Käuferstreik und zunehmende Verkaufsflächen ruinieren den Handel

Käuferstreik und zunehmende Verkaufsflächen ruinieren den Handel

Dachau/Fürstenfeldbruck, 18.11.2002 (IHK) Der Einzelhandel steht mit dem Rücken zur Wand: Sinkende Umsätze bei zunehmenden Verkaufsflächen stellen insbesondere den Handel in den Innenstädten vor massive Probleme. „Für den Facheinzelhandel ist der Überlebenskampf so hart wie nie zuvor“, warnt das IHK-Gremium Dachau-Fürstenfeldbruck. Dies spiegelt auch die aktuelle Herbst-Umfrage der IHK für München und Oberbayern wider. Nur noch acht Prozent der bayerischen Händler erwarten in den nächsten Monaten ein Umsatzplus, 59 Prozent rechnen dagegen mit weiteren Umsatzrückgängen. „Die neuen Steuer- und Rentenpläne der Bundesregierung würgen jetzt auch noch den verbliebenen Rest Kauflust beim Verbraucher ab“, kritisiert das IHK-Gremium. Die Verunsicherung der Käufer habe dazu geführt, dass einige Branchen Umsatzrückgänge bis zu 35 Prozent verkraften müssten.

Zusätzlich kämpfe der regionale Einzelhandel mit strukturellen Problemen. Stark expandierende Verkaufsflächen bei gleichzeitig stagnierender oder rückläufiger Nachfrage hätten den Verdrängungswettbewerb weiter angeheizt und die Verlagerung von Einzelhandelsflächen auf die grüne Wiese erhöht, berichtete Georg Osterhammer, Einzelhandelsexperte der IHK für München und Oberbayern, auf der jüngsten Sitzung des IHK-Gremiums.

Die IHK fordert daher seit langem die raumverträgliche Dimensionierung und städtebauliche Integration von Einzelhandelsgroßprojekten und hat dies auch bei der jüngsten Fortschreibung der Fachziele Handel im Landesentwicklungsprogramm durchgesetzt. Kritisch sieht die IHK München allerdings, dass im Ausnahmefall die Ansiedlung peripherer Einzelhandelsgroßprojekte möglich ist, wenn keine geeigneten, städtebaulich integrierten Flächen vorhanden sind. „Hier sind für Kommunen große Gestaltungsspielräume möglich“, warnte Osterhammer.

Angesichts der düsteren Zukunftsperspektiven sei gemeinsames Handeln umso mehr gefordert, betonte Michael Rosenheimer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Dachau-Fürstenfeldbruck. „Handel, Dienstleistungsbetriebe, Gastronomie und auch Kulturverantwortliche müssen in einem Boot sitzen und mit abgestimmten Aktionen die Wettbewerbssituation des Standortes und damit auch die Kaufkraftbindung erhöhen“, appellierte Rosenheimer.

Auch die Politik sei gefragt. Die Öffnungszeiten müssten weiter flexibilisiert, die Abstimmung zwischen Kommunen verbessert und regionale Handelskonzepte entwickelt werden. Darüber hinaus seien die Verwaltungen auch bei der Kontrolle vorhandener Verkaufsflächen gefordert, betonte Rosenheimer. Die Einhaltung der in den Bauleitplänen festgeschriebenen Flächendimensionen von Einzelhandelsgroßprojekten müsse stärker überprüft werden, so der Gremiumsvorsitzende. Das IHK-Gremium Dachau-Fürstenfeldbruck fordere deshalb die Stadt Dachau auf, die Verkaufsflächen im Gewerbegebiet „Schwarzer Graben“ nachzumessen.