Ganzheitlich betrachtet
Baulogistik ist mehr, als Baustelleneinrichtungen zu planen und zu dimensionieren. Baulogistik funktioniert nur, wenn ein ganzheitliches Konzept dahinter steht. Doch das ist nicht die einzige Erkenntnis des ersten Deutschen Baulogistiktages, der am 15. Juni an der Fachhochschule Münster in Zusammenarbeit mit dem Essener Unternehmen Streif Baulogistik ausgerichtet wurde. 30 angehende Bauingenieure brüten über Lageplänen. Sie sollen eine fiktive Großbaustelle unter baulogistischen Aspekten analysieren. Da ist ja auch noch ein Seniorenheim! Stephanie Hilbring entdeckt erst jetzt, dass auch die zweite Zufahrt der Baustelle an einer heiklen Stelle liegt. Eine Grundschule steht direkt gegenüber der ersten Zufahrt zu der Großbaustelle. Die Studentin im sechsten Semester lässt sich von solchen Schwierigkeiten nicht entmutigen. Zusammen mit ihren Kommilitonen, die alle gemeinsam am Workshop des ersten Deutschen Baulogistiktages in Münster teilnehmen, wird sie das Problem lösen.
Es ist an der Zeit, dass die Baulogistik auch in Deutschland endlich den Stellenwert einnimmt, den sie in anderen europäischen Ländern längst inne hat, begründen die Professoren Ulrich Weber und Richard Dellen, die die Vertiefungsrichtung Baubetrieb und Baumanagement an der Fachhochschule Münster vertreten, den Schritt, einen Tag der Baulogistik auszurichten. Es sei doch eigentlich selbstverständlich, dass Praxis und Forschung von Anfang an zusammenarbeiten, unterstreicht Henrik Hauser, Bauingenieur am Fraunhofer-Institut, in seinem Vortrag über ein Kompetenzzentrum Baulogistik, das im Februar dieses Jahres in Dortmund gegründet wurde.
Thorsten Wiesendorfer, Geschäftsführer der Streif Baulogistik, Essen, fordert eine intensivere Zusammenarbeit von Forschung und Praxis. Deshalb initiierte er gemeinsam mit dem Fachbereich Bauingenieurswesen der Fachhochschule Münster den Tag der Baulogistik. An Beispielen aus dem Baustellenalltag erläutert er den Studierenden, dass es der Baulogistik nicht nur gelingt, Kosten zu senken, sondern vor allem, Kosten zu vermeiden. Diplom-Kaufmann Wiesendorfer erklärt den zukünftigen Bauingenieuren, das größte Einsparpotenzial liege in der ganzheitlichen Betrachtungsweise der Baulogistik: Was früher und oft genug in letzter Minute auf der Baustelle nur gerettet wurde, sehen wir in einem ganzheitlichen Konzept vor Baubeginn und das ist insgesamt erheblich preiswerter.
Nachdem Hilmar Troitzsch, Bauingenieur bei der Streif Baulogistik, den Studierenden die ganzheitliche Betrachtung im Einzelnen unterbreitet hat, veranschaulicht sein Kollege Ralf Brinckmann die theoretischen Grundlagen am praktischen Beispiel Rheinauhafen, einer Großbaustelle in Köln.
Nach so viel Theorie stürzen sich die Studierenden mit Begeisterung in den Workshop, um endlich für die Baustelle eine Lösung auch unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Seniorenheim und Grundschule praxisnah und ganzheitlich zu finden. Die Baulogistiker geben ihnen Recht.
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