Gläserne Manufaktur Dresden im LeichtbauKonzept
Gläserne Manufaktur Dresden im Leichtbaukonzept
Die Gläserne Manufaktur Dresden ist mehr als nur Fabrik. Sie ist gebaute Corporate Identity. Mit einer filigranen Hülle aus Stahl und Glas und einem eleganten Kern aus Trockenbauelementen.
In der Gläsernen Manufaktur Dresden ist der Kunde noch König. Er darf im eigens geschaffenen Kundenzentrum Zubehör, Farbe und Stoffe seines gewünschten VW Phaeton auswählen und im Anschluss die Montage des eigenen Wagens auf Laufstegen verfolgen. Nur 36 Stunden später kann er sein Auto in Empfang nehmen. Mit der Oberklassenlimousine Phaeton hat VW nicht nur ein neues Produkt kreiert, sondern auch ein neues Image: Vom Volkswagenkonzern zum Hersteller einer Luxuskarosse. Die gläserne Manufaktur Dresden ist sichtbarer Beweis dieses neuen Selbstverständnisses, stellt gebaute Corporate Identity dar. Eine filigrane Haut aus Stahl und Glas steht für die elegante Linie der Gesellschaft. Ihre Beweglichkeit, Grazie und Leichtigkeit beweist sie mit der Innenausstattung des von Henn Architekten Ingenieure geplanten Hauses: Fast alle Wände, Decken und Brüstungen sind in Trockenbau konzipiert.
Rund 30.000 m² Knauf Platten werten den in Montage- und Event-Bereich gegliederten Komplex auf, etwa 4.000 davon als gerundete Wand- und Deckenflächen. Das kommt in dieser Größenordnung selten vor, betont Uwe Schmidtchen, Geschäftsführer der mit den Trockenbauarbeiten beauftragten Jaeger-Akustik GmbH + Co. KG Dresden. Bei den Rundungen mussten die Monteure daher in die Trickkiste der gelernten Techniken greifen: Wir haben einen Großteil der Platten trocken gewölbt, andere in Schablonen nass vorgebogen, zum Teil in mehreren Etappen. Und für ganz enge Radien haben wir Formteile montiert, erinnert sich Schmidtchen.
Besonders krumm ging es in den zwei so genannten Nockentowern zu. Die einer Nockenwelle nachempfundenen Baukörper liegen im Montagebereich der gläsernen Manufaktur und stellen dort die Bürozone dar. Notwendige Installationsschächte verlaufen zum Teil entlang der gekrümmten Außenwände als gebogene Vorsatzschalen. Diese einseitig doppelt beplankten Metallständerkonstruktionen werden in regelmäßigen Abständen von runden Dehnungsfugen unterbrochen. Rund oder besser ellipsenförmig sind auch die Fahrstuhlschächte in den beiden Türmen: in Radien zwischen zwei und drei Metern schrauben sie sich drei beziehungsweise fünf Etagen weit hoch. Ihren Unterbau bildet ein Metallständerwerk aus CW-50 sowie CW-75-Profilen, das beidseitig zweilagig beplankt ist. Im Regelfall mit 12,5 mm dicken waagerecht verlegten Bauplatten. Dort, wo die Radien besonders eng sind, mit 6,5 mm dicken Knauf Formplatten.
Einzelne Etagen sind in F 90 ausgebildet. Alle zieren abgehängte Gipskartondecken mit den ellipsenförmigen Baukörpern folgenden umlaufenden Lichtvouten. Diese auf der Metall-Unterkonstruktion CD 60/27 basierenden Decken sind einfach mit Knauf-Platten beplankt. Sämtliche Platten wurden auf der Baustelle zugeschnitten und mit Einfassprofilen gefasst.
Die Montagehalle der Gläsernen Fabrik einen L-förmigen, etwa 125 x 125 m großen Komplex steifen mehrere überdimensionale Stahlstreben aus. Diese Aussteifungskreuze unterliegen der Feuerwiderstandsklasse F-90. Daher sind die waagerecht verlaufenden, viereckigen Träger mit Knauf Fireboard ummantelt, die Diagonalen mit Conlit-Schalen und einer Blechverkleidung.
Im Event-Bereich der Gläsernen Manufaktur bauen sich unter einer 2.600 m² großen Streckmetalldecke sowohl der VIP-Baukörper, als auch der Verwaltungsbaukörper auf. Beide Bauteile sind über nierenförmige Besucherbrücken in 6 und 12 m Höhe miteinander verbunden. Ebenfalls in 12 m Höhe steht auf vier Stahlbetonstützen ein so genanntes Glasstudio, welches Einblicke in den direkten Montagebereich ermöglicht. Von unten zeigt sich das Studio als kegelförmige Gipskartondecke: Ein Ring mit gerundeten Aufkantungen aus vorgefertigten Formteilen umhüllt im Zentrum eine kreisförmige Akustikdecke. Errichtet ist dieses Gebilde auf Basis der Metall-Unterkonstruktion CD 60/27 mit einer einfachen Beplankung aus 12,5 mm dicken Gipsplatten. Derselbe Aufbau findet sich in der Decke über der Werkskantine wieder. Hier zieren allerdings eckige, nicht runde, Formteile als Gipsplattenfries den Deckenspiegel. Die Fläche zwischen den Friesen ist mit Deckensegeln aus lichtdurchlässiger Akustikfolie bespannt.
Der VIP-Baukörper auch Kundenturm genannt ist als radial angelegte, schräg geneigte Konstruktion aufgebaut und von innen zweilagig mit Knauf-Platten beplankt. Auch das innenliegende Treppenhaus setzt sich aus geneigten Gipsplattenwänden auf elliptischem Grundriss zusammen. Alle Wände bestehen aus Doppelständerwerk aus CW 100 Profilen und UA 100 Profilen. Als Beplankung dienen doppelt verlegte, 12,5 mm dicke Bauplatten. Die Decke in diesem Treppenhaus wurde als dreidimensional gewundene Knauf-Decke mit einer Schattenfuge ausgebildet. Die Decken im VIP-Baukörpers zieren abgehängte Deckenspiegel aus Gipsplatten mit umlaufenden Lichtvouten, die dem elliptischen Grundriss des Baukörpers folgen. Das Ganze basiert auf einer Metall-Unterkonstruktion CD 60/27 mit einer einlagigen Beplankung aus 12,5 mm dicken Gipsplatten.
Der ebenfalls im Event-Bereich gelegene Verwaltungsbaukörper ist zwar auf einem rechteckigen Grundriss aufgebaut, jedoch innen mit einer geneigten, gerundeten Vorsatzschale bekleidet. Deren Metallunterkonstruktion haftet auf der Stahlkonstruktion des Baukörpers. Als Bekleidung dienen zwei Lagen aus 12,5 mm dicken Knauf-Platten. Den Übergang von der Vorsatzschale respektive Wandbekleidung zur Gipsplattendecke bilden viertelkreisförmige Formteile, die im Werk vorgefertigt wurden.
Die geschwungenen Betonbrüstungen der so genannten Nierenbaukörpern bzw. Besucherplattformen, tragen ein Gewand aus zwei Lagen 12,5 mm dicken Gipsplatten. Den Unterbau bildet eine geneigte Metallunterkonstruktion, die direkt an den Betonbaukörper gedübelt und mit schräg verlaufenden CW-Profilen ausgesteift wurde.
So sehr die Architekten auch Glas und Stahl betonen, hier im Inneren des Event-Bereiches übernehmen Trockenbau-Konstruktionen mit Gipsbaustoffen eine wesentliche Rolle. Beim Ausbau des Kundenturms, beim Brückenbauwerk und in dem Verwaltungskomplex beweisen Trockenbau-Systeme ihre Anpassungsfähigkeit und Einsatzmöglichkeit für verschiedenartigste innenarchitektonische Formen.
C.R.
Bauherr: Volkswagen AG Wolfsburg
Architekten und Gesamtplaner: Henn Architekten München/Berlin
Trockenbau: Jaeger Akustik, Dresden
Fachberatung: Ralf Lehmann, Knauf Produktmanager Verkaufsbüro Leipzig
Fotos: Knauf, Prof. Leistner