Fertigbauer: Massive Einbrüche auf dem Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser - Politik lässt Bauwirtschaft im Stich

Fertigbauer: Massive Einbrüche auf dem Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser - Politik lässt Bauwirtschaft im Stich

Zur Lage der Fertigbaubranche erklärt der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, Hans Weber, anlässlich der Jahrestagung des Verbandes in Leipzig:

Der Bauwirtschaft geht es zur Zeit in Deutschland alles andere als rosig. Erstmals ist in diesem Jahr auch der Ein- und Zweifamilienhausbau von einem starken Rückgang betroffen. Kurz vor Ende des Jahres kommen wir nicht umhin festzustellen, dass sich die besorgniserregende Entwicklung, die sich zur Mitte des Jahres abzeichnete, bis heute nicht ins Positive gewendet hat. Die Zahl der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser ging im ersten Halbjahr dieses Jahres um insgesamt 7,2 Prozent zurück. Seit Mai ist allerdings ein deutlich negativer Trend zu verzeichnen. Im Monat Juni reduzierten sich die Baugenehmigungen um 28 Prozent, im Juli um 23,6 Prozent und im August nochmals um 22,5 Prozent. Der deutsche Fertigbau bleibt von dieser alarmierenden Entwicklung natürlich nicht verschont. Obwohl wir insgesamt unseren Anteil von gut 14 Prozent halten konnten, ist die schwache Baugenehmigungsentwicklung in den Auftragsbüchern unserer Mitgliedsunternehmen deutlich zu spüren.

Es ist heute fraglich, ob unsere Branche für das Gesamtjahr 2000 zumindest das Vorjahresergebnis wird halten können. 1999 erreichte der Fertigbau einen Marktanteil in Höhe von 14,8 Prozent, dies entspricht rund 32.000 genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern. Das heißt: Damit wird nahezu jedes sechste Haus in Deutschland in Fertigbauweise errichtet.

Während im vergangenen Jahr vor allem in den alten Bundesländern deutliche Zuwächse verzeichnet werden konnten - die Zahl der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser kletterte im Fertigbaubereich um 6,3 Prozent auf 22.075 kam es in den neuen Bundesländern zu leichten Einbußen, allerdings auf einem sehr hohen Ausgangsniveau. Die Zahl der Baugenehmigungen ging im Fertighausbereich um 5,7 Prozent auf 9.891 zurück. Im Ein- und Zweifamilienhausbau insgesamt kam es zu Rückgängen in Höhe von 2,7 Prozent. Mit einem Anteil von 22,3 Prozent lag der Fertigbau immer noch wesentlich höher als im früheren Bundesgebiet.

Die Baugenehmigungen für den Ein- und Zweifamilienhausbau lagen 1999 in Deutschland bei insgesamt 215.772. In Fertigbauweise wurden im letzten Jahr 31.966 Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt. Davon wurden 15.400 von den 41 BDF-Mitgliedsfirmen gebaut.

Der Umsatz der BDF-Unternehmen konnte im Jahr 1999 um rund 1 Prozent auf 3,9 Mrd. DM gesteigert werden. Für das laufende Jahr sind die neuen, den BDF-betreffenden Zahlen deutlich höher, was Umsatz und Zahl der Beschäftigten angeht, denn erfreulicherweise ist die Zahl der Mitglieder im BDF auf 41 Unternehmen angestiegen. Damit repräsentiert der BDF praktisch zu 100 Prozent die klassische Holz-Fertigbaubranche. Der Jahresumsatz dieser Unternehmen lag 1999 bei insgesamt ca. 4,27 Mrd. DM. Die Zahl der Mitarbeiter beträgt rund 15.400 Arbeiter und Angestellte.

Auch wenn sich die wirtschaftliche Gesamtlage im Ein- und Zweifamilienhausbau massiv verschlechtert hat, bleibt voraussichtlich die Zahl der gebauten Fertighäuser konstant. Hiermit setzt sich eine Tendenz der letzten Jahre fort, dass verstärkt kleinere Häuser gebaut werden. Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für Fertighäuser in Holzbauweise in den letzten Jahren bundesweit durchschnittlich von 324.000 DM im Jahr 1995 auf 314.000 DM im Jahr 1999 gesunken. Hieran ist auch klar der Trend zu Ausbauhäusern ablesbar. Die Preisspanne für diese reicht von 1.300 DM bis zu 1.950 DM pro Quadratmeter Grundfläche (ohne Keller). Schlüsselfertige Häuser werden im Fertighausbereich ohne Keller ab 2.200 DM pro qm und mit Keller ab 2.800 DM pro qm angeboten.

Keine Rückendeckung aus der Politik

Für den Bundesverband Deutscher Fertigbau sind die Gründe für diese negative Entwicklung im Bereich des Ein- und Zweifamilienhausbaus vor allem in den unsteten und unkoordinierten politischen Entscheidungen zu suchen, die zu großen Verunsicherungen bei vielen Bauwilligen geführt hat. Die Reihe von Beispielen, die belegen, dass der Eigenheimbau von politischer Seite immer schlechter gestellt wird, ist lang: die Reduzierung der Einkommensgrenzen für die private Eigenheimförderung im letzten Jahr, die anstehende Erhöhung der Erbschaftssteuer auf Immobilien und eine zu erwartende Höherbewertung vorhandenen Grundbesitzes im Rahmen der Grundsteuerreform bis 2005.

Die Bundesregierung hat in diesen Tagen ihre politische Halbzeitbilanz gefeiert. Baupolitisch hat sie allerdings kein Ruhmesblatt vorzuweisen. Im Gegenteil: Dem Bundesbauminister muss ein Armutszeugnis ausgestellt werden. Eine gestaltende oder gar vorausschauende Baupolitik findet nicht mehr statt. Entscheidungen, die die Baubranche betreffen, fallen offensichtlich eher im Finanzministerium.

Anstatt am Kabinettstisch für die Interessen dieses wichtigen Wirtschaftsbereichs zu kämpfen, taucht Minister Klimmt ab. Für die Probleme der Branche ist er so gut wie gar nicht zu sprechen diese Erfahrung hat im übrigen die gesamte Bauindustrie inzwischen gemacht.

Wir haben in Deutschland eine Eigenheimquote von nur 41 Prozent und liegen damit in Europa an vorletzter Stelle. Zum Vergleich: Spitzenreiter sind Länder wie Spanien, Irland und Norwegen mit Eigenheimquoten bis über 80 Prozent. Der Bundesbauminister denkt aber offensichtlich nicht im entferntesten daran, diese Quote zu verbessern. Im Gegenteil: Die Schaffung von privatem Wohneigentum wird immer weiter erschwert. Selbst angesichts der aktuell äußerst schwierigen Lage der Baubranche gehen von diesem Minister keine Initiativen zur Stärkung der Branche aus.

Als Fertigbaubranche vertreten wir inzwischen die klare Linie, auf einen Bundesbauminister besser ganz zu verzichten und dafür diesen wichtigen Bereich in das Wirtschaftsministerium zu verlagern. Dies macht vor allem auch deshalb Sinn, da dieses Ministerium offensichtlich nur ein Versorgungsposten für Parteisoldaten ist, wie man an den beiden Ministern in dieser Legislaturperiode, Müntefering und Klimmt, feststellen kann.


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