Verbesserte Wärmedämmung und umweltfreundliche Heiztechnik machen sich bezahlt
Saftige Preissteigerungen für Öl und Gas, dazu ein langer, harter Winter für ein warmes Zuhause zu sorgen ist im letzten Jahr zu einer teuren Angelegenheit geworden. Nun lassen sich weder das Wetter noch die hohen Energiepreise ändern und dennoch kann man gegen steigende Heizkosten etwas tun: Energiesparen heißt die Lösung. Denn in den meisten älteren Häusern lässt sich der Energieverbrauch deutlich reduzieren, ohne dass man auf Komfort verzichten muss. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall hat Tipps zusammengestellt, wie die Energiebilanz der eigenen vier Wände nachhaltig verbessert und damit nachhaltig gespart werden kann.Ältere Gebäude haben nicht selten einen jährlichen Heizenergiebedarf von 250 kWh pro m2 das entspricht etwa 25 Litern Heizöl oder 25 m3 Erdgas. 50 bis 75 Prozent davon können in den meisten Fällen eingespart werden. Dies hat der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena), Stephan Kohler auf dem Energiegipfel der Bundesregierung im letzten Oktober am Beispiel eines typischen Einfamilienhauses mit einem jährlichen Verbrauch von 44.000 kWh (das entspricht ca. 4.400 Litern Heizöl) deutlich gemacht. Nach seinen Berechnungen lassen sich zwei Drittel davon durch ein verändertes Nutzerverhalten, vor allem aber durch Sanierungsmaßnahmen wie die Erneuerung von Dämmung, Fenstern und Heizung einsparen. Somit reduzieren sich auch die Heizkosten um etwa zwei Drittel von derzeit 2.660 Euro auf ca. 960 Euro.
Erster Schritt: Analyse vom Fachmann
Der erste Schritt, um das vorhandene Sparpotential im eigenen Haus richtig einzuschätzen und geeignete Sparmaßnahmen einzuleiten, ist eine genaue Bestandsaufnahme. Der Energiepass, der mit zwei Jahren Verspätung 2008 endlich Pflicht werden soll, wird nicht nur auf einen Blick verlässlich Auskunft darüber geben, welche Kosten für Heizung und Warmwasser auf die Bewohner zukommen. Der Energiepass wird laut dena-Chef Kohler vor allem auch konkret helfen, energetische Schwachstellen zu erkennen und zu beheben. Für eine umfassende Energieberatung vor Ort gibt es für ältere Ein- und Zweifamilienhäuser einen Zuschuss von 175 Euro. Einen Antrag kann man beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) nur übers Internet stellen: Unter www.bafa.de findet man auch eine umfangreiche Liste zugelassener Energieberater meist Architekten, Ingenieure oder Handwerker mit einer Zusatzausbildung. Adressen von Energieberatern, die einen Energiepass ausstellen, lassen sich mit Hilfe einer Online-Datenbank unter www.gebaeudeenergiepass.de recherchieren.
Gerade bei Altbauten kommt es darauf an, ein Gesamtkonzept für die Sanierung zu erstellen. Zu einer konsequenten Planung gehört neben der Analyse auch die Erstellung einer Prioritätenliste. Sie ermöglicht es, die Sanierung auch schrittweise durchzuführen und so die Kosten zu minimieren etwa indem man zunächst Maßnahmen in Angriff nimmt, die in absehbarer Zeit ohnehin anstünden.
Zwei Wege zum sparsamen Haus
Zwei Wege führen zu einem geringeren Energieverbrauch: einer über die Optimierung der Wärmedämmung, der andere über eine effizientere und sparsamere Heizungsanlage. Zunächst hat die Verbesserung des Wärmeschutzes eindeutig Vorrang, denn was nützt die beste Heizung, wenn sich ein Großteil der von ihr erzeugten Wärme durch die Außenhaut des Hauses verflüchtigt. Mit einer gut geplanten und sorgfältig ausgeführten Dämmung lassen sich die Wärmeverluste auf weniger als ein Drittel verringern. Ideal ist es, wenn die komplette beheizte Gebäudehülle lückenlos gedämmt wird: Außenwände und das Dach haben die größte Fläche und sind am wichtigsten, aber auch die Fenster und der Keller müssen unbedingt mit einbezogen werden. Je stärker die Dämmung, desto geringer die Wärmeverluste. Daher ist es ratsam, deutlich stärker zu dämmen als es die Energieeinsparverordnung (EnEV) vorschreibt: Die Außenwanddämmung sollte 16-32 cm dick sein, fürs Dach werden 20-36 cm empfohlen.
Wichtig ist, dass die Dämmung sorgfältig ausgeführt wird und alle Gebäudeteile mit einschließt. Jede Lücke im Dämmsystem (typische Schwachstellen sind Balkone und Rollladenkästen) bildet eine Wärmebrücke, durch die Energie verloren geht und die zudem anfällig für Schimmelbildung ist. Mit einer Thermografie (Dienstleister findet man im Internet unter www.vath.de) kommt man auch diesen kritischen Punkten auf die Spur. Da undichte Stellen nicht nur Wärmeverluste bedeuten, sondern auch die Gefahr von Feuchteschäden, muss die Dämmung unbedingt luftdicht ausgeführt werden. Ein so genannter Blower-Door-Test, mit dem sich die Luftdichtigkeit der Gebäudehülle feststellen lässt, ist dabei eine wichtige Qualitätskontrolle. In luftdicht gedämmten Häusern ist gutes Lüften Pflicht mit einer automatischen Lüftungsanlage minimiert man die Wärmeverluste.
Zu den Schwachstellen beim Wärmeschutz gehörten lange Zeit die Fenster. Häuser, die mit modernen Dreifach-Isoliergläsern mit Kryptonfüllung und zwei Wärmedämmschichten verglast sind, verlieren nur noch etwa ein Sechstel der vor 15 Jahren üblichen Wärme. Eine Verringerung des Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,1 W/m2K führt pro m2 Fensterfläche zu einer Einsparung von 1,2 Litern Heizöl im Jahr. Für eine typisches frei stehendes Einfamilienhaus mit 30 m2 Fensterfläche bedeutet das: Ein Austausch unbeschichteter Isolierglasfenster gegen neue Dreifach-Isoliergläser spart pro Heizperiode 9.000 kWh oder umgerechnet 900 Liter Heizöl.
Spar-Kombi: Brennwerttechnik plus Solaranlage
Ist das Haus warm eingepackt, geht es an die Heizung. Die Grundsatzfrage lautet: Soll lediglich der alte Kessel ausgetauscht werden, oder ist ein Umstieg auf einen anderen Brennstoff bzw. auf erneuerbare Energien sinnvoll? Da bei alten Öl- und Gaskesseln rund ein Drittel der eingesetzten Energie ungenutzt verloren geht, moderne Brennwertgeräte den Brennstoff aber nahezu vollständig in Heizwärme umwandeln, lohnt sich der Kesseltausch auf jeden Fall. Wer auf einen effizienten Brennwertkessel umsteigt und zusätzlich eine Solaranlage zur Trinkwassererwärmung installiert, kann 30 bis 40 Prozent sparen. Für diese Lösung sprechen die relativ günstigen Anschaffungskosten: Ein Brennwertkessel in Kombination mit Solartechnik ist schon ab etwa 6.000 Euro aufwärts zu haben eine Investition, die sich innerhalb weniger Jahre durch die deutlich niedrigeren Heizkosten amortisiert.
Um sich aus wirtschaftlichen oder ökonomischen Gründen ganz von Öl und Gas abzukoppeln, stellen immer mehr Hausbesitzer ihre Heizung auf erneuerbare Energiequellen wie Sonnenstrahlung, Erdwärme oder Holz um. Thermische Solaranlagen stellen eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Heizsystemen dar ausschließlich mit der Sonne beheizen lässt sich ein Haus (noch) nicht. Eine Solaranlage kann etwa 60 Prozent der für die Warmwasserbereitung benötigten Energie liefern sowie etwa ein Viertel des Wärmebedarfs decken, wenn sie zusätzlich zur Heizungsunterstützung genutzt wird.
Vollwertige Heizungen auf der Basis regenerierbarer Energien sind Wärmepumpen und Pelletkessel. Wärmepumpen nutzen die in der Erde oder im Grundwasser gespeicherte Wärme, indem sie diese mit Hilfe von elektrischem Strom auf ein höheres Temperaturniveau pumpen. Effiziente Anlagen produzieren so pro kWh Strom die vierfache Menge an Heizenergie. Pelletkessel erhalten ihre Energie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz: Sie werden mit kleinen Presslingen aus Holzabfällen, den so genannten Pellets, beheizt.
Betrachtet man die reinen Verbrauchskosten, haben Erdwärme- und Pelletheizungen deutliche Vorteile. Pro kWh ist das Heizen mit Pellets etwa um ein Drittel günstiger als mit Öl oder Gas. Mit einer effizienten Wärmepumpe kann man sogar die Hälfte der Heizkosten sparen. Allerdings sind die Anschaffungskosten für diese Heizsysteme deutlich höher. Für eine Pelletheizung muss man mindestens 12.000 Euro einkalkulieren, für eine Wärmepumpe vor allem wegen der hohen Kosten für die Erdbohrung gut 20.000 Euro.
Rechtzeitig über Fördermittel informieren
Ob bzw. wie schnell sich solche Investitionen rechnen, hängt neben der Entwicklung der Öl- und Gaspreise auch davon ab, ob man in den Genuss der verschiedenen Förderprogramme kommt. Gefragt sind vor allem die zinsverbilligten Darlehen der KfW-Förderbank, mit denen etwa energiesparende Modernisierungen und der Einbau neuer Heiztechnik auf der Basis regenerativer Energien bezuschusst werden. Auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle legt immer wieder Marktanreizprogramme für Solarkollektoren und Biomassekessel auf. Darüber hinaus gibt es auf Länderebene, bei vielen Kommunen sowie den Energieversorgern eine Vielzahl von Förderprogrammen. Da sich die Konditionen für diese Programme häufig ändern und viele Fördertöpfe begrenzt sind, rät Schwäbisch-Hall-Expertin Ingrid Lechner, sollte man sich vor Beginn der Modernisierungsmaßnahmen bei der KfW-Förderbank, dem BAFA sowie regionalen und kommunalen Stellen informieren. Schnell und zuverlässig lassen sich die verfügbaren Fördermittel mithilfe der Internetdatenbanken www.foerderdata.de und www.energiefoerderung.de recherchieren.