Trendwende zum Umbau
Dr. Claudia Schwalfenberg 19.11.2001
Als neue Wertschätzung des Bauens im Bestand begrüßte der Präsident der Bundesarchitektenkammer (BAK) Peter Conradi gestern die Verleihung des Deutschen Architekturpreises an die Architekten Auer + Weber + Partner. "Wenn wir mit der Neugestaltung des Ruhrfestspielhauses in Recklinghauen zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Architekturpreises einen Umbau auszeichnen,", so Conradi wörtlich, "hat das einen guten Grund: Der riesige Baubestand in Deutschland muss neuen Anforderungen angepasst werden."Die Beseitigung der in den letzten Jahrzehnten vorhandenen Versorgungsdefizite sei weit vorangeschritten. Das Bauen im Bestand gewinne daher immer mehr an Bedeutung. "Es wird in Deutschland weniger neu gebaut werden als bisher.", so Conradi weiter. "Das Bauen im Bestand ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein kulturelles Gebot."
Das Bauen im Bestand könne in Zukunft noch attraktiver gemacht werden, wenn Möglichkeiten zur Kostenreduktion konsequent genutzt werden: "Viele meinen, sich Voruntersuchungen des Bestandes schenken zu können, zahlen aber hinter drauf. Ohne Pläne des bereits Vorhandenen ist ein seriöser Umbau kaum möglich. Und nur eine Untersuchung des Baubestandes zeigt, welche Stoffe sich verwerten lassen oder wo Gefahren lauern."
Der Gesetzgeber müsse jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzen: "Es ist völlig unverständlich, dass das Bauen im Bestand gegenüber dem Neubau immer noch steuerlich benachteiligt wird."
Das Problem setze aber häufig schon viel früher an: "Es ist ein Skandal, wie sehr unsere öffentlichen Gebäude, unsere Kindergärten und Schulen unter mangelnden Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten leiden. Wir dürfen nicht die Fehler der DDR wiederholen und ,Ruinen schaffen ohne Waffen."
Respekt vor dem wirtschaftlichen und kulturellen Wert der Bauleistungen früherer Generationen heiße zweierlei: "Erstens müssen wir den Baubestand pflegen. Zweitens müssen wir ihn neuen Anforderungen anpassen. Und das in der Architektursprache unserer Zeit, welche die ursprüngliche Architektur des Gebäudes nicht erschlagen, sondern aufgreifen, bereichern und verfeinern soll."