IHK fordert stärkere Kooperation der Gemeinden
München, 02.08.2002 (IHK) Zusammenarbeit in der kommunalen Wirtschaftsförderung fristet in Oberbayern ein Mauerblümchendasein. Statt die Kräfte einer Region zu bündeln und gemeinsam Standortpolitik zu betreiben, dominieren insbesondere bei der Erschließung und Vermarktung von Gewerbe- und Industriegebieten Einzelkämpfer-Strategien. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der IHK für München und Oberbayern unter 237 oberbayerischen Kommunen.Während die Städte, Märkte und Gemeinden regelmäßig bei der Ver- und Entsorgung, im EDV-Bereich oder in der Verkehrsinfrastruktur zusammenarbeiten (71 Prozent), spielen Kooperationen im Bereich der Wirtschaftsförderung eher eine Nebenrolle. Nur 43 Prozent der befragten oberbayerischen Kommunen suchen dafür Partner. Am häufigsten wird im Marketing (22,8 Prozent) und Tourismus (19 Prozent) gemeinsame Sache gemacht. Weitaus weniger gefragt ist die Zusammenarbeit bei der Erschließung und Bereitstellung von Gewerbe- und Industrieflächen (11 Prozent) oder der Errichtung von Gewerbeparks und Gründer- bzw. Kompetenzzentren (7,2 Prozent). Auch die Suche nach Investoren im In- und Ausland starten die befragten Kommunen größtenteils im Alleingang.
"Gerade in den Verdichtungsräumen, wo Kooperation aufgrund Flächenmangels oder hoher Bodenpreise am dringlichsten wäre, wird sie am wenigsten praktiziert", kritisiert IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler. Hier müsse ein Ruck durch die oberbayerischen Kommunen gehen.
Dabei scheitert eine bessere Zusammenarbeit meist nicht am guten Willen: Die Gemeinden scheuen vielmehr den organisatorischen Aufwand. 16 Prozent der von der IHK befragten Kommunen geben das Fehlen positiver Beispiele und praktischer Handlungsanleitungen als Gründe für ihre bisherige Untätigkeit an. Nur 9 Prozent hält der finanzielle Aufwand von Kooperationen im Bereich Wirtschaftsförderung ab, 6 Prozent fürchten um ihre Autonomie.
Die IHK München bietet deshalb verstärkt Workshops für Kommunen und Wirtschaftsförderer zum Thema Kooperationen an und hilft beim Aufbau von Netzwerken. Über das Standort-Informations-System Bayern (SISBY) der IHK können Kommunen zudem ihre Gewerbeflächen kostenlos vermarkten. Darüber hinaus plädiert die IHK, im Zuge der Gewerbesteuerreform steuerliche Anreize für kommunale Wirtschaftskooperationen zu schaffen. "Gemeinsames Handeln muss sich künftig stärker lohnen", fordert Dörfler.