Historische Fassade der Sophienschule in Hof mit Kunststofffenstern
Holz- oder Kunststofffenster? Für ein denkmalgeschütztes Gebäude die am besten geeigneten Fenster auszuwählen, ist gar nicht so einfach. Einerseits soll modernen technischen Forderungen wie Wärme- und Schallschutz Rechnung getragen werden, andererseits sind Denkmalschutzauflagen zu beachten, um die historische Ausstrahlung des Gebäudes authentisch zu erhalten. In Hof wurde dieses scheinbare "Dilemma" nun mit maßgeschneiderten Kunststofffenstern von GEALAN gelöst. Die mehr als 100 Jahre alte Sophienschule präsentiert sich in neuem Glanz und zwar mit Kunststofffenstern. Die straßenseitige Fassade erhielt dreigeteilte Fenster, die die historische Ausstrahlung des Gebäudes unterstützen. Hundert Jahre hinterließen an dem roten Backsteingebäude ihre Spuren. Die letzten größeren baulichen Veränderungen an dem Jugendstilgebäude resultierten aus dem Jahr 1965. Im März 1998 entschloss sich die Stadt Hof für die notwendig gewordene Sanierung, mit der noch im gleichen Jahr begonnen wurde.
Denkmalschutz von übergeordneter Bedeutung
Die straßenseitige Fassade verdeutlicht dem Betrachter auf eindrucksvolle Weise, dass speziell dem Aspekt "Denkmalschutz" bei der Sanierung eine übergeordnete Bedeutung zukam. Diesen Eindruck vermitteln nicht zuletzt die neuen dreigeteilten Kunststofffenster. Bei der Sanierung des Gebäudes aus der Gründerzeit wurden Fensterprofile aus Kunststoff verarbeitet.
Wie läßt sich dieser Sachverhalt mit dem Aspekt "Denkmalschutz" vereinbaren? Diese Frage beantwortet Baudirektor Dipl.-Ing. Davor Tepez, Leiter des Hochbauamtes der Stadt Hof: "Wir d.h. das für die Durchführung baulicher Maßnahmen an städtischen Gebäuden zuständige Bauamt haben in den letzten Jahren im Rahmen von Sanierungen, z.B. im Jugendzentrum, der Berufsschule oder der Christian-Wolfrum-Schule bereits Kunststofffenster auch großformatige - eingebaut und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Diese Erfahrungen wollten wir auch in der Sophienschule nutzen."
Die Entscheidung des Bauträgers zugunsten von Kunststofffenstern traf beim Landesamt für Denkmalschutz allerdings auf Ablehnung. Das Landesamt steht dem Einbau von Kunststofffenstern in denkmalgeschützten Gebäuden grundsätzlich ablehnend gegenüber. Der Stadt Hof wurde daher dringend empfohlen, vom Einbau solcher Fenster abzusehen.
Wirtschaftlichkeit steht an erster Stelle
In Zeiten leerer Kassen der öffentlichen Hand sind Langlebigkeit und Pflegefreundlichkeit gefragt. Diese Kriterien wurden bei den Überlegungen über den Einbau der Fenster herangezogen. "Wir haben das Für und Wider von Holz- und Kunststofffenstern in einem direkten Vergleich gegeneinander abgewogen, die Anschaffungskosten ermittelt und die über mehrere Jahre zu erwartenden Aufwendungen im Rahmen des Bauunterhaltes gegenübergestellt, aber auch unsere architektonischen Ansprüche nicht außer acht gelassen. Im Einvernehmen mit dem Nutzer fiel die Wahl zugunsten der Kunststofffenster aus ", so Davor Tepez.
Musterfenster als Bewertungskriterium
Von den ursprünglichen Fenstern des Schulgebäudes existieren keine Planunterlagen. So konnten sich die Verantwortlichen nur auf alte Fotografien stützen, die als Grundlage für die Gestaltung der Proportionen und besonders die Ausbildung der Profilstärken dienten.
Um sich ein Bild über die Optik der einzubauenden Fenster machen zu können, wurden zu Vergleichszwecken sowohl ein Holz- als auch ein Kunststofffenster angefertigt und an Ort und Stelle eingebaut. Die Anordnung der Musterfenster unmittelbar nebeneinander ermöglichte es, die theoretischen Planungen auf ihre tatsächliche Wirkung hin an Ort und Stelle zu überprüfen, um etwaige Korrekturen vornehmen zu können
Die Wahl der Baudirektion fiel auf das Musterfenster aus Kunststoff. Baudirektor Davor Tepez begründet diese Entscheidung wie folgt: "Neben der Wirtschaftlichkeit entsprach das Ergebnis in Funktion und Optik weitgehend unseren Vorstellungen. Die gewonnenen Erkenntnisse waren dann Grundlage unserer Ausschreibungen."
Statische und wirtschaftliche Anforderungen
Besondere statische Anforderungen stellten die hohen Fenster im zweiten Obergeschoss mit einer Windlast von 96 kg/m2. Trotz zusätzlicher konstruktiver Aussteifungen und unter Berücksichtigung einer gerade im Schulbetrieb überaus "rauhen" Beanspruchung konnte die Optik der Fenster entsprechend den architektonischen Vorgaben in Einklang gebracht werden.
Die Heizkosten bilden in einem Schulgebäude einen wesentlichen Kostenfaktor. Deshalb kam bei der Sanierung der Sophienschule dem Wärmeschutz ein besonderes Augenmerk zu. "Das Gebäude steht in Ost-West-Richtung und weist am Vor- und Nachmittag tiefe Sonnenstände auf. Wir haben dem durch den Einbau von Sonnenschutzglas mit einem k-Wert von 1,1 W/m2K Rechnung getragen. Außerdem verfügt das Kunststoffprofil ebenfalls über eine gute Wärmeisolierung ", fährt Baudirektor Tepez fort.
Sicherheitslösungen in öffentlichenGebäuden
Öffentliche Gebäude unterliegen hohen sicherheitstechnischen Auflagen, die auch durch die Fenstertechnik zu erfüllen sind. Diese Auflagen sahen bei der Sophienschule so aus, dass die Fenster im Notfall auch als Fluchtwege genutzt werden müssen. Aus diesem Grunde wurde eine Fensterausführung gewählt, die keine feststehenden Pfosten beinhaltet, weil dadurch die Fluchtwegbreite zu weit eingeschränkt worden wäre.
Statt dessen wurden spezielle Drehzapfenbänder eingebaut, die es ermöglichen, bei drei Flügeln auf die feststehenden Pfosten zu verzichten. So lässt sich eine maximale Durchgangsbreite von zwei Flügelbreiten erreichen. Als positiver Nebeneffekt resultiert daraus eine noch schlankere Profilbreite.
Zusammenarbeit mit Profilehersteller
Während der Planungsphase kam es zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen dem städtischen Bauamt und der Architektenberatung von GEALAN-Fenster-Systeme. "Wir haben bereits bei der Realisierung früherer Projekte den Service des Profileherstellers aus Oberkotzau in Anspruch genommen und dabei gute Erfahrungen gemacht. Für uns ist es naheliegend, die Zusammenarbeit mit einem kompetenten örtlichen Unternehmen zu suchen. Solche Kooperationen erweisen sich durchaus für beide Seiten als fruchtbar ", resümiert Baudirektor Tepez. Die Unterstützung bei der Objektplanung durch GEALAN sieht die zuständige Baubehörde in einem positiven Licht. "Das gemeinsame Ringen um die beste Lösung hat zu einem gelungenen Resultat geführt; deswegen können wir sehr zufrieden sein ", fährt Tepez fort.
Trotz des Einbaus von Kunststofffenstern anstelle von Holzfenstern ist die historische Ansicht des 100 Jahre alten Gebäudes erhalten worden. Es stellt sich die Frage, ob nach Abschluss des Projekts "Sophienschule" das Landesamt für Denkmalschutz dem Einbau von Kunststofffenstern aufgeschlossener gegenübersteht. Dazu Baudirektor Tepez: "Ich hoffe sehr, dass die Mühe, die sich die Firma GEALAN zusammen mit dem Stadtbauamt Hof gemacht hat, diesbezüglich nicht vergebens war. Das eindrucksvolle Ergebnis, das wir miteinander geschaffen haben, sollte als sichtbare Basis für offene und vorbehaltlose Diskussionen mit dem Landesamt für Denkmalschutz, der Industrie und der Nutzerseite dienen, deren Ziel es ist, letztendlich allseits akzeptable Lösungen im Rahmen der Denkmalpflege zu gewinnen."