Deutschland will Trendwende für den Schutz der biologischen Vielfalt erreichen
Die Folgen des Rückgangs der biologischen Vielfalt sollten weltweit stärker in das öffentliche Bewusstsein getragen werden. Das ist die wichtigste aus einer ganzen Reihe von Empfehlungen an die Politik, mit denen heute in Berlin eine dreitägige Expertentagung zur Vorbereitung des UN-Naturschutzgipfels im Mai 2008 in Bonn zu Ende gegangen ist. ÂNeben der Klimaveränderung ist die weltweite Zerstörung von Ökosystemen die größte globale umweltpolitische Herausforderung. Wir wollen bis zum Jahr 2010 eine Trendwende erreichen, dafür muss das Thema weltweit auf die politischen TagesordnungenÂ, sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig.Zur Vorbereitung des Weltgipfels zur biologischen Vielfalt im Mai 2008 in Bonn hatte das Bundesumweltministerium für den 13.-15. Dezember 2006 zu einer international hoch¬rangig besetzten Fachtagung eingeladen. Dabei ging es um konkrete Strate¬gien und Maßnahmen, um eine Trendwende beim Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 einzuleiten. Zu diesem Â2010-Ziel hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Welt auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg 2002 verpflichtet. ÂWir wollen als Gastgeber beim UN-Naturschutzgipfel 2008 in Deutschland einen ent¬scheiden¬den Beitrag zur Trendwende beim Verlust der Biodiversität leisten. Deshalb haben wir rechtzeitig vor der Konferenz das weltweit verfügbare Expertenwissen mobili¬siert, um frühzeitig und außerhalb des normalen Vorbereitungsprozesses die internatio¬nale Dis¬kussion zu anzustoßenÂ, sagte Machnig.
Die Experten empfehlen unter anderem eine bessere Verzahnung mit den anderen Um¬weltkonventionen, insbesondere mit der Klimarahmenkonvention, sowie eine stärkere In¬tegration von Biodiversitätsfragen in alle relevanten Politikbereiche, wie Landwirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Welthandel. Ein ständiger Ausschuss soll den schwer¬fälligen und administrativen Vorbereitungsprozess für Vertragstaatenkonferenzen effizi¬enter gestalten. Ein unabhängiges Wissenschaftsgremium, ähnlich dem internationalen Expertengremium für Klimawandel der UN (IPCC), soll eingerichtet werden, um die Poli¬tikberatung zu Themen der Artenvielfalt zu verbessern. Und vor allem sollte das öffent¬liche Be¬wusstsein für den weltweiten Biodiversitätsverlust gestärkt werden. Hierzu empfehlen die Exper¬ten die Untersuchung der volkswirtschaftlichen Kosten für unterlassene Bio¬diversitätsschutz¬maßnahmen und den dadurch entstehenden Verlust von Ökosystemlei¬stun¬gen.
Machnig unterzeichnete zum Ende der Tagung die ÂCountdown-2010Â-Deklaration. Mit dieser De¬klaration verpflichtet sich das Bundesumweltministerium, seine Bemühungen zur Erreichung des 2010 Zieles zu verstärken und insbesondere während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft die Arbeiten an einem internationalen Meeresschutzgebietsnetz voranzutreiben sowie einen europäi¬schen Expertenworkshop zum Thema Â2010-Ziel und Marine Ökosysteme zu veranstalten. Darü¬ber hinaus will das Bundesumweltministerium die Privatwirtschaft für Belange der biologischen Vielfalt gewinnen und sich für ein verstärktes Engagement der Städte und Kommunen einsetzen. Biodiversität soll ein Schwerpunktthema während der deutschen EU- und G-8 Präsidentschaft werden. Rund 125.000 Hektar für den Naturschutz hochwertige Bundesflächen sollen an die Bun¬desländer und die Na¬turschutzverbände überführt und eine nationale Strategie zum Schutz der biologischen Vielfalt verabsc!
hiedet werden.