisterbrief in Frage stelle: ,,Der Meisterbrief ist und bleibt eine Qualitätsgarantie. Er biete nach wie vor die gezielteste Ausbildung zur Selbstständigkeit und er sei nicht nur ein Zeugnis über handwerkliche Qualitätsarbeit, sondern auch der Befähigungsnachweis zur Führung eines Betriebs und zur Ausbildung von Lehrlingen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erwiesen sich Handwerksbetriebe als wesentlich stabiler.
Die Bundesregierung, daran erinnerte Hackert, sei 1998 mit dem Versprechen ins Amt gewählt worden, Verkrustungen aufzubrechen, einen neuen Weg zu gehen, grundlegende Reformen anzupacken. Sie habe dies auch getan: Aber eben nur ansatzweise - und teilweise auch gegenläufig. Immer neue Abgaben und Lasten seien auf die Arbeitsverhältnisse draufgepackt worden. Renten- und Krankenversicherungen seien drastisch in die Höhe geschnellt. Neben der Steuer- und Abgabenlast komme die Bürokratie hinzu, die den Unternehmen wie ein Mühlstein um den Hals hänge. Trotz Konjunkturflaute und Massenarbeitslosigkeit werde heute so viel gearbeitet wie nie zuvor aber nur im illegalen Sektor, also in der Schattenwirtschaft. Und dies sei ganz klar ein Symptom für eine verfehlte wirtschaftspolitische Weichenstellung.
Für 2002 werde bundesweit ein Volumen der Schwarzarbeit in Höhe von rund 350 Milliarden Euro erwartet, erklärte Hackert. Handwerker, die Steuern und Sozialbeiträge zahlten seien die Verlierer. Was notwendig sei, mache die Schattenwirtschaft vor: ,,Die Personalkosten müssen runter! Wenn sich dies nicht von heute auf morgen realisieren lasse, gebe es andere Wege: ,,Eine halbierte Mehrwertsteuer zwischenzeitlich ein Erfolgsmodell aus Frankreich - kann man rasch umsetzen, dasselbe gilt für die Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen im Bau. Es müsse endlich Schluss damit sein, dass immer höhere Abgaben der Schattenwirtschaft Flügel verleihen.