Fertigbaubranche übt schwere Kritik: Eigenes Heim gehört nicht zu Riesters Rentenkonzept
Das aktuelle Diskussionspapier des Bundesarbeitsministeriums mit Datum vom 21. September, das dem Bundesverband Deutscher Fertigbau vorliegt, bestätigt alle Befürchtungen der Holzfertigbaubranche: Wohneigentum fällt nicht unter die Anlageformen, die im Zuge der privaten Altersvorsorge künftig gefördert werden sollen. Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, erklärt dazu:Die Bundesregierung zieht mit dieser Vorgehensweise, die heute in den Fraktionen von SPD und Grünen in Form eines Referentenentwurfs vorgestellt werden wird, vielen Häuslebauern den Boden unter den Füßen weg. Die Zahl der Bauwilligen, die über das nötige Einkommen verfügen, um vier Prozent des Bruttogehaltes als Altersvorsorge anzulegen und gleichzeitig noch den Wunsch von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen, dürfte gering sein. Ohne Zweifel werden sich die meisten Familien mit Kindern schweren Herzens gegen das eigene Haus entscheiden müssen.
Gleichzeitig leistet die Bundesregierung einen baupolitischen Offenbarungseid, indem sie der Förderung von Eigentum offensichtlich keinen hohen Stellenwert mehr einräumt. Diese Linie wird vom eigentlich zuständigen Bundesbauminister offensichtlich nicht nur stillschweigend hingenommen, sondern auch gebilligt.
Die Gründe, die die Bundesregierung für das Ausklammern des Wohneigentums im Rentenkonzept aufführt, sind mehr als fadenscheinig. Gefördert werden sollen, laut Diskussionspapier, Anlageformen, die im Alter eine lebenslange Rente zahlen. Unverständlich ist, warum in diesem Zusammenhang das mietfreie Wohnen nicht als eine Form der lebenslangen Rente verstanden wird. Denn die monatliche Ersparnis durch Wohneigentum in Deutschland beträgt 740 DM. Dies entspricht bei einem
Rentnerehepaar mit einem Einkommen zwischen 1.800 und 2.700 DM einer zusätzlichen Rente von über 30 Prozent. Weiter zu bedenken ist, dass Immobilienvermögen in den letzten Jahren stetig in seinem Wert gestiegen ist. Der Ring Deutscher Makler hat für die letzten 25 Jahre eine Steigerungsrate von mehr als 100 Prozent für Einfamilienhäuser verzeichnet. Immobilienbesitz als Geldanlage garantiert also einen sicheren und vor allem beständigen Wertzuwachs. Der weitaus größte Teil der Bundesbürger (immerhin 70 Prozent) schätzt das eigene Heim daher zu Recht als sicherste Form der Altersvorsorge.
Die Vorschläge des Arbeitsministeriums werden eines ganz klar bewirken, es wird zu einem gewaltigen Run auf Lebensversicherer, Banken und Anlagefonds kommen.
Parallel dazu wird die gesamte Eigenheimbranche immerhin ein zutiefst mittelständisch geprägter Wirtschaftsbereich durch diese ungerechte Benachteiligung massive Einbrüche erleiden. Die Folgen im Bausektor, der zur Zeit bekanntermaßen in einer schweren konjunkturellen Krise steckt, werden einschneidend sein. Auch hierzu hüllt sich der Bundesbauminister in Schweigen. Dem Bundesarbeitsminister, der immerhin einst eine führende Rolle in der Gewerkschaft inne hatte, sind die Existenzsorgen der Arbeiter und Angestellten im Baubereich offensichtlich gleichgültig, denn aus seinem Haus stammt dieses Papier.
Die parlamentarischen Beratungen des Referentenentwurfs beginnen in den nächsten Tagen. Unser dringender Appell richtet sich an alle politisch Verantwortlichen, das Altersvorsorgekonzept in diesen wichtigen Bereichen zu korrigieren und alle Anlageformen gerechterweise gleich zu behandeln.